Zwei Reuttener freuen sich auf Wien

Liesi Pfurtscheller (ÖVP) und Stefan Zaggl (SPÖ) nahmen ihre Arbeit als Bundesräte auf

Mit Liesi Pfurtscheller (r.) gehen zwei weitere Tiroler als ÖVP-Bundesräte nach Wien: Dr. Peter Raggl aus Schönwies und Klara Neurauter aus Innsbruck. Landeshauptmann Günther Platter wünschte nach der Wahl im Landtag alles Gute (v. l.). Foto: Kolland

Zwei von 61 österreichischen Bundesräten stammen aus Reutte: Das ist wahrlich kein schlechter Anteil – vor allem, wenn man ihn in Bezug zur Einwohnerzahl einer Gemeinde setzt. Am Dienstag nach Ostern haben die in der Woche zuvor vom Tiroler Landtag gewählten Abgeordneten Liesi Pfurtscheller (ÖVP) und Stefan Zaggl (SPÖ) ihre Arbeit aufgenommen. Kurz vor der Abreise nach Wien unterhielten sie sich noch mit der RUNDSCHAU.

Dass ihr von den Wählern keine zweite Amtszeit als Nationalrätin beschieden war – das hatte Liesi Pfurtscheller sichtlich getroffen. Doch die Enttäuschung ist nun offenkundig überwunden: Als eine von drei ÖVP-Mandataren des Landes und eine von fünf Tiroler Bundesräten kehrte sie schon am Dienstag nach Wien zurück, wo sich der Club der Volkspartei traf, um die Sitzung des Donnerstags vorzubereiten. Da werden dann eine Menge Personalia zu regeln sein: Weil die Grünen den Fraktionsstatus verloren haben (sie können niemand mehr aus Tirol in dieses Gremium schicken), müssen die Ausschüsse neu konstituiert werden, und weil die Reuttenerin Sonja Ledl-Rossmann in den Landtag gewechselt ist, gilt es, einen neuen Vize-Präsidenten zu wählen.
Kein Zweifel: Für Liesi Pfurtscheller ist ihr neues Amt alles andere als ein Trostpflaster. Wenn man mit ihr spricht, dann spürt man: Sie will es mit Leben erfüllen. Vom alleres-
ten Moment an.
Bei Sonja Ledl-Rossmann habe sie beobachten können, wie wichtig der Bundesrat als Verbindungsglied zwischen Bund und Ländern sei, erzählt sie im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Die Möglichkeit zur Verzahnung dieser beiden Ebenen will sie gerne nutzen: Sie darf an den ÖVP-Clubsitzungen im Nationalrat ebenso teilnehmen wie an den Beratungen des Landtags, wo sie künftig Rederecht hat, allerdings nicht abstimmen darf.
Keinen Hehl macht sie daraus, dass „ich mich sehr freue, wieder nach Wien zu dürfen“. Dort habe sie viele Menschen und Themen kennengelernt: „Es ist schön, wieder daran anknüpfen zu können.“
Dadurch habe sie auch die Chance, ihre Herzensthemen weiter vorantreiben zu können. Als da wären? „Frauen, Gleichstellung, Verkehr, Stärkung des ländlichen Raums. Ja, und auch die Menschenrechte.“

Schon viele Ideen im Kopf.

Welchem Ausschuss sie nun konkret zugeteilt wird, das ließ sich an Ostern noch nicht genau sagen. Nach der Serie der Landtagswahlen in Niederösterreich, Tirol und Kärnten kommt am 22. April noch Salzburg dazu, und wenn dort der neue Landtag steht, werden auch auf Bundesratsebene die Karten neu gemischt. Erst dann steht definitiv fest, für welche Themenfelder die Reuttenerin künftig zuständig sein wird.
Der Bundesrat hat aus ihrer Sicht übrigens bei weitem nicht so wenig zu sagen wie manche meinen: „Wir können Gesetze zur Verbesserung zurückschicken.“ Auch wenn das in Österreich nicht gerade gängige Praxis sei.
Über den Sinn des zur Wahrung der Interessen der Bundesländer geschaffenen Gremiums werde ja schon lange diskutiert – ohne dass es je eine Einigung gegeben habe. Auf dem Tisch seien verschiedene Vorschläge gelegen – etwa, die Aufgaben gleich von den Landeshauptleuten erledigen zu lassen oder den Bundesrat mit Landtagsabgeordneten zu besetzen: „Aber so lange die Verfassung nicht geändert ist, ist das eine schöne Aufgabe. Und auch eine, die Sinn macht.“
Als Nationalrätin habe ihr oft die Verbindung und Vernetzung mit dem Landtag gefehlt. Jetzt biete sich ihr die große Möglichkeit, auch in der Frauenpolitik in Tirol etwas zu bewegen. Kurzum: „Bei jedem Mandat (sei es im Gemeinderat, sei es auf höchster Ebene) kommt es darauf an, was man selbst daraus macht. Die Sonja ist das beste Beispiel. Sie hat als Bundesrätin für die Pflege sehr viel erreicht. Ich habe auf jeden Fall schon ganz viel im Kopf, was ich so tun will. Und ich freue mich darauf, diese Projekte auch umzusetzen.“

SPÖ schickt einen Frischling.

Im Vergleich zu Liesi Pfurtscheller kann Stefan Zaggl als absoluter „Frischling“ in der politischen Szene gelten. Es ist gerade mal zwei Jahre her, dass der Werkzeugmaschineur der Plansee-Werke in die SPÖ eintrat und auf die Reuttener Gemeinderatsliste ging. Schnell wurde er auch Bezirksvorsitzender der Roten – und nun findet er sich plötzlich im Bundesrat wieder. Eine Blitzkarriere. Findet auch er.
„Es macht mich stolz, dieses Mandat für Reutte bekommen zu haben“, strahlt er beim Besuch in der Redaktion der RUNDSCHAU. Vor zehn Jahren „hätte ich mir das nie träumen lassen, in so einer Funktion nach Wien zu gehen“, räumt er ein. Und seine Partei lag ja in Reutte ziemlich tief am Boden. Von der einst führenden Kraft schrumpfte sie auf ein Gemeinderatsmandat, da gab es viel zu tun. Doch Zaggl packte an und setzte bei der Landtagswahl als Kandidat ein Ausrufezeichen, das wohl auch auf höherer Ebene registriert wurde, obwohl es bei 498 Vorzugsstimmen nicht zu einem Sitz in Innsbruck reichte: eine Verdoppelung des Ergebnisses seiner Partei.
Da Reutte als einziger Bezirk nicht  im roten Landtagsclub vertreten ist, öffneten ihm seine Genossen die Tür gen Wien: „Für uns ist es wichtig, die SPÖ im Außerfern wieder aufzubauen. Mit einem Mandat kann man einfach mehr Präsenz zeigen als ohne.“
Eine konkrete Vorstellung von seinem neuem Amt konnte sich der 38-Jährigr noch nicht machen. Dafür ging alles zu schnell. Mit seiner neuen Wiener Bundesrats-Kollegin aus Wien – Renate Anderl, die er schon von der Gewerkschaftsarbeit her kannte – hat er sich zwar schon einmal unterhalten, aber dennoch ist er gespannt auf das, was alles auf ihn zukommt: „Auf jeden Fall ist das ein wichtiges Mandat mit vielen interessanten Themenfeldern. Ich muss das alles auf mich zukommen lassen. Einen thematischen Schwerpunkt habe ich bisher nicht. Das wird sich schon ergeben.“ Er freue sich, einen besseren Einblick ins politische Geschehen zu bekommen: „Jetzt bin ich ja mitten im Geschehen.“
Er wolle sachorientiert arbeiten. Dass das Außerfern nun die Tiroler Landtagspräsidentin und zwei Bundesräte stelle – das sei einfach toll!
„Freu dich, Tirol!“: So lautete der Landtagswahl-Slogan seiner Partei. Gilt das auch für ihn? „Natürlich. Aber ich freue mich nicht nur für mich persönlich. Sondern auch für die ganze SPÖ in Reutte.“
Dass seine Partei nicht mehr den Kanzler stellt, ficht ihn nicht an: „In der Opposition können wir wieder aufbauen. Das ist eine Chance, wieder stärker zu werden. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten.“

von Jürgen Gerrmann

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.