120 Jahre Schützenkompanie Reutte

Zum 120-Jahre-Jubiläum wurde das Wegkreuz auf der Lähn restauriert und neu eingeweiht. Foto: Santa

Ein Verein mit dem Ursprung in der Verteidigung der Heimat hält die militärischen Traditionen hoch

Das Tiroler Landlibell von 1511 wird als die Geburtsstunde des Schützenwesens bezeichnet. Am 23. Juni 1511 hatte Kaiser Maximilian I. im Einvernehmen mit den Tiroler Landständen das Landlibell erlassen. Diese Verteidigungsordnung hatte in ihren Grundzügen bis ins 20. Jahrhundert Gültigkeit.

Die Geschichte der Reuttener Schützenkompanie beginnt auf den oberitalienischen Schlachtfeldern von 1866. Dorthin rückten auch Außerferner Schützenkompanien aus. 1880 gründeten Teilnehmer dieses Feldzuges den ersten „Veteranenverein“ in Reutte, der aber bereits 1891 – wohl aus Überalterung – wieder aufgelöst wurde. 1897 wurde ein neuer Verein ins Leben gerufen, der sich aus aktiven ehemaligen Soldaten und Reservisten zusammensetzte. Der erste Hauptmann dieses „Erzherzog Ferdinand Karl Militär-, Veteranen- und Reservistenverein Reutte“ war Engelbert Müller. Der damalige Hirschenwirt Huter schenkte dem Verein 1899 ein Füllhorn mit der Aufschrift „Ein Hoch unserem Kaiser Franz Joseph“. 1900 wurde die Vereinsfahne geweiht.
Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde der Vereinsnamen auf „Krieger- und Veteranenverein“ geändert. 1932 gab es für diesen Verein eine neue Fahne, für die Anny Kraus die Patenschaft übernahm.
In ihrer heutigen Tracht trat die Schützenkompanie Reutte erstmals 1935 beim Besuch des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg auf. Der Ausbruch des Nationalsozialismus 1938 brachte die Auflösung aller Vereine in Reutte.

Schützenkompanie Reutte. Bezirkshauptmann Friedrich Attlmayr setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg für die Wiedergründung des Vereins ein. Die erste Vollversammlung fand 1946 statt, der neue Vereinsname war nun „Schützenkompanie Reutte“.
Heute gehört die Schützenkompanie Reutte dem Bataillon Ehrenberg an, das 1964 gegründet worden war. Seit 1973 stellt die Marktgemeinde Reutte der Kompanie das Schützenheim in der Prof.-Dengel-Straße zur Verfügung.

Wegkreuz. Zu ihrem 90-jährigen Bestehen spendierte die Schützenkompanie Reutte ein Feldkreuz, das auf der Lähn aufgestellt wurde. Vinzenz Arto zimmerte dieses Kreuz, das im Beisein des damaligen Breitenwanger Bürgermeisters Willi Häsele von Dekan Ernst Pohler geweiht wurde.
30 Jahre später, zum 120-jährigen Jubiläum, wurde dieses Kreuz restauriert und erneut durch Alt-Dekan Ernst Pohler geweiht.

Dankbar. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem Grundeigentümer Fritz Heinrich,  auf dessen Grund und Boden das Kreuz steht, Tobias Angerer, der das Holz für das Kreuz spendiert hat, Herbert Schlichther, Peter Hauser und Sepp Schneider, die für die Herstellung und Montage verantwortlich waren, Ernst Schnöller aus Elbigenalp für die Restaurierung des Kreuzes, der Gemeinde Breitenwang für die großzügige finanzielle Unterstützung und Ingrid Trixl, die das Kreuz immer liebevoll mit Blumen schmückt sowie Altdekan Ernst Pohler für die würdevolle Segnung.
Oft zur Kennzeichnung einer Weggabelung oder exponierten Stelle errichtet, stehen Wegkreuze und ihre Errichtung auch im Zusammenhang mit dem Gedenken an einen bestimmten Anlass. Das Bildnis des gekreuzigten Christus ist als Zeichen des christlichen Glaubens zu sehen, der für die Schützen heute ein zentrales Merkmal ist.

Traditionsbewusstsein. Tiroler Schützen mit ihren Trachten stehen vor allem für Traditionsbewusstsein. Treue zur Heimat und zum christlichen Glauben sind wesentliche Eckpfeiler. Brauchtumspflege, das gemeinsame Ausrücken, Feste und das Beisammensein sind Herzensanliegen.
Bei den heutigen Schützenkompanien wird das soziale Engagement hochgehalten. Die Schützen stehen mit der Kirche, den umliegenden Gemeinden und den Tourismusverbänden in ständiger Verbindung. Das Motto „Tue Gutes und sprich darüber“ steht im Fokus. Die Schützenkompanie Reutte würde sich freuen, wenn die feierliche Einweihung des restaurierten Kreuzes auf der Lähn Anreiz wäre, das Patroziniumsfest zum Gedenken an den heiligen Coloman wieder regelmäßig zu feiern.