15 Jahre Afra-Benefiz im Hause Stecher

Die Freude ist groß: Mit 50.000 Euro kann vielen Frauen in Not geholfen werden. Ein Zweck, dem der Künstler Leander Kaiser voll zustimmen kann, und der seit 15 Jahren durch die Familie Stecher tatkräftig verfolgt wird. V.l. Leander Kaiser, Gabi Plattner, Walter Stecher, Margret Aull, Annaliese Stecher, Anneliese Junker und Günther Stecher, unterstützt von den Jüngsten der Veranstaltung. Foto: Bundschuh

Scheckübergabe im feierlichen Rahmen in Wildermieming

Vergangenen Samstag luden Annaliese und Günther Stecher im Jubiläumsjahr zur vorweihnachtlichen Benefizveranstaltung in ihre Steindruckerei. Der Erlös aus dem Verkauf der Afra-Lithographie „Ich fürchte nicht“ von Leander Kaiser brachte 50.000 Euro für das Tiroler Frauenhaus und den Verein „Frauen helfen Frauen“. 

„Sie alle sind heute da, weil Sie der Familie Stecher helfen, Frauen zu unterstützen, die aus irgendwelchen Gründen nicht nach Hause kommen können oder kein Zuhause haben. Vergessen wir auch nicht die Millionen von Flüchtenden auf der Welt, die ihre Heimat aufgrund von Kriegen oder Hunger verlassen müssen“, so der Sprecher der Anklöpfler unter Chorleiter Bernhard im beinahe übervollen Hause Stecher. „I bin überwältigt, weil angemeldet waren ja gar nit so Viele“, begrüßte Günther Stecher. Und weiter: „I begrüß unseren Alt-Landtagspräsident Herwig van Staa, der uns immer unterstützt mit seiner Frau Luise, die die erste Gotl war von unserem Fest (Anm. der Verfasserin: 2004 machte August Stimpfl den Anfang mit der Lithographie „Weib“). I begrüß unseren Künstler Leander Kaiser, extra aus Wien angereist, die Afrakünstler Elmar Kopp, Nino Malfatti, Franz Mölk. Wunderschön, dass man diese Tradition seit 15 Jahren fortführen kann, das ginge nicht ohne eine Familie. Anfangs sind wir noch allein gesprungen und g`saust, jetzt haben wir schon 30 freiwillige Helferinnen und Helfer. Und eine Frau muss ma auch erst finden, die jedes Jahr das Haus ausramt und alls hertuat.“ Sprach´s und überreichte Annaliese 15 langstielige rote Rosen. Herzlich bedankt wurden neben dem umtriebigen Opa auch die Feuerwehr, Sponsoren und alle, die seit Jahren helfend zur Seite stehen.

WER IST AFRA? Einer Legende folgend suchte Bischof Narcissus auf der Flucht vor der Christenverfolgung Unterschlupf und fand Aufnahme in einem Augsburger Freudenhaus, das von Afra, einer Tochter aus dem Zypriotischen Königshaus, betrieben wurde. Die tiefe Gläubigkeit des frühchristlichen Kirchenmannes beeindruckte sie so sehr, dass sie sich taufen ließ. In der Folge setzte sich Afra besonders für in Not geratene Frauen ein. Den Märtyrertod erlitt sie unter Kaiser Diokletian im Jahre 304 n Chr, ihre Heiligsprechung erfolgte 1064. Sie gilt als Namensgeberin von Afrahausen, dem heutigen Affenhausen.

„ICH FÜRCHTE NICHT!“ So nannte der Maler Leander Kaiser die diesjährige Afra-Benefiz-Lithographie, die von Günther Stecher in 14 Farben auf 14 Steinplatten als limitierte Auflage von 135 Stück gedruckt wurde. „Entlehnt wurde der Titel aus der Arie der Leonore in ‚Fidelio‘, allerdings im umgekehrten Verhältnis: Frauenhäuser retten Frauen vor Männern, in der Beethoven-Oper bewahrt eine Frau ihren Mann vor dem Kerker“, so der Künstler. Dieses Jahr konnten 50.000 Euro an das Tiroler Frauenhaus und den Verein „Frauen helfen Frauen“ übergeben werden. Ein Zweck, dem der Künstler voll zustimmen kann, wie er in seinem Schlusswort meinte.

DANKE! „Lasst`s uns no kurz Danke sagen im Namen der Frauen! Uns geht’s jedes Jahr so, dass ma nit glauben können und dann doch glauben dürfen. Danke auch für diesen Ort der Begegnung. Wir leben in einer Zeit, in der Begegnung wenig gewürdigt wird. So eine Veranstaltung ist nicht selbstverständlich, vielen Dank Euch allen“, so Margret Aull, Vorsitzende autonomes Frauenhaus Tirol. Gabi Plattner vom Tiroler Frauenhaus überreichte ein kleines Haus als Symbol für das neue Frauenhaus, das gerade in Bau ist: „Nächstes Jahr im August können wir einziehen“. Anneliese Junker vom Verein „Frauen helfen Frauen“: „Es ist für unsere Frauen und Kinder nicht leicht, unterzukommen. Sie gehen nicht leicht vom Haus oder der Wohnung weg und zu uns in die Frauenhäuser. Dort braucht es jemand, der sie aufnimmt und mit ihnen arbeitet, damit sie wieder ein selbstbestimmtes Leben führen können. Mit diesem Geld können wir unsere Frauen unterstützen. Danke an alle Käufer, besonders der Familie Stecher und dem Leander. Danke für Dein Bild.“ Im nächsten Jahr darf man sich auf ein Werk von Reiner Schiestl freuen.

Von Friederike Bundschuh

Unterstützer der ersten Stunde: Alt-Landtagspräsident Herwig van Staa mit seiner Frau Luise, die die erste Gotl war vom Afra-Benefizfest, das 2004 ins Leben gerufen wurde. Zum Dank wurde Herwig ein Bild der heiligen Afra feierlich überreicht. Foto: Bundschuh
Am Samstag wurde 15 Jahre „Afra-Benefiz“ in der Steindruckerei Stecher in Wildermieming gefeiert. Ein adventliches Beisammensein in besonderem Rahmen: V.l. Prof. Elmar Kopp, Paula, Günther und Annaliese Stecher. Foto: Bundschuh

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