16 Punkte werten Lehre auf

Herbert Frank und Philip Wohlgenannt präsentierten 16 Punkte, die die Lehre attraktivieren sollen. RS-Foto: Schretter

ÖGB präsentiert Programm und will Lehre attraktivieren

Fachkräftemangel, offene Lehrstellen und ein alarmierend hoher Anteil an nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen wecken große Bedenken beim ÖGB und prägen derzeit das Thema Lehre in Tirol.

Der Bezirk Reutte gilt als einer mit vielen ausgezeichneten Lehrbetrieben, dennoch gibt es derzeit 29 offene Lehrstellen. 2006 zählte man im Bezirk noch 752 Lehrlinge, heute sind es nur noch 630. Das sind Zahlen, die  dem ÖGB-Regionalvorsitzenden der Region Tiroler Oberland, Herbert Frank,  gar nicht gefallen.  Bei einem Pressegespräch präsentierte nun Philip Wohlgemuth, ÖGB-Vorsitzender in Tirol, ein 16 Punkte umfassendes Programm zur Aufwertung der Lehre.  „Wir müssen verstärkt unser Augenmerk darauf lenken, die Lehre wieder attraktiver zu gestalten. Wichtig ist uns, den finanziellen Anreiz zu erhöhen. Wir fordern eine monatliche KV-Mindestlehringsentschädigung von 700 Euro im ersten Lehrjahr, 900, 1100 und 1300 Euro in den Folgejahren“, nennt er eine wesentliche Forderung des ÖGB. Als weiteres „Lockmittel“ für eine Lehre werden der gratis Führerschein B und die kostenlose Nutzung der öfffentlichen Verkehrsmittel angeführt. Da die Berufsschulen meist im Zentralraum Innsbruck ansässig sind, sollen Park&Ride-Anlagen geschaffen werden, die die angespannte Parksituation in der Stadt entzerren sollen. Das käme vor allem Lehrlingen zugute, die aus dem Umland mit dem Pkw zur Schule fahren. Eine Lehre soll gesellschaftlich aufgewertet werden. Stefan Feneberg vom Regionalsekretariat des ÖGB in Reutte dazu: „Wir müssen endlich aufhören zu sagen ,man macht ,nur’ eine Lehre. Dieses ,nur’ muss verschwinden.“

Bildungsorientier-
ung. Mit der Bewusstseinsbildung muss früher angefangen werden, fordert Philip Wohlgemuth. „Bereits ab der ersten Bildungsstufe  sollen in Zukunft Berufs- und Bildungsorientierung angeboten werden. Man muss den Kindern eine Lehre schmackhaft machen. Auch auf die Vielfalt der Lehrberufe sollen schon die ganz jungen Schüler aufmerksam gemacht werden.“ Die Probearbeitszeit bei Lehrbeginn wäre laut ÖGB mit einem Monat ausreichend. „Ein besonderes Anliegen ist uns, eine Reform der Lehrabschlussprüfung zu erreichen. 25% der Lehrlinge schaffen die Abschlussprüfung im ersten Anlauf nicht. Dem kann entgegengewirkt werden, wenn die Prüfungen wiederholt werden können bzw. das Wissen bei Zwischenprüfungen getestet werden kann. Diese Zwischenprüfungsergebnisse würden dann bei der Lehrabschlussprüfung positiv angerechnet werden“, so Wohlgenannt. Die LAPs sollten  zur jeweiligen Berufsschule verlegt werden. In gewohnter Umgebung könnten bessere Prüfungserbebnisse erreicht werden.
Herbert Frank meint abschließend: „Es sind viele Möglichkeiten vorhanden, wir müssen sie nur nutzen.“