Die Kunst ist, das Unvorhersehbare zu bewältigen

Dieses Bild des Imster Künstlers Elmar Peintner, das eine tanzende Frau und einen einsamen Wolf zeigt, hat Günther Platter auch einst nach Wien in seine Ministerbüros mitgenommen. RS-Foto: Eiter

Günther Platter lobt nach zehn Jahren als Landeschef vor allem die Menschlichkeit der Tiroler

 

Er ist jetzt bereits seit 34 Jahren in der Politik. Zu seinem zehnjährigen Jubiläum als Landeshauptmann zieht Günther Platter eine zufriedene Bilanz. Wirtschaftskrise, Flüchtlingswelle und Naturkatastrophen gehörten zu den größten Herausforderungen seiner bisherigen Amtszeit. Bei der Bewältigung von Problemen vertraut er auf die Hilfe der Bevölkerung.

 

Von Meinhard Eiter

 

Er war Bürgermeister, Nationalrat, Landesrat, Verteidigungs- und Innenminister und leitet seit 2008 die Geschicke des Landes. „Ich habe in allen diesen Positionen viel gelernt. Mir Freundschaften und Netzwerke aufgebaut, um Unterstützer für die Durchsetzung der geplanten Projekte zu haben. Mein persönliches Ziel war es dabei stets, selbst so zu bleiben, wie ich bin. Ich denke, das ist mir gelungen. Und ich freue mich, wenn ich von den Menschen unseres Landes mit einem freundlichen ,Griaß di Günther‘ oder ,Griaß di Landeshauptmann‘ begrüßt werde“, zieht der gebürtige Zammer im RUNDSCHAU-Gespräch eine Bilanz, die das Menschliche vor das Sachliche und das Parteipolitische stellt.

 

VERBÜNDETE. Auf die Frage nach den größten Problemen in seiner Zeit als Landeschef antwortet Günther Platter wie aus der Pistole geschossen: „Gleich nachdem ich bestellt war, hatten wir 2008 eine Wirtschaftskrise und große Sorgen um die Beschäftigung der Leute im Land. Diesbezüglich stehen wir derzeit super da. Auch die Flüchtlingswelle hat uns überrascht und hoch beansprucht. Heute darf ich dankend und lobend sagen: Hier hat uns die Bevölkerung sehr geholfen. Unsere Sozialvereine, viele Ehrenamtliche, aber auch die Bürgermeister in den Gemeinden haben tolle Arbeit geleistet. Das Gleiche gilt für die Naturkatastrophen der jüngsten Jahre. Alle diese Krisenszenarien sind selbst durch die besten Vorsorgepläne letztlich nicht kalkulierbar. Beim Überwinden des Unvorhersehbaren brauchst du Verbündete. Wenn das gelingt, dann hast du Vieles richtig gemacht!“

 

MENTOREN & VORBILDER.Platter bilanziert besonnen, aber auch mit einer gewissen Altersmilde und diesem versteckten Oberländer Humor. Nicht nur über seine Zeit in Spitzenpositionen. „Ich wollte selbst eigentlich nie in die Politik. Vor 34 Jahren kam der damalige Zammer Bürgermeister Walter Fraidl zu mir und bat mich, auf seine Liste zu gehen. Da saß ich dann plötzlich im Gemeinderat“, schmunzelt Platter, der selbstzufrieden anmerkt: „Das ist übrigens mein ganzes politisches Leben so geblieben: Ich habe mich selbst nie um eine Position beworben, ich wurde immer gefragt!“ Im Wesentlichen waren das letztlich drei Personen: Walter Fraidl in Zams, Wendelin Weingartner im Land und Wolfgang Schüssel im Bund. „Heute muss ich sagen, dass diese drei Männer meine größten Mentoren und Förderer waren“, sagt der Landeschef, der den ehemaligen deutschen Kanzler Helmut Kohl als sein Vorbild nennt. Erklärender Nachsatz: „Weil auch ich ein glühender Verehrer der Idee des gemeinsamen Europas bin. Auch wenn das im Alltagsgeschäft nicht immer leicht ist.“

 

EISERNE DISZIPLIN. Die Frage, wie der mittlerweile 64-Jährige die täglichen Beanspruchungen durch Termine, Besprechungen und Reisen über all diese Jahre ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen schafft, hat ebenfalls eine klare Antwort: „Es ist letztlich die Selbstdisziplin. Ich bin ein geselliger Mensch. Nach Sitzungen gehe ich gerne auf ein, zwei Gläser mit. Aber ich will nicht der Letzte sein!“ Der Nichtraucher und Wenigtrinker war schon in seiner Jugend ein sehr guter Sportler. Der begabte Skifahrer hat bei Marathonläufen in New York und Wien seine Kondition und Willenskraft unter Beweis gestellt. „Heute gehe ich am liebsten auf die Berge. Glücklich bin ich, wenn ich es drei Mal pro Woche schaffe, noch vor der Arbeit eine Stunde Sport zu machen. Das ist keine Frage des Terminplanes. Ausschließlich eine Frage der Selbstdisziplin“, stellt Platter klar, der am liebsten noch vor Mitternacht ins Bett geht und nach sechs Stunden Schlaf gerne zeitig den neuen Tag beginnt.

 

PUDELWOHL. Während andere in seinem Alter sich wohl fast täglich mit dem Ruhestand beschäftigen, lässt Günther durch eine gezielt gesetzte Antwort die Frage erst gar nicht aufkommen: „Ich fühle mich pudelwohl. Und gehe täglich mit viel Spaß und großer Motivation in die Arbeit!“ Auch wenn nicht wirklich viel Zeit bleibt, genießt Platter die Musik. „Ich mag die Beatles, aber auch Johann Sebastian Bach. Ich bin nach wie vor begeistertes Mitglied der Musikkapelle Zams und greife in geselligen Runden gerne mal zur Gitarre“, verrät der Landeschef, der in seinem Büro auch auf Kunst setzt. Neben Bildern von Albin Egger Lienz und anderen Künstlern hängt dort auch ein Werk seines Freundes Elmar Peintner. „Dieses Bild war auch mit mir in Wien in allen Büros. Täglich aufs Neue erfreut mich der Blick auf dieses Kunstwerk“, gesteht der Oberländer, der bei allen seinen Erfolgen felsenfest am Boden geblieben zu sein scheint. Über eigene Erfolge spricht er ungern. Und doch kann er sich auch freuen: „Dass ich damals bei der Nationalratswahl österreichweit die meisten Vorzugsstimmen bekommen habe, hat mich schon berührt“, sagt einer, der viel gelernt hat, aber weiß, dass einem manches schlicht gegeben sein muss: „Bürgernähe und ehrliche Freude an Treffen mit Menschen lernt man nicht an Schulen…“

 

Mit 64 noch topfit. Disziplin und regelmäßiger Sport sind das Erfolgsgeheimnis des guten Gesundheitszustandes von Günther Platter. RS-Foto: Eiter

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.