238 Kilometer im Zeichen des Steinbocks

Sieger unter sich: Die Schweizerin Laila Orenos, die zum fünften Mal in Serie den Ötztaler Radmarathon gewann, und der Österreicher Mathias Nothegger. Beide erfüllten sich ihren Traum mit dem Sieg des 38. Ötztal Radmarathon 2018, der über vier Alpenpässe führte mit 238 Kilometer und 5500 Höhenmetern. RS-Foto: Bundschuh

Ötztaler Radmarathon fand heuer bei verschärften Wetterbedingungen statt

Den Sieg im wohl härtesten Radrennen des Marathon-Genres errangen bei der 38. Auflage des Vier-Pässe-Kultrennens der Österreicher Mathias Nothegger bei den Herren und Laila Orenos aus der Schweiz in der Damenriege. Vor einer beachtlichen Zuschauerkulisse kämpften sich über 4000 Athleten aus aller Welt durch Nässe und Kälte. Die Siegerzeit der Herren lag bei sieben Stunden, vier Minuten und zwei Sekunden, die schnellste Dame kam nach acht Stunden, fünf Minuten und 30 Sekunden ins Ziel vor der Freizeitarena Sölden. Im Laufe der knapp 240 Kilometer zeigten sich, was naheliegend ist, die „mörderischen“ Anstiege über Kühtai, den Brenner, den Jaufenpass und das Timmelsjoch als Härtetests der besonderen Art.

Von Friederike Bundschuh

Gestartet wurde das Rennen um 6.45 Uhr, wobei sich der Wettergott am vergangenen Sonntag nicht von seiner Schokoladenseite zeigte, ganz und gar nicht. Die Strecke über den Alpenhauptkamm musste teilweise bei Kälte, Regen und daher nasser Fahrbahn bewältigt werden. Eine starke Motivationsfigur konnte da jedenfalls nicht schaden. Der diesjährige Marathon stand ganz im Zeichen des Steinbockes. Dazu Oliver Schwarz, Geschäftsführer des Ötztal Tourismus: „Der Steinbock besitzt Kraft, erklimmt die Berge scheinbar spielend leicht und imponiert durch eine unglaubliche Steigfähigkeit.“ „Allerdings sind die Trophäen Kopien, es mussten dafür keine Tiere ihre Hörner lassen“, erläutert Sarah Ennemoser vom Organisationskomitee lächelnd.

Nervenkitzel.

Es ist spannender als jeder Psychothriller, jede Sekunde zählt und das Wetter ist denkbar schlecht – nach wie vor Regen, nasse Fahrbahn und kalt. Lorenzo Fanelli erreicht als Erster den Brenner, gefolgt von Mathias Nothegger und Andreas Lenz. Bei den Damen überquert Laila Orenos als Erste den Brenner, Nadja Prieling bleibt ihr dicht auf den „Fersen“, Anna Kiesenhofer fährt über 170 Kilometer sogar zeitgleich mit ihr. Dort ist auch die zweite Labestation mit zahlreichen Helferinnen, bevor es weiter Richtung Jaufenpass geht. Einer der Teilnehmer, Tom Meissner, fährt seit Innsbruck mit kaputter Schaltung, schafft es aber trotzdem als 564. ins Ziel. Hut ab!

„Ich habe einen Traum“.

Unter diesem Motto stand der Ötztal-Radmarathon. Dieser Traum erfüllte sich für den Österreicher Mathias Nothegger mit 07:04:02 Stunden, gefolgt von Porro Samuele (ITA) mit 07:09:00 Stunden und Patrick Hagenaars (AUT) mit 07:16:42 Stunden. Speziell für den gehandicapten Hagenaars war der dritte Platz die totale Überraschung, fährt der ehemalige ÖSV-Kombinierer doch mit einer Handprothese, die allerdings „im Alltag nicht zu gebrauchen ist“, wie er erklärt. Die Siegerin der Damen, Laila Orenos aus der Schweiz, erreichte das Ziel nach 08:05:30 Stunden und gewann damit den Ötztal-Radmarathon zum fünften Mal in Folge – eine Sensation, die ihresgleichen sucht. Über den zweiten Platz konnte sich die Österreicherin Anna Kiesenhofer freuen mit 08:12:56 Stunden, gefolgt von Nadja Prieling (AUT) mit 08:21:21 Stunden. Insgesamt klassiert wurden bei den Männern 3868, bei den Frauen 237 Teilnehmer. Wieder einmal ein Höhenrausch der Sonderklasse, nicht zuletzt dank der über 1100 helfenden Hände, die jedes Jahr das härteste Hobbyradrennen zu einem Erfolg werden lassen.

Erstmals mit Prolog.

Ausgebrochen ist das Radmarathon-Fieber in Sölden heuer bereits am Freitag vor dem „Großen Rennen“. Ein Bergsprint über 1,2 Kilometer bei 129 Metern Höhenunterschied wurde von WM-Starter Gregor Mühlberger eröffnet. Unter dem Motto „Beat the Feder“ hieß es alle gegen Rad-Ass Daniel Federspiel vulgo Feder. Gelungen ist es aber keinem Mitbewerber, den Tiroler Ex-Mountainbike-Weltmeister zu bezwingen. Trotz Regenwetter bewältigte „Feder“ die Strecke in 03:36,7 Stunden.

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