239 Bauwerke für die Sicherheit

Ein Blick auf Grieskogel und die Schutzbauten, aufgenommen Ende Jänner. Foto: Gebhard Walter

Galtür: Seit 1999 wurden 12,6 Millionen Euro in die Sicherheit vor Lawinen investiert

 

Vor 20 Jahren starben in -Galtür 31 Menschen unter der Lawine – seither wurden 12,6 Millionen Euro in die -Sicherheit investiert, allein 6,7 -Millionen in die Verbauung der -beiden Unglückslawinen vom 23. Februar 1999.

 

Von Daniel Haueis

 

Am 23. Februar 1999 kurz nach 16 Uhr gingen die Äußere Wasserleiter- und Weiße Riefe-Lawine in Galtür ab. Es starben damals 31 Menschen unter den Schneemassen, zwei wurden schwer, 20 leicht verletzt aus der Lawine geborgen. Sieben Wohnhäuser wurden total zerstört, sieben schwer und elf leicht beschädigt, zudem wurden 100 Pkw durch die Lawine zerstört. Der Sachschaden betrug laut Nachhaltigkeitsministerium 10 bis 11 Millionen Euro, als Folgekos-ten durch den Rückgang der Nächtigungszahlen u.ä. wurden weitere 10 bis 12 Millionen Euro erhoben. Noch etwas mehr wurde von der Wildbach- und Lawinenverbauung seit 1999 für die Sicherheit in Galtür aufgewendet: 12,55 Millionen Euro wurden in 239 Bauwerke investiert, berichtet DI Gebhard Walter, Leiter der Sektion Tirol der Wildbach- und Lawinenverbauung. Gearbeitet wurde an der Großtal-, der Pleissen- und Krachentobel-Lawine, an der Predigtberg-, der Egata-Lawine und den Vergaltsch-Lawinen; den Großteil hat die Verbauung der beiden Unglückslawinen verschlungen: 6,689 Millionen wurden in die Verbauung von Äußerer Wasserleiter- und Weiße Riefe-Lawine investiert, u.a. in die Schutzmauer „Winkl“, in die das Alpinarium integriert ist.

 

NEUE GRENZWERTE. „Galtür“ und „Valzur“ am 24. Februar (das Lawinenunglück im Ischgler Ortsteil forderte sieben Todesopfer) führten auch zu Änderungen der Richtlinien für die Abgrenzung von Lawinengefahrenzonen: Bereits 1999 erfolgte eine Anpassung der Roten Lawinengefahrenzone von 25 auf 10 kN/m2. „Dies hatte zur Folge, dass die Roten Gefahrenzonen ausgedehnt werden mussten und an diese neue, niedrigere Grenze angepasst werden mussten“, berichtet Gebhard Walter. Das Unglück von Galtür hätte diese Änderung aber nicht verhindern können, denn: Der Gefahrenzonenplan des Hauptbereichs der zentralen Ortschaft war schon vor 1999 mit den verschärften Grenzwerten kartiert. „Die extreme Reichweite der Katastrophenlawine übertraf jedoch alle Erwartungen auch trotz alter Chronik bis ins 16. Jahrhundert“, sagt Walter. Nach Abschluss der wesentlichen Bereiche der Schutzprojekte wurde der Gefahrenzonenplan überarbeitet, um die Schutzbauten berücksichtigen und vor allem die neuen, mittlerweile stark verbesserten Modelle zur Berechnung von Lawinen zur Abschätzung heranziehen zu können. Im Jahr 2009 wurde er ministeriell genehmigt. Der Gefahrenzonenplan der Gemeinde Ischgl wurde bereits 2003 genehmigt und ist derzeit wieder in Überarbeitung. Katastrophenschutzpläne auf Basis der von der Wildbach- und Lawinenverbauung erarbeiteten Gefahrenzonenpläne haben sich als „unabdingbares Instrument zum Schutz vor Naturgefahren insbesondere im Lawinenbereich herausgestellt“, analysiert die „Wildbach“.

 

SEHR HOHES SICHERHEITSNIVEAU“. In den Paznauner Gemeindestuben ist man sich der Wichtigkeit der Verbauungen bewusst: Daher wurde im vergangenen Jahr zur Kontrolle, Betreuung und Instandhaltung von Schutzbauten, insbesondere der Lawinenverbauungen, der Wasserverband „Instandhaltung Schutzbauten Paznaun“ gegründet. Mitglieder sind die Gemeinden See, Kappl, -Ischgl und Galtür, finanziell beteiligt ist die Landesstraßenverwaltung. Damit’s so bleibt, wie Gebhard Walter wenige Tage vor dem 20. Jahrestag des Unglücks in seiner Heimatgemeinde sagt: „Abschließend darf ich anschließen, dass mit den Schutzbauten der WLV ein sehr hohes Sicherheitsniveau für Galtür und die gesamte Talschaft Paznaun geschaffen werden konnte. Vor allem die vergangenen Winter mit großen Starkschneefällen haben verdeut-licht, wie wirkungsvoll dieser Lawinenschutz ist.“

 

 

Vom Helfer zum WLV-Chef

Im Februar 1999 stand Gebhard Walter aus Galtür knapp vor Abschluss seines Studiums für die Wildbach- und Lawinenverbauung, er leistete damals auch gerade Präsenzdienst. Am späten Nachmittag des 23. Februar 1999 wurde er von seinem Vorgesetzten darüber informiert, dass in seiner Heimatgemeinde ein Lawinenunglück passiert ist und er daher umgehend seine Verwandten kontaktieren möge. Da seine unmittelbare Familie nicht betroffen war, ließ er sich der Bergrettung und Gemeindeeinsatzleitung zum Hilfeeinsatz zuordnen – er erreichte Galtür am 25. Februar in der Früh mit einem Versorgungshelikopter. „In der ersten Phase unterstützte ich die Bergrettung und Gemeindeeinsatzleitung und wurde dann der Wildbachverbauung zugeteilt, um im Anschluss die Lawinendokumentation insbesondere der Katastrophenlawine, aber auch der übrigen zahlreichen Lawinen im Tiroler Oberland durchzuführen“, erinnert sich DI Walter. „Eine für mich persönlich stark prägende Zeit, die einem stets eindrücklich und leider auch sehr schmerzlich in Erinnerung bleibt!“, sagt der Galtürer, der heute, 20 Jahre nach dem Unglück, Chef der Sektion Tirol der Wildbach- und Lawinenverbauung ist.

DI Gebhard Walter: „Eindrücklich und leider auch sehr schmerzlich in Erinnerung“. RS-Foto: Archiv