25 Jahre „Frauen im Brennpunkt“ in Reutte

Feste müssen gefeiert werden! Da sind sich fib-GF Claudia Birnbaum, fib-Reutte-Leiterin Karola Scheucher-Kuisle, fib-Mitbegründerin Marie-Luise Pokorny-Reitter und Bgm. Alois Oberer (v.l.) einig. RS-Fotos: Schretter

Verein bietet Kinderbetreuung, berät Frauen, bemüht sich um Gleichstellung

Ein Vierteljahrhundert ist ein Grund zum Feiern. Ein Viertel-Jahrhundert im Dienste der Kinder, Frauen und Familien umso mehr. Am Dienstag, dem 20. November, wurden in der Bücherei Reutte diese 25 Jahre wertvoller Unterstützung Revue passieren gelassen und gebührend geehrt.

Viele waren gekommen – Geschäftsführerinnen, Obfrauen, deren Stellvertreterinnen, Tagesmütter, Systempartner, Freunde, Standortbürgermeister Alois Oberer – und alle feierten in gemütlicher Atmosphäre, was vor 25 Jahren „mit etwas Bammel“ in Reutte begann. „Frauen im Brennpunkt“-GF Claudia Birnbaum freute sich, eine so große Gästeschar begrüßen zu können.
Bgm. Alois Oberer lobte mit seinen Worten die umfassende Unterstützung, die der Verein „Frauen im Brennpunkt“ mit seiner Arbeit Frauen in allen Lebenslagen bietet. „Damit leistet „Frauen im Brennpunkt“ einen wichtigen Beitrag in Gleichstellungsfragen“, so Alois Oberer und weiter, „gerade die Kinderkrippe „Mühlmäuse“ ist sehr wichtig für eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung in Reutte.“
Sehr eindrucksvoll waren Oberers Worte in Bezug auf Gleichstellung. Er habe große Achtung vor den Frauen, die in Sachen Gleichstellung schon vieles erreicht haben. „Es muss aber noch mehr möglich sein. Die Gesellschaft ist verpflichtet, die Möglichkeit zur Gleichstellung zu geben. Wir alle, auch im Kommunalbereich, sind aufgefordert, täglich darauf zu achten, im Sinne – zum Guten – beider Geschlechter zu handeln.“ Gendern sei im Sinne der Gleichstellung der Geschlechter unbedingt gefordert, fordert Alois Oberer. „Gleichstellung braucht Zeit. In Reutte haben wir einen guten Weg beschritten, den es weiter zu verfolgen gilt. „Frauen im Brennpunkt“ ist eine absolute Bereicherung für Reutte“, schließt Bgm. Oberer seine Rede ab.
Ein kleines Detail am Rande unterstreicht, wie sehr auch er im Sinne der Frauen, Kinder und Familien denkt. „Als ich im Metallwerk in Rente gegangen bin, wollte ich mich eigentlich zum Leihopa ausbilden lassen. Ich wurde dann aber Bürgermeister und konnte diesen Plan leider nicht weiterverfolgen.“
Von Martin Vindl, dem Leiter der Kinder- und Jugendhilfe Reutte, wurde „Frauen im Brennpunkt“ „ernst gemeinte und authentische“ Wertschätzung entgegengebracht. „Die Zusammenarbeit mit „Frauen im Brennpunkt“ ist für uns sehr wichtig und ich wünsche mir, dass sie weiter gedeihlich sein wird, denn „Frauen im Brennpunkt“ kümmert sich sehr professionell um eine sehr wichtige Zielgruppe, die Kinder.“

Mit Bammel.
Mit gemischten Gefühlen kam sie vor 25 Jahren zum ersten Mal nach Reutte. Heute ist sie stolz auf alles, was in den vergangenen 25 Jahren geschafft wurde: fib. Mitbegründerin Marie-Luise Pokorny-Reitter.

Marie-Luise Pokorny-Reitter war 1986 Mitbegründerin des Vereins „Frauen im Brennpunkt“. Sie gesteht, „dass ich bei meinem ersten Besuch in Reutte schon ein bisschen Bammel hatte.“ Reutte sei ihr wohl geläufig gewesen, mehr aber auch nicht.
1988 startete der Verein in Innsbruck mit der ersten Tagesmutter. „Reutte war dann 1993 unsere erste Außenstelle und eine große Herausforderung. Das mit der Gleichstellung war vor 25 Jahren noch nicht wirklich in den Köpfen angekommen. Auch die Haltung gegenüber Tagesmüttern war damals eher skeptisch. Wir waren aber von unserer Idee überzeugt, konnten bald schon unseren Platz behaupten. Der Erfolg gab uns recht. Aber, die Idee allein reicht nicht. Man braucht verlässliche Partner und engagierte Menschen, die mitarbeiten.“

Wie alles begann.

Als wichtige Systempartner der ersten Stunde in Reutte nannte Pokorny-Reitter Elfriede Huber von der Jugendwohlfahrt, das AMS, unter der Leitung von Klaus Witting, und die Bürgermeister der Marktgemeinde Reutte. „Sie waren der wichtige ,Dünger’, der die Geschäftsstelle von unten emporwachsen ließ. Die direkte Ansprechpartnerin in Reutte ist seit 25 Jahren Karola Scheucher-Kuisle, ohne die „Frauen im Brennpunkt“ in Reutte heute nicht so gut dastehen würde.“
Die beiden ersten Tagesmütter in Reutte waren Renate Schwarzl und Ruth Taubitz. Bald kamen Hanni Likar und Ingrid Karner dazu – der Samen war gesät, die Saat ging auf. „Die Tagesmütter sind heute ein Garant für den guten Ruf von Frauen im Brennpunkt in Reutte. In den 25 Jahren konnten wir 45 Tagesmütter in Anstellungsverhältnissen beschäftigen, die während dieser Zeit an die 1000 Kinder betreuten.“
1993 wurde in Ehrwald die erste Kinderkrippe, die „Zugspitzzwerge“ eröffnet, 2002 folgten die „Mühlmäuse“ in Reutte.
Als jüngstes Kind des Vereins nannte Pokorny-Reitter das Frauenberufszentrum, das in Zusammenarbeit mit dem AMS mithilfe von Beratung und Workshops bei Neu- und Wiedereinstieg und Karriereplanung hilft. Gemeinsam mit den Frauen wird dazu ein persönlicher Ausbildungs- oder Weiterbildungsplan erarbeitet.

Gleichgestellt.

Die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung von Frauen sind wichtige Voraussetzungen für Armutsminderung, Wirtschaftswachstum und soziale Entwicklung. Dem wirken auch heute noch oft diskriminierende gesellschaftliche und soziale Normen entgegen, die zu verändern sind. Gefordert werden gleicher Zugang zu Bildung und Ressourcen – wie Land, Einkommen und Kapital– für Frauen und Männer. Wesentlich dafür sind bessere Anerkennung, Verringerung und Verteilung der unbezahlten Arbeit im Haushalt und im Pflegebereich und die Förderung der gleichberechtigten Teilnahme von Frauen und Männern am politischen und öffentlichen Leben – sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene. Gewalt jeglicher Form, die sich gegen Frauen und Kinder richtet, muss eliminiert werden.
„Frauen im Brennpunkt“ ist ein wichtiger Faktor in all diesen Punkten. Frauen im Brennpunkt berät vertraulich und anonym – auch online.

Info.

Ansprechpartnerin für Frauen im Brennpunkt in Reutte ist Karola Scheucher-Kuisle. Tel. und Fax: +43 (0) 5672 65956, E-Mail: reutte@fib.at. Das Büro befindet sich im Haus der Vereine, Planseestraße 6 in Reutte.