Wisch-Handy aus China

Liebe Freunde von Handtelefonen!

Wer schimpft, der kauft. Das trifft jetzt auch auf mich zu. Jahrelang habe ich gelästert über diese Handys. Für Träger von Smart- und iPhones hatte ich herablassende Sprüche wie „Jedem Depp seine App…“ parat. Ich selbst verehrte dieses aus Finnland stammende Wunderding Nokia. Das ist dieses Tastentelefon mit dem starken Akku, den man nicht täglich aufladen muss. Außerdem: Ideal in die Hosentasche neben den Schlüsselbund passend. Und so gut wie ausschließlich zum Telefonieren im Einsatz. Jetzt, kurz vor meinem 60. Geburtstag, ist es geschehen. Meine Frau und unsere Kinder haben mich überredet. Der Opa braucht ein Wisch-Handy. Allein schon, um die täglich aktuellen Fotos und Videos von den Enkelkindern anzusehen. Und ich muss gestehen. Dieser private Nachrichtendienst erhellt mein Gemüt. Auch das aktuelle Service der Fußballergebnisse vermittelt in Zeiten von Pay-TV zwar kein Live-, aber immerhin ein Aktualitätserlebnis. Dass es mir zwischendurch auch per Summton die einlaufenden E-Mails anzeigt, ist ebenfalls kein Fehler. Verstört hat mich ein anderes Angebot. In Kauf- und Gasthäusern erreicht mich am Bildschirm eine Meldung, die mir a.) bescheinigt, wo ich gerade gewesen bin, und mich b.) auffordert, das Erlebte zu bewerten. Dabei habe ich ein ungutes Gefühl. Ich fühle mich überwacht bis richtiggehend verfolgt. Und dieses Alles und Jedes bewerten, das ist ohnehin nicht mein Ding. Da ja auch ich selbst ungern be- und schon gar nicht verurteilt werden will. Ein bisschen beunruhigt mich auch die Tatsache, dass mein neuer multimedialer Begleiter aus China stammt. Wo es doch bisher immer geheißen hat, wir Europäer wären technisch die Besten. Aber gut. Das ist, wie es ist. Nur eines kann ich diesen Chinesen versprechen: Wenn ich zuhause bei meiner Frau sitzend diese Aufforderung „Bitte bewerten“ bekomme, dann schicke ich dieses Wisch-Ding postwendend nach Peking zurück! 

Meinhard Eiter

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