30-jähriger Krieg

Klaus Wankmiller gab einen Einblick in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Außerfern und im Füssener Land. Foto: Ulrich Kößler

Vortrag über den Dreißigjährigen Krieg im Füssener Land und im Außerfern im Museum im Grünen Haus in Reutte

Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges jährt sich in diesem Jahr zum 400. Mal. Aus diesem Anlass gewährte Klaus Wankmiller im Rahmen eines Vortrags am vergangenen Donnerstagabend im Museum im Grünen Haus in Reutte einen Einblick in die Kriegsjahre 1618 bis 1648 im Außerfern und dem angrenzenden Füssener Land.

Von Magdalena Winkler

Am 23. Mai 1618 stürmten protestantische Adelige den Sitz des böhmischen Königs in Prag und stürzten die königlichen Statthalter samt deren Sekretär aus dem Fenster. Mit diesem Attentat entlud sich die Wut der vornehmlich protestantischen Bevölkerung Böhmens über die zunehmende Einschränkung ihrer Religionsfreiheit. Wenngleich die unglückseligen Beamten des Königs dank eines Misthaufens, der sich unter dem Fenster befand, glimpflich davon kamen, hatte die Tat verheerende Folgen: Das als „Prager Fenstersturz“ in die Geschichte eingegangene Ereignis sollte zum Ausbruch eines der längsten und blutigsten Kriege, die je auf deutschem Boden ausgetragen wurden, führen. Anlässlich der 400. Wiederkehr des Ausbruchs des Dreißigjährigen Krieges luden Museumsleiter Mag. Ulrich Kößler und der Obmann des Museumsvereins, Ernst Hornstein, am Donnerstagabend zu einem Vortrag von Klaus Wankmiller ins Museum im Grünen Haus in Reutte. Unter dem Titel „Der Dreißigjährige Krieg im Füssener Land und im Außerfern“ sprach Wankmiller im vollen Vortragssaal über die Ereignisse, die das Außerfern und vor allem das angrenzende Allgäu während der Kriegsjahre prägten.

Günstige Quellenlage.

Zumal das Außerfern von den Kriegsereignissen weitgehend verschont blieb, beschränkte sich Klaus Wankmiller bei seinen Ausführungen vor allem auf das Füssener Land. Die Quellenlage für diese Zeit ist laut Wankmiller sehr gut: Neben einer Reihe weiterer schriftlicher Quellen, zeugen etwa das Hausaufschreibebuch des Färbermeisters Hans Feigle oder aber auch die Tagebuchaufzeichnungen des Pfarrers Matthäus Schalk von den Verhältnissen in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Die Aufzeichnungen berichten unter anderem von 2.000 Soldaten, die bereits am Vorabend des Krieges im Dezember 1617 durch die Gegend zogen.

Jahre des Leids.

Obwohl der Krieg das Allgäu erst einige Jahre nach dessen Ausbruch erreichte, befand sich die hiesige Bevölkerung zu jener Zeit in einer bedrückenden Lage. Klaus Wankmiller berichtete in seinem Vortrag vom entbehrungsreichen Leben der Menschen in der Region, das im Anbetracht von Unwettern, Missernten und der Ausbreitung der Pest unter keinem guten Stern stand.
Im Jahr 1630 wurde dann, so Wankmiller, „Weltgeschichte geschrieben“, als es zu einer Unterredung zwischen dem Tiroler Landesfürsten Erzherzog Leopold V. und dem kaiserlichen Feldherrn Wallenstein in Reutte kam. Das Treffen, das in Füssen stattfinden sollte, war aufgrund der dort wütenden Pest nach Reutte verlegt worden. Zwei Jahre später gelang es jedoch den schwedischen Truppen, in die Gegend um Füssen vorzustoßen, woraufhin die Füssener Mönche über die Grenze nach Tirol flohen. In den darauffolgenden Kriegsjahren taten es ihnen viele weitere Geistliche gleich, die sowohl im Außerfern als auch im Inntal Zuflucht fanden. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch die anrückenden Schweden ließ die Tiroler Landesherrin Claudia von Medici schließlich die Befestigung auf dem Falkenberg, genannt „Fort Claudia“ errichten. Die Festung hielt stand und konnte von den feindlichen Truppen nicht eingenommen werden.
Im Zuge der Kampfhandlungen versetzen sowohl schwedische als auch kaiserliche Truppen die Bevölkerung im benachbarten Allgäu in Angst und Schrecken. Immer wieder kam es zu Plünderungen, unzählige Dörfer wurden in Brand gesteckt. Füssen wurde innerhalb von 40 Tagen dreimal erobert und zerstört. Die Not der Menschen sollte auch nach dem Ende des 30 Jahre währenden Krieges nicht enden. Was blieb, war die Hoffnung auf einen Neuanfang.

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