400 Fachkräfte gesucht

Günther Stürz (l.) über Arbeitnehmer im Bezirk Landeck: „Viele steigen aus dem Tourismus aus. Seit Jahren.“ Josef Schrigi (M.): Sucht’s nicht mehr Gäste, sondern mehr Mitarbeiter. Alexander von der Thannen (r.): „Auch keine Saisoniers soll man mehr bekommen.“ RS-Fotos: Archiv

Bezirk: Es fehlen Köche, Kellner und Rezeptionisten

400 Fachkräfte fehlen derzeit allein der Tourismusbranche im Bezirk Landeck – Köche, Kellner und Rezeptionisten sind gefragt.

Josef Schirgi, TVB-Direktor von Serfaus-Fiss-Ladis, wurde von Hoteliers am Rande einer Sitzung ein Tipp gegeben: „Sucht’s nicht mehr Gäste, sondern mehr Mitarbeiter.“ Ansonsten würden die Betriebe nur zum Teil aufsperren. Alexander von der Thannen, WK-Tourismussprecher im Bezirk, kennt einen Hotelier im Ötztal, der 50 seiner 200 Betten nicht anbieten wird, weil er keine Zimmermädchen habe. WK-Obmann Toni Prantauer kennt einen ähnlichen Fall: Ein Gastronom könne sein a-la-carte-Restaurant aufgrund Perspnalmangels gar nicht eröffnen. „Auch Rezeptionisten sind Mangelware“, weiß Manuel Baldauf vom TVB in Nauders. Dabei bezahle der Tourismus „sehr gut“, wie Prantauer anmerkt: Putzfrauen, berichtet Josef Schrigi vom TVB Serfaus-Fiss-Ladis, würden 23 bis 25 Euro netto pro Stunde verdienen (also im Angestelltenverhältnis). Michael Gasser vom TVB im Kaunertal bestätigt diese Zahlen. Dennoch: Im Bezirk Landeck fehlen aktuell 400 Fachkräfte: „Koch, Kellner, Rezeptionist werden gesucht“, weiß AMS-Chef Günther Stürz.

MÖGLICHE URSACHEN. Günther Stürz beobachtet seit Jahren, dass Einheimische aus dem Tourismus aussteigen. Im Jahr 2011 habe es mit der Öffnung des Arbeitsmarktes für Osteuropäer eine kurze Abfederung dieser Entwicklung gegeben – aber der Trend besteht weiterhin. Die demographische Entwicklung (weniger Kinder) sowie der immer öfter aktuelle Wunsch, eine höhere Schulausbildung zu absolvieren, sorgen für mangelnden Nachwuchs. „Auch keine Saisoniers soll man mehr bekommen“, kritisiert etwa Alexander von der Thannen. Michaela Gasser bemerkt zudem, dass die Anbindung an den öffentlichen Verkehr eine Rolle spielt: „Wenn die Anbindung nicht stimmt, findet man auch kein Personal.“ Nicht förderlich sind zudem lange Stempelzeiten aufgrund der saisonalen Schwankungen, weiß Toni Prantauer. Und es wurde auch die heimische Bevölkerung nicht immer „bei der Stange gehalten“: Über viele Jahre wurden hunderte Saisoniers im Winter geholt, die nun eben nicht mehr zur Verfügung stehen, und auch die Menschen aus den „neuen“ EU-Staaten zieht es nicht mehr so ins Oberland – die LandeckerInnen haben inzwischen offensichtlich attraktivere Jobs (vielleicht die Bezahlung, sicherlich die Arbeitszeiten betreffend) gefunden. Ein Fachmann meint: Das aktuelle Image des Gastgewerbe sei über Jahrzehnte gewachsen und habe heute solche Folgen, „weil man lieber Saisoniers gehabt hat und Zimmer für sie gebaut hat und nicht so auf die Tiroler geschaut hat.“ Im Ski-WM-Winter (2000/2001) wurde für den Bezirk Landeck ein Saisonier-Rekordkontingent von über 1.000 bewilligt – heuer sind es 54. „Aber es kommen viele Kroaten“, weiß AMS-Chef Stürz. Aber auch er findet: „Der Tourismus hat ein bisschen Aufholbedarf, die einheimische Bevölkerung wieder für sich zu gewinnen.“

PROBLEME AUCH IN ANDEREN BEREICHEN. Das Personalproblem hat Alexander von der Thannen nicht nur im Tourismus, sondern auch im Handwerk festgestellt (obwohl es viele Arbeitslose gebe). AMS-Chef Stürz bestätigt: „Der Fachkräftemangel wird in Zukunft auch das Baugewerbe und das Baunebengewerbe beschäftigen.“ Im Handel gebe es dieses Problem noch nicht, dort könnten derzeit nur eventuell die „Spitzen“ in der Hochsaison nicht abgedeckt werden. Das Phänomen scheint weitere Kreise zu ziehen: Laut Thomas Walser („Grissemann“ in Zams) ist es auch jetzt schon „fast unmöglich“, einen Lkw-Fahrer zu finden.