500.000 Euro zusätzlich in Sicherheit investiert

Das flüssige Calciumcarbid wird am Boden des Ofens durch einen Abstich entnommen. RS-Foto: Tiefenbacher

Landecker Gemeinderat zu Besuch bei Donau Chemie

Bei einer Werksführung verschaffte sich der Landecker Gemeinderat vergangenen Donnerstag ein Bild vom Werk der Donau Chemie in Landeck.

Seit das Land Tirol aufgrund von neuen EU-Richtlinien (Seveso-III-Richtlinie) im Vorjahr ein Anpassungsgesetz beschlossen hat, ist die Donau Chemie nicht mehr nur der Traditionsbetrieb inmitten der Bezirkshauptstadt, der hier seit über 100 Jahren Carbid erzeugt, sondern ein Betrieb, der zur Erzeugung seiner Produkte gefährliche Stoffe einsetzt und benötigt. Dieses Aha-Erlebnis rüttelte auf und ließ in der Landecker Bevölkerung die Wogen hochgehen.

ZIEL ERREICHT. Seither ist einiges geschehen, wie Donau-Chemie-Werksleiter DI Kurt Pachinger den Gemeindemandataren berichten konnte. „In Zusammenwirken mit dem Land Tirol, der Stadtgemeinde Landeck und der Donau Chemie ist es gelungen, eine für das Unternehmen und die Bevölkerung von Landeck gute Lösung zu erarbeiten, die aufgrund der neuen Gesetzeslage ab 1. Juni 2015 notwendig war. Damit haben wir das Ziel erreicht, denn damit wurde die Seveso-III-Schutzzone auf das Werksgelände der Donau Chemie, den Bahndamm sowie auf einen Teil eines Nachbargrundstückes eingegrenzt“, betonte der Werksleiter. Raumplaner DI Andreas Falch bestätigte, dass sich „alle Seiten extrem bemühten, die Sache zu lösen“.

MASSNAHMEN. Die angesprochenen Maßnahmen kosteten die Donau Chemie 500.000 Euro. Es wurden zahlreiche Maßnahmen unternommen. So wurden etwa die Sicherheitsvorkehrungen bei der Lagerung von Carbid erhöht. Zudem wurden 15 neue sturzsichere Chlor-Transportfässer mit vertauschsicheren Anschlüssen angeschafft und wurde der Chlorlagerraum den neuen Standards angepasst. Hier lagern neun Fässer, ein Fass mit dem Inhalt von einer Tonne Chlorgas. Außerdem wurde von Inertgas auf Stickstoff umgestellt. Dazu erklärte Werksleiter Pachinger: „Stickstoff ist ein Bestandteil der Luft und ist somit ungefährlich.“ Dadurch konnten die gefährlichen Propan-Behälter demontiert werden.

PRODUKTE. Bei dieser Gelegenheit erläuterte DI Kurt Pachinger den Mandataren die im Werk in Landeck hergestellten Produkte: „Wir erzeugen Calciumcarbid für die Acetylengasherstellung, für die Stahl- und Roheisenentschwefelung und für die Gießereiindustrie.“ Die maximale jährliche Fertigungsmenge (Produktionskapazität), die das Werk in Landeck derzeit erzeugen kann, liegt bei 38 000 Tonnen. Ein wichtiger Faktor für das Landecker Werk der Donau Chemie ist das Kraftwerk Wiesberg. Es ging 1901 in Betrieb, erzeugt pro Jahr 77 Millionen kWh Strom und hat eine Höchstleistung von 17 MW. Aktuell werden bei 76 Mitarbeitern (davon 6 Frauen und 70 Männer) zwei Lehrlinge und 12 ungelernte Mitarbeiter beschäftigt.

Von Herbert Tiefenbacher

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