90 Jahre Hilfsorganisation Rotes Kreuz – Bezirksstelle Reutte

Im Ehrenamt wurden für besondere Verdienste ausgezeichnet: Anton Auffinger, Ortsstelle Reutte mit dem Rotkreuz Kristall für 50 Jahre Ehrenamt; Klaus Singer Ortsstelle Reutte, Matthias Schnitzer, Ortsstelle Ehrwald für 40 Jahre Ehrenamt; VP Günther Ennemoser und für 55 Jahre Ehrenamt Karl Gratl, Ortsstelle Reutte; Bezirksstellenleiter Jürgen Ginther (v.l.). RS-Fotos: Chauvin

Ordentliche Jahreshauptversammlung gibt beeindruckende Zahlen bekannt

90 Jahre Bestehen, das ist ein Grund zum Feiern, doch zuerst begrüßte der Geschäftsführer der Bezirksstelle Reutte, Martin Storf, die zahlreichen Ehrengäste und Teilnehmer der JHV im VZ-Breitenwang. 

Nach dem Feststellen der Beschlussfähigkeit gab er das Wort an Alt-Dekan Mons. Ernst Pohler. „Lassen Sie uns einige Minuten Zeit nehmen, um über die vergangenen Jahre nachzudenken, der Toten zu gedenken und ein Segensgebet zu sprechen.“ Wer sich beim Roten Kreuz engagiere, wisse, dass er immer mit Menschen zu tun haben wird, die sofort, kurzfristig oder auch über längere Zeit Hilfe brauchen. Sich mit Idealismus für Menschen in Bedrängnis einzusetzen und zu helfen ist die eine Seite der Arbeit. Doch es gibt oft genug Situationen, in denen die Helfer Ohnmacht empfinden und an die eigenen Grenzen stoßen. Die vertrauensvolle Hilfe und Nähe, die jeder im Dienst des Roten Kreuzes einbringt, seien jene Hände und Arme, die Gott dem Schwergeplagten entgegenstreckt, so der Alt-Dekan und bat um Segen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RK.

Beeindruckende Zahlen. Bezirksstellenleiter Jürgen Ginther gab detaillierte Auskunft über die Leistungen, die im Bezirk erbracht worden sind. Im Rettungswesen gab es 3588 Rettungseinsätze, 5783 Krankentransporte, 3426 Ambulanztransporte, 366 Einsätze mit dem Notarztfahrzeug. Hierfür bedurfte es 48.554 freiwilliger Arbeitsstunden und die stattliche Zahl von 504.283 gefahrenen Kilometern. Im Kriseninterventionsteam sind zehn aktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig und zwei weitere in Ausbildung. Einsatzleiter-Alarmierungen waren es 14 in Ehrwald, 6 im Lechtal, 36 in Reutte und zehn in Tannheim. 19 Veranstaltungen wurden vom RK betreut, wie zum Beispiel das Musikfest oder der Rad-Marathon. Für diese Dienste waren 109 Sanitäter über 805 Stunden im Einsatz. Ein weiterer Bereich ist das Sozialwesen. Dazu gehörten im Jahr 2017 das Betreuen der 159 Hausnotrufgeräte, das Durchführen von elf Blutspendenaktionen im Bezirk mit 1932 Spendern und die Zustellung warmer Essen und Tiefkühlkost, mit einer Gesamtanzahl von 16.550 Portionen. Hierfür brauchten ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 4025 Stunden.
Im Bereich Erste-Hilfe-Kurse veranstaltete das RK 64 unterschiedliche Kurse mit 802 Teilnehmern. Fortbildungen gab es auch in der Sanitätshilfe und auch in allen Wachen. An den 92 angebotenen Schulungen nahmen 741 Sanitäterinnen und Sanitäter teil.
Mag. Alexander Ostheimer, Referent für Wirtschaft und Finanzen (FH) legte den Wirtschaftsbericht vor, der von den Kassaprüfern Karl Gratl und Dkfm. geprüft und als korrekt bewertet wurde. Daraufhin konnte die Entlastung erteilt werden.

Festbericht zum 90. Geburtstag. Mit der Präsentation des Festberichtes führte Ehrenpräsident Dr. Ulrich Saxl die Zuhörer durch die 90 Jahre seit der Gründung des RK Reutte am 6. Juni 1927, die im Gasthof „Zur Glocke“ stattfand. Der Name damals war die „Außerferner freiwillige Rettungsgesellschaft“. Im Juli 1928 konnten sie den Ambulanzwagen der Bezirkskrankenkasse zum Preis von 12.ooo Schilling übernehmen. Damals wie heute musste die Organisation durch viele Eigeninitiativen Geld lukrieren, wie zum Beispiel durch Lotterieaktionen, Haus- und Altpapiersammlungen Christbaumversteigerungen, Wettbewerbe und vieles mehr. 1938 kam die Angliederung des Kreises Reutte an das Deutsche Rote Kreuz.
Schwierige Zeiten waren natürlich die Kriegs- und Nachkriegsjahre, denn oft waren weder Fahrzeuge noch Benzin vorhanden, um Schwerkranke zu transportieren. Von September 1945 bis 1961 war Heinrich Karl als Bezirkssekretär tätig. Schon im Jahr 1947 waren bereits 2.032 unterstützende Mitglieder beim RK gemeldet. Seit 1954 gibt es das RK-Rettungsheim in der Innsbrucker Straße 37. Eine Finanzierungsmöglichkeit wurde durch den Bürgermeister von Breitenwang, Florian Kerber, vorgeschlagen, der eine sogenannte Kopfquote von einem Schilling pro Person und Jahr forderte. Dies wurde durchgesetzt.
1966 erfolgte die Gründung der Ortsstelle Elbigenalp, was für das Lechtal eine große Erleichterung war.
Die erste Rettungsschere in ganz Österreich konnte Reutte im Jahr 1974 ihr Eigen nennen und zwar aufgrund der großzügigen Spende des Lions Clubs, der dafür 140.000 Schilling anlegte. Die nächste Außenstelle startete im Februar 1975 ihren Dienst, die Rot-Kreuz-Ortsstelle Tannheimertal. Ein weiterer Schritt nach vorn ging 1977 in den Sozialen Bereich. So konnten Freiwillige dann die ersten „Essen auf Rädern“ ausfahren. Als „Vater der Sozialdienste“ ernannte das RK Reutte Toni Gratl im Mai 1985 einstimmig zum Ehrenmitglied. Auch die Musikkapelle „Rettungsmusik Bezirk Reutte“ mag vielen noch bekannt sein. Ebenfalls seit 1977 gibt es den Sozial- und Gesundheitssprengel Außerfern.  Die neue Notarztvereinbarung Tannheimertal unterzeichneten 1998 die Ärzte aus Grän, Tannheim und Weißenbach, wofür dann auch ein Notarztfahrzeug zur Verfügung stand. Dann folgte 2002 der Notarzthubschrauber RK2, der in Höfen stationiert war. Besonders wichtig war immer die interne Ausbildung der RK-Mitarbeiter. Drei Hauptamtliche absolvierten Zusatzmodule zum Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz in Arzneimittellehre, Venenzugang/Infusion und Beatmung/Intubation. Sie waren die ersten in Österreich mit abgeschlossener Ausbildung und Prüfung.                                                                                                                                           Die digitale Welt geht auch beim RK nicht vorbei und so wurde vor zehn Jahren von Analog auf Digitalfunk bei allen Fixstationen, Fahrzeugen, Handfunkgeräten und Pagern umgestellt. Nun in Stichpunkten die letzten Jahre: Start mit „Mini-Med“ 2008, Gründung der Bietergemeinschaft 2009 und der gemeinnützigen Rettungsdienst GmbH 2010, Anschluss an die Integrierte Landesleitstelle Tirol ILL 2011, barrierefreier Umbau des Erdgeschosses für den Sozialsprengel, der dann am 1.Jänner 2016 räumlich und wirtschaftlich vom RK getrennt wurde.

Guter Grund zum Feiern. 90 Jahre Rotes Kreuz in Reut-te – dies durfte gefeiert werden. Nach kurzen Grußworten durch die Vertreter von Gemeinde, Polizei, Bergrettung und Flugrettung ARA ging es zum gemütlichen Teil über.

Von Claudia Chauvin

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