Absteigen gibt’s nicht!

Christoph Gobber hat als Radsportler Großes vor. Foto: Gobber

Der 21-jährige Christoph Gobber aus Reutte hat sich dem Rad-Leistungssport verschrieben

„Es ist der Geist, der sich den Körper baut“, wusste schon Friedrich von Schiller. Christoph Gobber besticht mit seinen erst 21 Jahren durch enorme mentale Stärke und Zielstrebigkeit. Aus einem Hobby ist für ihn längst schon mehr geworden. Er betreibt das Radfahren als Leistungssport. 

Christoph ist großgewachsen, sehr schlank und durchtrainiert. Er ist offen, freundlich und redegewandt – ein top Sportler und interessanter Gesprächspartner.
Christoph ist in Reutte aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seine Matura hat er 2015 am Gymnasium in Reutte abgelegt. Im Oktober 2016 begann er sein Studium der Energietechnik an der Universität Leoben. Mittlerweile hat er dieses Studium abgebrochen, weil der Radsport den Hauptteil seiner Zeit in Anspruch nimmt und das Studium auch nicht wirklich erfüllend für Christoph war.
Dass er Radfahren als Leistungsport betreiben würde, hatte Christoph nicht wirklich auf dem Schirm. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU schildert er, wie es dennoch dazu kam.
„Sport war schon immer etwas, was ich gern gemacht habe. Immer mit viel Spaß und als Hobby – am liebsten habe ich mit Freunden Fußball gespielt“, beginnt der sympathische Sportler, seinen Weg zu beschreiben. Durch Zufall sei er dann zum Radfahren gekommen, führt er weiter aus. „Meine Schwester war mit ihrem Freund zu Hause auf Besuch. Die beiden hatten ihre Räder dabei, und das hat mich schon fasziniert. Allerdings hatte ich damals noch kein besonders gutes Rad. Mit meinem Vater machte ich kurze Zeit später einen kleine Radurlaub. Dann hat es klick gemacht – das war 2012. Seitdem bin ich dem Radsport verfallen.“

Erste Rennen.

Die Faszination für den Radsport war da! Bereits ein Jahr später startete Christoph Gobber 2013 beim Mountainbikerennen auf den Dürrenberg. „Es hat geschüttet und es war sehr kalt. Daran kann ich mich noch genau erinnern. Meine Zeit war fürs erste Mal nicht so schlecht, heute bin ich auf dieser Strecke aber um zehn Minuten schneller“, berichtet er über seine ersten Rennerfahrungen. Er wusste, dass es nicht bei diesem einen Rennen bleiben würde und nahm beim Rennen auf den Schlosskopf teil.
„Ich hatte großes Glück. Thomas Schneider vom Radhaus hat mich entdeckt, in sein Team aufgenommen und gefördert. Ihm habe ich sehr viel zu verdanken. Thomas wurde mein Trainer, unterstützt mich beim Material und sponsert mich.“
Für Mountainbikerennen wird auf dem Rennrad trainiert. Dieses Traninigsrad stellte Thomas Schneider dem Radtalent zur Verfügung. „Ich war damals sehr jung, 15 bzw. 16. Jahre alt. Da muss man beim Training ziemlich aufpassen, dass man nicht zu viel macht, sich nicht überlastet.Meine Trainigseinheiten waren perfekt zusammengestellt. Ich machte lange, aber lockere Ausfahrten, fuhr fünfmal pro Woche 50 Kilometer. Auf drei Tage Radfahren folgte ein Tag Pause“, schildert er seine Trainigserfahrungen dieser frühen Phase.
Trainiert wird auf Ausdauer, weniger auf Kraft. Beim Grundlagentraining wird in einem leichten Gang mit hoher Trittfrequenz locker gefahren. Das ist optimal für Muskelaufbau und Durchblutung. Kraft kann auch zwischendurch einmal trainiert werden, erklärt Christoph, man fährt dann halt einmal drei Kilometer aus dem Sattel auf den Berg.
Christoph Gobber stand nie unter Druck. „Gott sei Dank habe ich es nie erlebt, von außen unter Druck gesetzt zu werden. Ich konnte/kann mich immer voll auf mich und meine Sache konzentrieren“, schildert er.
2016 erfolgte mit dem Studienbeginn in Leoben ein Teamwechsel. Christophs neuer Trainer wurde Richard Nudl, ein ehemaliger Profiradler. „Weil ich jetzt aber wieder in Reutte bin, bin ich weit von meinem Team entfernt. Die Kommunikation mit meinem Trainer passiert per E-Mail. Hier ist es besonders wichtig, dass die Analyse für das Training passt. Mein Trainer weiß genau, was ich brauche und hält mich an, meinen Körper so gut kennenzulernen, dass ich weiß, wo ich ansetzen, wie ich mein Training gestalten muss. Auch wenn das Gruppenfahren aufgrund der Distanz für mich wegfällt, passt mir das gut. Während der Woche mache ich schnelles Bergtraining, Intervalltrainig. An den Wochenenden unternehme ich lange Ausfahrten über 120 bis 150 Kilometer pro Tag“, umschreibt Christoph sein Trainingspensum. Den direkten Vergleich zu anderen Radsportlern sieht er in den Rennen.
Obwohl jetzt wieder in Reutte wohnhaft, fährt Christoph für das Radteam Leoben. Zur Zeit arbeitet er beim Metallwerk Plansee. „Mit dem Geld, das ich dort verdiene und der Unterstützung von Thomas Schneider kann ich mir den Sport leisten. Ich kann alles selbst bezahlen“, so Christoph Gobber. Sein Ziel ist es dennoch, einen Vertrag zu erhalten.

Hassliebe.

Mittlerweile ist ihm das Rennrad lieber als das Mountainbike. Auch mit dem Rennrad fährt er gerne Bergrennen. „Zum Bergfahren entwickelt man eine Art Hassliebe. Der Schmerz beim Bergfahren kann extrem groß sein. Wenn man es dann aber geschafft hat, eine Bergetappe hinter sich gebracht hat, beflügelt das ungemein“, erkärt er die ambivalenten Gefühle eines Leistungssportlers. Er sei, aufgrund seiens geringen Körpergewichts, besonders auf sehr steilen Strecken stark. Beim Training wird darauf geachtet, dass man am Oberkörper nicht zu viel Gewicht aufbaut.
„Absteigen gibt’sfür mich nicht. Wenn es nicht gut läuft, komme ich lieber mit einer langsameren Zeit durch das Ziel, aber vom Fahrrad steigen geht gar nicht. Man heftet sich an ein Hinterrad und gibt alles, um das nicht zu verlieren. Wenn es einem dann gelingt, einen guten Fahrer zu schlagen, bekommt man einen richtigen Motivationsschub“, lässt Christoph den Blick in seine Sportlergefühlswelt zu.
Für 2018 verfolgt Christoph Gobber das Ziel, sein erstes Etappenrennen zu bestreiten. Er kann sich einen Start in Südtirol vorstellen, wo der „Giro delle Dolomiti“ stattfindet. Dieses Rennen beinhaltet sechs Etappen und startet Ende Juli. „Mir als Bergfahrer würde der Kurs sehr entgegenkommen“, hofft der Radsportler, sein Vorhaben umsetzen zu können.

Pläne.

Als erstes Ziel nennt Christoph eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, die er beginnen will, sobald er einen Ausbildungsplatz hat. „Diese Ausbildung ist sehr praxisorientiert. Meinen Sport kann ich trotzdem ausüben. Während meiner Zivildienstzeit habe ich erkannt, dass ich gerne mit Menschen arbeite. Dieser Wunsch verstärkte sich, als ich in Leoben erkannt habe, dass das technische Studium nicht das Richtige ist. Radsport bleibt meine Leidenschaft. Diesen Sport kann man sehr lange ausüben, weil hier auch Taktik und Erfahrung gefragt sind.“
Sein sportliches Ziel ist es, in ein Team zu kommen und mit einem Team erfolgreich zu sein. Vor schweren Verletzungen ist Christoph bislang verschont geblieben. „2016 hatte ich einmal Riesenglück bei einem Mountainbikerennen, als ich bei sehr schwierigen Bedingungen gestürzt bin. Mein Helm war gebrochen und damals musste ich das Rennen beenden. Gott sei Dank war es nicht schlimmer als ein paar Prellungen und Schnittwunden“, erzählt er.
Im heurigen Jahr hat der Radsportler bereits 8000 Kilometer in den Beinen, 12000 bis 150000 sind geplant. „Das geht sich sicher aus“, ist Christoph überzeugt. Für 2019 ist das Ziel bereits höher gesteckt. „Ich möchte Christian Haas, den Ehenbichler Top-Athtleten, der im UNION Raiffeisen Radteam Tirol fährt, irgendwann erreichen. Das ist ein sehr großes Ziel von mir“, lässt der Radsportler wissen.

Anliegen.

„Wir Radsportler sind oft mit rücksichtslosen Autofahrern konfrontiert, werden geschnitten, angehupt oder beschimpft. Wir sind in unserem Sport auf die Straße angewiesen, weil es gerade hier in unserer Region einfach zu wenig rennradtaugliche Radwege gibt. Zudem ist es in Österreich gesetzlich verankert, dass zwei Radrennfahrer auf der Straße nebeneinander fahren dürfen. Natürlich gibt es auch unter den Radfahrern schwarze Schafe, wenn aber alle Straßenbenutzer respektvoll miteinander umgehen, ist ein Miteinander möglich. Ich bemühe mich immer, den Straßenverkehr nicht zu behindern, wenn ich mit dem Rennrad unterwegs bin. Daher meine Bitte an die Autofahrer, dies auch so zu halten.“
Die körperlichen Voraussetzungen sind bestens, die mentale Stärke hat er – Chris-toph Gobber ist zu wünschen, dass er vor groben Verletzungen verschont bleibt, Ausbildung und Sport vereinbaren und seine Ziele erreichen kann.