Ärztin. Missionarin. Ordensgründerin

Die von den „Freunden Anna Dengel“ 2017 in Auftrag gegebene Metallstatue von Isidor Winkler befindet sich derzeit vor dem Eingang der Wunderkammer in Elbigenalp.RS-Fotos: Winkler

Eröffnung der Sonderausstellung über Anna Dengel in der Wunderkammer Elbigenalp

Vorspann: Die diesjährige Aufführung auf der Geierwally-Freilichtbühne „Anna – Mutter der Mütter“ nahm die Elbigenalper Wunderkammer zum Anlass, eine Sonderausstellung über Dr. Anna Dengel zu initiieren. Diese wurde am vergangenen Donnerstagabend feierlich eröffnet.

Von Magdalena Winkler

Bürgermeister Markus Gerber begrüßte am Donnerstagabend ein zahlreich erschienenes Publikum zur Eröffnung der Sonderausstellung „Dr. Anna Dengel. Ärztin. Missionarin. Ordensgründerin“ in der Wunderkammer in Elbigenalp. Erschienen waren unter anderem auch Ing. Reinhard Heiserer, Obmann des Vereins Freunde Anna Dengel sowie Claudia Lang-Forcher, Autorin des demnächst zu sehenden Stückes „Anna – Mutter, der Mütter“. Pfarrer Dr. Otto Walch, der durch das Programm der Vernissage führte, gewährte einen Einblick in die Entstehung der Schau und gab Auskunft über die gezeigten Exponate. Ein Querflöten-Trio – unter der Leitung von Lydia Huber, Kapellmeisterin in Elbigenalp – sorgte für die musikalische Umrahmung des Abends im Zeichen von Anna Dengel.

Zusammenarbeit.

Bereits zum vierten Mal setzte das Team der Wunderkammer Elbigenalp auf eine Zusammenarbeit mit der Geierwally-Freilichtbühne. „Historische Themen, die auf der Geierwally-Freilichtbühne aufgeführt werden, sollen in Sonderausstellungen den Besucherinnen und Besuchern nahegebracht werden“, so Pfarrer Dr. Otto Walch. Durch das Engagement einer Vielzahl von Helferinnen und Helfer in- und außerhalb des Arbeitskreises Wunderkammer entstand daher eine Schau, die sich einer der wohl berühmtesten Lechtalerinnen widmet: Der Ärztin und Ordensgründerin Anna Dengl.

Persönlichkeit.
Zu sehen ist unter anderem der Hausaltar von Anna Dengel.

Anna Dengl wurde 1892 als Erstes von neun Kindern in der Lechtaler Gemeinde Steeg geboren. Die Familie, die eine Paramentstickerei betrieb, übersiedelte 1899 nach Hall in Tirol. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter besuchte Anna eine Ordensschule in Hall. Die äußerst streng geführte Schule legte ihren Ausbildungsschwerpunkt auf Fremdsprachen und Mission, was Anna nach ihrem Abschluss wohl dazu veranlasste, eine Stelle als Erzieherin und Deutschlehrerin in Lyon in Frankreich anzunehmen. Dort wurde sie auf die schottische Ärztin Agnès McLaren aufmerksam. Diese hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Frauen ein Medizinstudium zu ermöglichen und sie im Weiteren dazu zu bewegen, in Indien zu praktizieren. Vom Engagement McLarens inspiriert, nahm Anna Dengel 1914 ein Medizinstudium in Cork/ Irland auf. Fünf Jahre später konnte sie ihr Studium mit Auszeichnung abschließen, was sie zu einer der ersten Ärztinnen Österreichs machte. Anna Dengel nahm daraufhin ihre ärztliche Tätigkeit am St. Cathrine’s Hospital in Rawalpindi im heutigen Pakistan auf. Dort wirkte sie in erster Linie auf dem Gebiet der Geburtshilfe, zumal Frauen dort aus religiösen Gründen keine medizinische Hilfe von Männern in Anspruch nehmen durften. Nach ihrer Rückkehr aus Indien gründete Anna Dengl 1925 den Orden der Missionsärztlichen Schwestern in Washington, der bis heute weltweit im medizinischen Bereich tätig ist. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf die Unterstützung von Frauen und Kindern. In den folgenden Jahren setzte sich Anna Dengel für die Gründung einer Vielzahl von Spitälern, Ausbildungszentren vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika ein. Dengel, die für ihr Lebenswerk zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhielt, verstarb 1980.

Ausstellung.

Die seit Donnerstag gezeigte Schau gewährt einen Einblick in das bewegte Leben und vielfältige Wirken der Ärztin und Ordensgründerin. Neben einer Vielzahl spannender Exponate und übersichtlicher Informationstafeln, erfahren die Besucherinnen und Besucher der Sonderausstellung auch in einem eigens produzierten Film Wissenswertes rund um das Leben der Anna Dengel.
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 19. Oktober 2019. Besucherinnen und Besucher der Geierwally Freilichtbühne haben am Wochenende freien Eintritt in die Wunderkammer.

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