Allerorts reißende Wölfe

Liebe Freunde martialischer Geschichten!

Der Sommer ist warm und lau. Das Wasser in Bächen, Seen und auch Schwimmbädern angenehm kühl. Fast schon kitschig fein, dieser Klimawechsel. Rau hingegen ist der Umgang der Lebewesen mit- und untereinander. Im Wald zerreißen uns die Bären und Wölfe die Schafe. Und die Wilderer die Wölfe. Die Angst geht um. Und ausgerechnet zur Schwammerlzeit trauen sich die Leute kaum noch in den Wald. Obwohl das, laut Experten, völlig harmlos wäre. Weil der Bär und der Wolf ja scheue und harmlose Tiere seien. Außer halt für unsere Schäfchen. Viel gefährlicher für uns Menschen sind wir selbst. Sogar im Kanzleramt regiert neuerdings der Reißwolf. Akten, die eigentlich für die Nachwelt bestimmt wären, werden geschreddert. Damit sie nicht in die falschen Hände geraten. Denn ein Skandal wäre rasch ausgehoben. Und noch viel schneller verbreitet. Schmutz ist in Wahlzeiten eine begehrte Handelsware. Und seit dem berühmt-berüchtigten Ibiza-Video wissen wir ja, dass man sich mit einem Kübel auch kräftig selbst anschütten kann. Was uns zu philosophischen Grundsatzfragen zwingt. Unser Bundespräsident gab der Nation nach dem blauen Rauschgewitter ja beruhigend eine Antwort: So sind wir Österreicher nicht! Doch schon Wochen später scheinen wir nichts gelernt zu haben. Da werden Politiker der Kinderpornographie und des Drogenmissbrauchs bezichtigt. Quellen und konkrete Anhaltspunkte dafür gibt es freilich nicht. Warum wird das getan? Weil wir, das Volk, gute Nachrichten gar nicht hören wollen? Bessere Löhne, niedrige Mieten, eine optimierte Pflege unserer alten Menschen – all das wären doch Themen, die uns betreffen und berühren sollten. Wir aber bleiben lieber bei der Freude an der Furcht. Vor Ausländern. Oder dem Weltuntergang. Was Wölfe in Schafspelzen weiter ihr Unwesen treiben lässt. Und unser Klima dramatisch verwandelt. Mir bleibt nur die Frage: Wie sind wir denn wirklich?

Meinhard Eiter