Alles andere als Standard

Was die „iMstrumental“-Zuhörer mit auf den Heimweg nehmen sollen? Am liebsten Glücksgefühle, hofft Kapellmeister Hermann Delago. RS-Foto: Matt

Die RUNDSCHAU im Gespräch mit Kapellmeister Hermann Delago anlässlich „iMstrumental 2018“

Mit dem „iMstrumental“-Konzert der Stadtmusik Imst hält am Samstag, dem 5. Mai, ab 20 Uhr wieder eine etwas andere Blasmusik ihren Einzug im Glenthof. Mit der RUNDSCHAU plauderte Kapellmeister Hermann Delago über das diesjährige Programm, dessen Entstehung und die Gäste, die sich heuer mit der Stadtmusik die Bühne teilen werden.

Von Manuel Matt

Die Proben laufen ausgezeichnet, zeigt Hermann Delago offen seine Freude über den Fleiß seiner Stadtmusikanten zum nahenden „iMstrumental“-Konzert. Das diesjährige Programm werde bisher von allen Seiten gut angenommen – keine Selbstverständlichkeit, weiß der Kapellmeister, der für heuer wieder eine innovativ-harmonische Mischung aus Symphonik, Film-, Blas- und Populärmusik verspricht.

Widerstand gegen das Angebot.

Doch wie kommt das „iMstrumental“-Programm für gewöhnlich zustande? Das sei eine Entwicklung, die spätestens mit dem Ende des letzten „iMstrumental“-Konzerts ihren Anfang nimmt, verrät Delago. Zunächst wird das musikalische Angebot nach aufregenden Neuerscheinungen und exquisiten Raritäten durchforstet. Das passiere mittlerweile mehr auf der Internetplattform „YouTube“ als in der eigenen CD- und Plattensammlung, gibt Delago schmunzelnd zu Protokoll. Freilich würden auch zahlreiche Kataloge der vielen Verlagshäuser für Blasmusik-Literatur im Postfach des Kapellmeisters eintrudeln. Das Zurückgreifen auf dieses Angebot sei bei den meisten Kapellen der Standard, so Delago. Auch er schaue sich die Vorschläge aus Interesse an, „ich bin dann aber eigentlich bestrebt, genau das nicht zu spielen, was da angeboten wird“, erzählt der Kapellmeister freimütig. Vielmehr gehe es um das Einbringen einer eigenen Handschrift in Form von selbstgeschriebenen Stücken und eigenen Arrangements.

Programmvielfalt.

Was dann aber schlussendlich am Programm steht, entscheide er nach verschiedenen Gesichtspunkten. „Ganz am Anfang, so egoistisch es auch klingt, muss es mir gefallen“, betont Delago: „Wovon ich nicht überzeugt bin, wird bei mir nie am Notenständer landen.“ Anschließend gehe es darum, aus dem symphonischen und modernen Angebot Stücke auszuwählen, die sowohl dem Publikum als auch den Musikanten gefallen könnten. „Ich verwende dabei bewusst den Konjunktiv“, betont Delago: „Es kann auch sein, dass die Nummer für die Musikanten lässig zu spielen ist, dem Publikum aber vielleicht nicht so zusagt – das ist aber eher selten.“ Freilich ist auch das musikalische Niveau ein Thema, umfasst die Stadtmusik doch rund 60 individuelle Persönlichkeiten. „Es muss spielbar sein – weder über-, noch unterfordernd, aber an die Grenzen gehend“, umschreibt Delago den Anspruch an die Titelauswahl. Eigene Arrangements würden dabei oft zum Vorteil gereichen: Einerseits durch die gewonnene Flexibilität und Freiheit, andererseits gehe auch das Einstudieren schneller vonstatten. Ein Gefühl, das beim Publikum nicht auftreten dürfe, sei jedenfalls Langeweile. „Es muss Spannung drin sein. Wenn ich das Gefühl habe, ein Stück hat – obwohl es ein gutes Stück ist – Platzfüller und langweiligere Parts, dann schmeiß’ ich diese Teile einfach raus“, so Delago. Nicht zuletzt sei auch die Vielfalt im Klangbild ein wichtiger Punkt, zu dem neben den Instrumentalsolisten der Stadtmusik auch die Gäste im zweiten Teil ihren Beitrag leisten.

Geteilte Bühne.

Ein alter und geschätzter Bekannter unter den diesjährigen Gästen ist Charly Baumgartner, dem dank seiner einzigartigen Stimme ein fast legendärer Ruf vorauseilt. „Für Charly such’ ich natürlich gemeinsam mit ihm die richtigen Nummern, die charismatisch und stimmlich zu ihm passen“, gibt Delago Einblick in die Zusammenarbeit. Dieses Jahr fiel die Wahl auf den Song „Diavolo in me“, der dem italienischen Multiinstrumentalisten Zucchero gegen Ende der 80er-Jahre zum Durchbruch verhalf, und ein Medley aus drei Evergreens von „Credence Clearwater Revival“. Alles andere als unbekannt und doch neue Gesichter bei „iMstrumental“ sind „Saltbrennt“-Mitglied Christian Deimbacher und „Salvesenklang“-Sängerin Laura Wagner. Mit Mundharmonika und Tuba wird Deimbacher bei „Hermann’s Day“ von Attila Buri sein Können präsentieren, während Wagner „Time After Time“ von Cyndi Lauper und zusammen mit Delago das Batak-Lied „Holong Naso Tarputik“ gesanglich interpretieren wird.

Rampenlicht.

Dass die Stadtmusikanten aber auch ohne Gäste zu brillieren wissen, zeigt der erste Teil des Programms. Der Abend beginnt mit der Fanfare „Call of Heroes“ des Tirolers Michael Geisler, gefolgt von einer Version des Boleros von Maurice Ravel – „eine gewisse Herausforderung für diverse Solisten“, nickt Delago. Nach „Two Centuries“ des Schweizers Mario Bürki wird mit dem Intro der TV-Show „Game of Thrones“ die Tür zur Filmmusik aufgeschlagen. Ein weiterer Höhepunkt in diesem Sinne dürfte „Star Wars & The Marches“ sein, das die meisten bekannten Melodien der Weltraum-Saga vereint – „musikalisch vielleicht das schwierigste Werk im Gesamtprogramm“, so der Kapellmeister. Den ersten Teil krönt schließlich mit dem Garnisonsmarsch ein Werk eines großen Sohnes der Stadt Imst – Franz Treffner, dessen Feder auch der Fasnachts- und Feuerwehrmarsch entstammen. „Ein genialer Autodidakt“, dessen Werke gerade in seiner Heimatstadt immer wieder gespielt werden sollten, schließt der Kapellmeister.