Alles Grafik

Beinahe zeitgleich der Amtsantritt von Christoph Stillebacher als Kulturstadtrat und die Vernissage zur ersten Ausstellung des Jahres in der Imster Stadtgalerie. Im Bild mit "seinem Galerie-Team": Christa und Johanna Böhm

Zehn KünstlerInnen stellen in Imst aus

Unter dem Titel „Grafik im Wechsel der Techniken“ macht die Städtische Galerie Theodor von Hörmann die Arbeiten von zehn renommierten Tiroler Künstlerinnen dem Publikum zugänglich.

Aus den einführenden Worten von Kuratorin Dr. Elisabeth Maireth: „Die Frühjahresausstellung 2016 in der Städtischen Galerie Theodor von Hörmann in Imst ist dem weitläufigen Thema Druckgrafik gewidmet. Anschaulich gemacht wird das Thema durch eine gezielte Auswahl an Papierarbeiten von zehn KünstlerInnen. Durch ein spezielles Konzept soll den Galeriebesuchern der Begriff Druckgrafik in verständlicher Weise erläutert werden. Wobei im Rahmenprogramm ein Künstlergespräch und ein Atelierbesuch zum besseren Verständnis für die künstlerisch-technischen Gegebenheiten eingeplant ist.“ Abschließend drückte die Kuratorin mit den Worten „Ihr wisst ja gar nicht, was ihr an ihr habt“ große Anerkennung für Andrea Schaller vom Kulturreferat Imst für ihre engagierte und höchst professionelle Arbeit aus. Seitens des Verfassers bleibt anzumerken: Die Ausstellung überspannt einen Zeitraum von über 100 Jahren, präsentiert unterschiedlichste zur Anwendung kommende Druckverfahren und zeigt die breite Schaffenspalette von zehn namhaften KünstlerInnen aus unserem Bundesland oder mit starkem Tirolbezug. Ein Besuch der Frühlingsausstellung ist also auch aus Sicht der Kunsterziehung von großem Wert. Der Vernissageabend wurde in stimmiger Weise musikalisch von Wolfgang Henn & Friends (Stefan Mathoi und Andreas Gilgenberg) gestaltet.

ERÖFFNUNG DURCH KULTURSTADTRAT CHRISTOPH STILLEBACHER. Es traf sich gut, dass die Amtseinsetzung des Nachfolgers von Sandra Friedl-Dablander und die erste Vernissage des Jahres 2016 in der Imster Stadtgalerie beinahe zeitgleich erfolgten. So konnte sich Stadtrat Stillebacher gleich zu Beginn seiner Agenda als Vorsitzender des Kulturausschusses einem breiteren Publikum vorstellen.
Imsts neuer „Kulturchef“ im RUNDSCHAU-Gespräch: „Mein neues Aufgabengebiet sehe ich als schöne und große Herausforderung. Im Kulturausschuss bin ich seit sechs Jahren tätig und konnte dabei schon einiges an Erfahrung sammeln und Menschen aus verschiedensten schöpferischen Sparten kennenlernen. Die Stadt Imst hat im Bereich Kulturarbeit viel weitergebracht, da bedanke ich mich bei meiner Amtsvorgängerin Sandra Friedl-Dablander. Der aktuelle Kulturausschuss setzt sich aus fünf stimmberechtigten Mitgliedern zusammen. Das sind meine Stellvertreterin Martina Frischmann, Barbara Hauser, Andrea Jäger, Hannes Gstrein und ich. Kooptierungen weiterer Personen in beratender Funktion sind nicht ausgeschlossen, im Moment aber nicht Thema.“ Auf Nachfrage der RUNDSCHAU: „Neben dem laufenden Kulturgeschehen wird es demnächst das dritte Treffen in Sachen Kulturquartier Imst (die RS berichtet) geben. Ja, stimmt, es ist unser Großprojekt und wird für seine Planung und Realisierung Jahre in Anspruch nehmen, aber wir wollen kein Flickwerk, sondern eine umfassende Lösung.“

HUNDERT JAHRE VON MOSER BIS MOSER. Zehn namhafte KünstlerInnen im hier gegebenen Rahmen seriös vorzustellen ist nicht möglich. Ein „Flashlight“ sei aber zumindest versucht.
Der 1873 geborene Südtiroler Carl Moser erlernt als bereits ausgebildeter Grafiker im Jahre 1902 die Kunst des japanischen Holzschnittes. Dieser beeinflusst das Schaffen des vom Jugendstil geprägten und in der Holzschnitttechnik beheimateten Bozners maßgeblich. 100 Jahre später finden die Werke der 1962 in Gmunden geborenen Elisabeth Moser Eingang in die Stadtgalerie Imst. Die mit dem Preis der Stadt Innsbruck ausgezeichnete Grafikerin bedient sich der Technik Hochdruck-Linolschnitt. Wer sich dem breit gefächerten Werk von Gerald Kurdoglu Nitsche, geboren 1941 in Wien, nähern möchte, dem sei die derzeitige Ausstellung im Imster Ballhaus angeraten. Zeitgleich mit dieser stellt Nitsche in der örtlich beinahe benachbarten Grafikschau Lithografie-Arbeiten aus. Chryseldis, 1948 in Landeck geboren, gilt als eine der bekanntesten Tiroler Künstlerinnen, einem breiten Publikum sind ihre Plakatwerke für die Tiroler Volksschauspiele und ihre populären Arbeiten für die Tirol Werbung gegenwärtig. Der hochbegabte Herbert Danler gehört der ersten Generation der Nachkriegsmaler an und durfte sich glücklich schätzen, Prof. Herbert Boeckl (wie auch andere der derzeit in Imst ausstellenden GrafikerInnen) zum Lehrer zu haben. Aus dem reichen Werk des Künstlers und Kunsterziehers sind Arbeiten in Litho-Flachdruck ausgestellt. Herbert Danler verstarb 2011 in Telfs. Katja Duftner stammt aus Innsbruck, ist 1966 geboren und gehört neben ihrer grafischen Berufung auch der Goldschmiedezunft an, mit deren Produkten sie selbst in London überzeugte. Ihre variantenreiche Auseinandersetzung bis hin zu ästhetischen und gesellschaftlichen Problemen „gießt“ die gelernte „Metallerin“ in Radierung-Tiefdruck. Die 1959 im Tiroler Unterland geborene Susanne Loewit kam unter Obhut ihres Künstlervaters Herbert Danler mit dem Kunstmetier früh in Berührung. Aus der engagierten Ausstellungstätigkeit der studierten Musikerin und Germanistin sind derzeit Werke in Linolschnitt-Hochdruck/Radierung-Tiefdruck in Imst zu sehen. Der aus Zams stammende Elmar Peintner, geboren 1954, hat sich einen weit über die nationalen Grenzen hinausgehenden Ruf geschaffen. Als zeitlos und aussagestark wird sein Werk beschrieben, das vielleicht bekannteste Exponat „Frau Hitt und ihre Kinder“, Radierung-Tiefdruck. Das Leben und Schaffen von Reiner Schiestl, 1939 in Kufstein geboren, ist von zahlreichen großen Reisen beeinflusst. Arbeiten in Aquarell, Öl und Acryl, Zeichnung und Keramiken. Ab 1967 kommen Radierung, Lithografie und Linolschnitt als künstlerische Ausdrucksmittel dazu. Last, but not least rundet der Innsbrucker Michael W. Schneider, geboren 1967, den Reigen der Ausstellenden ab. Vorwiegend seine Holzschnitte und Holzdrucke sind in Galerien von China bis Südamerika präsent. Dabei ersetzen gefundene Steine das Schnittmesser, Strukturen werden somit in das Holz geschlagen.

KURDOGLU PRAXISNAH. Im Anschluss an die Ausführungen von Dr. Maireth gab Gerald K. Nitsche in einem kurzen Referat und anhand mitgebrachter Materialien und Werkzeuge einen Einblick in die praktische Arbeit der höchst unterschiedlichen Verfahren grafischen Gestaltens. Erklärt wurden seitens des bekannten Künstlers und Kunsterziehers Holz- und Linolschnitt, Radierung und Lithografie. Dazu noch die Zahlenlehre der Grafik. Die Blätter sind durch zwei, von einem Schrägstrich getrennten Zahlen gekennzeichnet. Die zweite gibt die Auflagenhöhe, allerhöchstens 99 Stück an, die erste die Herstellungsnummer des Blattes. Je niedriger die Auflage und Blattnummer, desto wertvoller das Exponat.

SPANNENDER RAHMEN. Das Rahmenprogramm zur Ausstellung umfasst ein Künstlergespräch zum Thema Holzschnitt mit Elisabeth Moser und Dr. Elisabeth Maireth. Donnerstag, 7. April, 17 Uhr, Städtische Galerie. Am Freitag, dem 1. April, und Freitag, dem 22. April, gibt es eine Einführung in die Lithographie mit Dr. Elisabeth Maireth und Günther Stecher in der Steindruckerei Stecher & Stecher, A-6613 Wildermieming/Affenhausen, Leite 12. Man trifft einander um 15 Uhr vor Ort, es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Ausstellung „Grafik im Wechsel der Techniken“ ist bis 30. April 2016 zu besichtigen. Infos zu Ausstellung und Rahmenprogramm: Tel. 066460698205, Kulturbüro Stadt Imst, www.kultur-imst.at

Von Peter Bundschuh

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.