„Alpentransit Außerfern“

Siegfried Kerle fordert ein Umdenken in puncto Verkehr. Foto: Privat

Gemeinnütziger Verein fühlt sich in jahrzehntelanger Arbeit bestätigt

Die Stauproblematik am Fernpass ist seit graumer Zeit in vieler – fast aller – Munde. Eine Tunnellösung fordern und forcieren die einen, keinen weiteren Transit die anderen. Das Wegfallen des 7,5-Tonnen-Limits beschäftigt die Gemüter ebenso wie die Lärmbelastung der einheimischen Bevölkerung.

„Dem zunehmenden Durchzugsverkehr an der Fernpassbundesstraße darf durch Ausbau kein roter Teppich gepflastert werden, sonst wird der Verkehr durch Attraktivierung an der B179 noch viel stärker zunehmen.“ Mit dieser Hauptaussage missionieren die Funktionäre des gemeinnützigen Vereins „Alpentransit Außerfern“ seit bald zwanzig Jahren. Sie besuchten Gemeinderäte, erstellten Infobroschüren, hielten viele Veranstaltungen mit namhaften Referenten ab und organisierten zwei Straßen-Demos, um auf den Sachverhalt aufmerksam zu machen. Als NGO (Nichtregierungsorganisation/Non-Governmental Organisation) konnten sie auch bei der „Fernpass-Strategie“ des Landes mitarbeiten.
Der langjährige Obmann Fritz Mitterbauer und sein Stellvertreter DI(FH) Siegfried Kerle blieben über die Jahre präsent und können ein Umdenken in der Gesellschaft wahrnehmen. Die Bevölkerung erkennt, dass ein Ausbau mit weiteren Tunnels eine Belastung und keine Entlastung zur Folge hätte. Die Gemeinderäte der drei hauptbetroffen Orte im Zwischentoren haben sich inzwischen auch dagegen ausgesprochen.

Fragezeichen.

Warum wurde gegen den Willen der Bevölkerung mit Planungen begonnen, könnte man sich fragen. Es wäre nur ein Wirtschaftsflügel, der den Tunnel wolle, kann man hören.
Beim Thema Wirtschaft klärt Kerle, selbst WKO-Funktionär, auf. „Es gibt die große Wirtschaft der Konzerne, die hier bei uns das höherrangige transeuropäische Straßennetz zwischen A7 und A12 ergänzt sehen möchte. Die kümmert unser Wohn- und Wirtschaftsraum nichts, sie wollen nur kurze und günstige Wege durch unser Land, und das Verlagerungspotenzial wäre enorm. Daneben gibt es unsere kleinstrukturierte, regionale Wirtschaft, für die ein Ausbau in mehrfacher Hinsicht schädlich wäre. Auf großen Straßen fließt bekanntlich Kaufkraft ab und es drängen mehr Anbieter von außen herein, auch wenn durch Stau-Zunahme die Barriere nur mental verloren ginge. Die Gewerbetreibenden würden durch mehr Verkehr schlechter zu ihren Kunden kommen und damit wertvolle Arbeitszeit verlieren. Weiterer Transit würde unsere Transporte behindern. Und das Thema um die Zusammenlegung öffentlicher Einrichtungen würde wieder neu entfacht.“

Ausbau = Steigerung.

Es hat in Tirol noch jeder Straßenausbau zu mehr Verkehr geführt, hört man auch von den landeseigenen Experten und Verkehrsplanern. Und wie stünde es um die 7,5t-Beschränkung für all jene, die hier und in den umliegenden Regionen keine Ware auf- oder abladen?
„Diese Beschränkung beruht nur auf der Beschwerlichkeit des Fernpasses. Wenn wir diese eliminieren, beseitigen wir auch die Grundlage der Beschränkung“, weist Mitterbauer hin und verdeutlicht, wie unverantwortlich es wäre, ein solches Risiko einzugehen.
Während der vergangenen Jahre haben Mitglieder und Sympathisanten die Initiative „Alpentransit Außerfern“ unterstützt, sodass die neue Initiative „Fernpass-Scheitel-Tunnel Nein Danke“ mit der Website „fernpasstunnel.at“ finanziert werden konnte. Eine zielgerichtete Investition in unsere Aufklärungsarbeit, benennen dies die ATA-Funktionäre.
Gemeinsam will man sich gegen teure Scheinlösungen und für den Erhalt des Lebens- und Wirtschaftsraums einsetzen. Dass ein Umdenken in puncto Verkehr kommen muss, ist allen klar, daher sollte man zuvor nicht noch eine Schneise öffnen, noch ein Tal dem überbordenden Verkehr opfern, sondern schon jetzt dosieren, um ein Umdenken zu ermöglichen. Eine Strategie, die logisch erscheint, sind sich Fritz Mitterbauer und Siegfried Kerle einig.