Als man im Ötztal noch Maut zahlte

Mirijam Schöpf, Denise Stigger, Laura Gstrein und Luis Dopona (v.l.) in der Bibliothek des Gedächtnisspeichers in Längenfeld nach der erfolgreichen Präsentation. RS-Foto: Hirsch

Das Ötztal – zwischen Tourismus und Tradition – „salm und heint“

Mirijam Schöpf, Laura Gstrein, Denise Stigger und Luis Dopona beleuchten den Wandel im Ötztal. Unter dem Motto „Das Ötztal zwischen Tourismus und Tradition“ präsentierten sie Teile ihrer Diplomarbeit im Gedächtnisspeicher in Längenfeld in der Reihe „Freitags im Museum“. Kulinarik, Sprache und Infrastruktur im Wandel der Zeit bildeten die Kernpunkte. Gewürzt mit bespielbaren Stationen und Kulinarik von einst und heute zeigte die Präsentation ein umfassendes Bild.

Von Friederike Hirsch

Laura Gstrein, Mirijam Schöpf, Denise Stigger und Luis Dopona sind Schüler der Höheren Lehranstalt für Wirtschaftliche Berufe Landeck. In ihre Diplomarbeiten wollen sie Bewusstsein dafür zu wecken, wie der Tourismus die Gesellschaft in ihren bedeutsamsten Lebensbereichen beeinflusst hat und noch immer beeinflusst. Kulinarik, Sprache und Infrastruktur sind für die vier Schüler die Dreh- und Angelpunkte. Ihre Recherchen dazu führten sie in den Gedächtnisspeicher der Ötztaler Museen. Die vier Schüler nutzten die umfangreiche regionalhistorische Lesebibliothek sowie das umfassende Archiv. Es lag nahe, die abschließende Arbeit wieder im Gedächtnisspeicher zu präsentieren. Laura Gstrein, Mirijam Schöpf, Denise Stigger und Luis Dopona boten außerdem Kostproben aus traditioneller bis exklusiver Küche – stellvertretend für den kulinarischen Wandel im Tal – an. Christian Holzknecht, Museumswart und gute Seele des Ötztaler Freilichtmuseums, kochte für die Besucher ein traditionelles Muas in der alten Rauchküche.

Kulinarik

Gerade diese Lebensbereiche wurden im Ötztal durch den Tourismus entscheidend mitgeprägt. Den Satz: „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, hört heute wohl kaum jemand mehr. Im ganzen Tal erhält man alles, was Herz und Magen begehren. Vorbei die Zeiten, als man das Obst noch einkochen musste, weil man sonst im Winter keines hatte. Vorbei die Zeiten, als man im kleinen Dorfladen noch mit Wolle bezahlte oder anschreiben lassen konnte. Internationale Einflüsse haben sich natürlich auch im Ötztal breit gemacht und zu einer kulinarischen Vielfalt geführt. Heute werden traditionelle Gerichte modern interpretiert. Immer mehr Gastronomen bauen heute wieder auf Tradition, Regionalität und Saisonalität. Im Ötztal will man das Alte erhalten und mit dem Neuen kombinieren.

Sprache

Seit der Ötztaler Dialekt immaterielles Kulturerbe geworden ist, besinnen sich viele wieder auf „ihre“ Sprache. Das war nicht immer so. Man musste sich anpassen, damit die Gäste einen auch verstehen. Besonders in den 1970ern versuchten die Ötztaler, so hochdeutsch wie möglich zu sprechen. Da kam es schon mal vor, dass ein Bergführer zu einer Wanderin sagte: „Obacht da tut sie herunterlawinen.“ Auch der Kulturwandel von einem Bauerntal zu einem Tourismustal hat die Sprache verändert. Alte Wörter aus dem bäuerlichen Leben gehen verloren, da auch die Tätigkeiten und die Gerätschaften verloren gehen. Es entstehen aber auch neue Wörter und sogar neue Jahreszeiten. Waren es früher Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sind es heute Hauptsaison und Nebensaison.

Infrastruktur

Zum größten Sprung ist es unzweifelhaft im Bereich Infrastruktur gekommen. Ein wesentlicher Meilenstein für die Entwicklung des Ötztals war – neben der Realisierung der Arlbergbahnstrecke (Ötztal-Bahnhof) – vor allem der Ausbau der Straße nach Sölden in den Jahren 1898 bis 1903. Für die Strecke vom Bahnhof Ötztal bis nach Sölden benötigte der Pferdepostwagen knapp neun Stunden. Wer in der Zeit um 1929 mit dem eigenen Auto anreisen wollte, hatte eine Maut zu bezahlen und unterlag einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Über Brücken durfte man gar nur mit sechs Stundenkilometern fahren. Um den rasanten touristischen Aufschwung, den das Ötztal durchlaufen hat, zu verdeutlichen, reicht der Blick auf die Zahlen von früher und heute. Im Jahr 1903 gab es 25 Gasthäuser und 172 Privatunterkünfte mit 1012 Betten im gesamten Tal. Die Anzahl der Gäste summierte sich auf 11383 Personen. Für Sölden verzeichnete die Statistik im Jahr 1930 insgesamt 88000 Nächtigungen. Diese Zahlen werden heute in allen Kategorien übertroffen. Allein in der Wintersaison 2014/2015 registrierten die Orte Sölden, Obergurgl-Hochgurgl, Längenfeld, Umhausen, Sautens und Haiming eine Summe von 2,8 Millionen Nächtigungen.

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