Am Urisee das erste Haus am Platz

Das Hotel „Urisee”, wie wir es heute kennen, wurde mit dem Bau der Schnellstraße an dieser Stelle errichtet und soll 2018 als Bordell geführt werden. RS-Foto: Archiv

Vom Badevergnügen und anderen Freuden

Es begann knapp nach der Jahrhundertwende mit dem Kauf eines Grundstücks in Seenähe. Der Plan war die Errichtung eines Hotels, die Berechtigung laut Gewerberegister folgte auf dem Fuß. Urlauben in idyllischer Umgebung war möglich. Später erzwang der Straßenbau eine Umsiedelung des Hotels. In all den Jahren haben wohl viele Außerferner ihre ersten Schwimmversuche im Urisee unternommen. Jetzt soll bald das älteste Gewerbe der Welt  genau hier Einzug halten.

2015 wurde der Antrag auf Errichtung eines Bordells im leerstehenden Hotel „Urisee” gestellt. Im selben Jahr genehmigte der Reuttener Gemeinderat mehrheitlich die Anpassung der raumordnerischen Voraussetzungen. Seitdem gehen die Wogen hoch und scheiden sich die Gemüter.
Eine Bedarfserhebung ergab, dass ein derartiges Etablissement in Reut-te wohl nicht notwendig sei. Der Bürgermeister lehnte nach Bewertung der Fakten das Ansuchen ab, die Antragstellerin ging in Berufung  und erhielt Recht. Nach Beschluss des Tiroler Landesverwaltungsgerichts kommt das Puff jetzt doch – und wieder kocht die Volksseele.

Ein Hotel und seine Geschichte. 1912 kaufte Emanuel Turri um 214  Kronen (=1070 Euro) ein 107 Quadratklafter (=ca. 487 m2) großes Grundstück. Der Plan war, ein Hotel in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen Sees zu erbauen. Laut Gewerberegister der BH Reutte erhielt Emanuel Turri am 12. Juni  1912 das Gastgewerbe für das „Hotel Urisee“. Das Hotel florierte. So berichtet der Ausferner Bote vom 2. September 1926, dass „diese Tage Exzellenz General Verdroß mit Gemahlin einige Tage in dem so ungemein reizend gelegenen Alpengasthof ,Urisee’ weilte.“ Man verbrachte also die Sommerfrische gerne am See, frönte dem Wassersport und der Fischerei und dachte nichts Böses. Durch Erbschaft ging das Hotel „Urisee” an den Sohn Emanuels, Theo Turri, über. Als die Schnellstraße gebaut wurde, wurde das Traditionsgasthaus abgetragen und an der heutigen Stelle neu errichtet.
Zuletzt von Tauchern als Basislager genutzt, stand das eigentliche Hotel leer. Jetzt soll es einer neuen Bestimmung übertragen werden.

Der namensgebende See. Otto Stolz schrieb 1936: „Der jetzt so genannte Urisee östlich von Breitenwang wird in den Fischwasserbeschreibungen des 16. Jahrhunderts das ,Unrain Seele’, auf der Karte von Anich ,Unreine See’ genannt.“ Stolz schreibt weiter, dass der Name wohl vom schlammigen, unreinen Wasser des Sees kommen muss. Der Name „Urisee” auf der Spezialkarte von 1870 sei eine willkürliche Angleichung an das schweizerische Uri. In der Fischereiordnung von 1536 erscheint die Bezeichnung „Unrain- oder Kinigsee“.
In den Landkarten von Warmud Ygl (1605), Mathias Burglechner (1611) und Christoph Hurter (1619) ist kein See eingezeichnet. Im ältesten Katasterplan von 1856 wird ein „Urmersee“ genannt. Unreines Wasser kann kaum der Schöpfer des Namens „Urisee” sein. Schlamm im Wasser wurde in früheren Zeiten höchstens von den Weidekühen aufgewirbelt, wenn sie zum Trinken in den See stiegen. Auch eine Abwandlung des Familiennamens Turri ist unwahrscheinlich, da die Familie erst Ende des 19. Jahrhunderts nach Reutte gezogen ist.

Idyll. Auch wenn die Namensherkunft nicht komplett geklärt ist, ist der Urisee ein landschaftliches Idyll und beliebt bei Einheimischen und Gästen. 2017 wurde vieles bewegt, die Badeanstalt restauriert und die Gastronomie wieder aufgenommen. An schönen, warmen Sommertagen tummeln sich unzählige Erholungssuchende und Badegäste rund um den See. Was die Zukunft bringen wird, wird sich weisen. Die deutsche Betreiberin hat nach positivem Behördenbescheid erklärt, dass das Projekt selbstverständlich umgesetzt werde  und 2018 als Fertigstellungsdatum realistisch sei.