Anonymes Schweigen

Liebe Freunde des intensiven Schutzes der Privatsphäre!

Ihr seid sicher schon alle vorgewarnt. Unsere Gesetzgeber schützen uns. Mit der neuen Datenschutzgrundverordnung sind wir auf der sicheren Seite. Niemand darf mehr ohne Erlaubnis personenbezogenes Wissen weitergeben. Unsere Vor- und Nachnamen, unsere Adresse, unsere Kontonummer, auch die Autonummer, E-Mail-Adresse und vieles mehr gehören zu unserer Intimsphäre. Wenn wir nicht wollen, dass jemand anderer all das erfährt, können wir vollkommen anonym bleiben. Leute, die Persönliches von uns preisgeben, handeln strafbar. Außer wir erlauben ausdrücklich, was wir von uns verraten. Oder irgendein anderes Gesetz regelt irgendetwas anderes. Zum Beispiel die Veröffentlichungspflicht.
Was anfänglich einfach klingt, wird im Detail dann doch kompliziert. Wir sind so quasi an der Spitze des Eisberges. Nach Fax und E-Mail und Internet kamen „Twitter“ und „WhatsApp“ und weiß Gott was noch alles. Die Mitteilungssucht der Menschen stieß an eine Grenze, die auch Kriminelle zu nutzen wussten. Daher muss sich der Mensch von heute mehr und mehr vor dem Menschen von heute schützen. Eh klar.
Für uns Betroffene ist die Angelegenheit unterschiedlich leicht zu verkraften. Ich als Kommunikativer muss wahrscheinlich ziemlich aufpassen. Mein Freund jubelt innerlich. Weil er schon bisher nach dem Motto lebte: Ich freue mich über jeden, den ich nicht kenne…Für uns Journalisten wird’s ganz schwierig. Bei Telefonanrufen droht die Frage: Woher hast du meine Nummer? Und bei E-Mails muss ich vorher eine E-Mail schreiben, ob ich diese Adresse anschreiben darf. Telefonbücher, Adressenverzeichnisse und dergleichen mehr sind streng genommen wohl Schnee von gestern. So ist der Mensch: Wer alle erreichen will, der darf letztlich niemanden mehr treffen. Freuen werden sich die Anwälte. Die haben jetzt einen Markt. Ich warte schon auf die erste Klage per Anonymverfügung. Tatbestand: Der weiß, wer ich bin!

Meinhard Eiter

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