Archäologische Zeitreise in die Vergangenheit des Außerferns

Musikalisch untermalt wurde die gut besuchte Sonderausstellungseröffnung von der Museumsmusik unter Klaus Wankmiller. RS-Foto: Zeller

Eröffnung der lehrreichen Sonderausstellung „Entdeckt!“ im „Grünen Haus”

Die heurige Sonderausstellung des Museums im „Grünen Haus” widmet sich den historisch-kulturellen Ursprüngen des Bezirks Reutte. Sowohl große Artefakte – wie das Ehrenberger Burgensemble oder die Via Claudia Augusta – als auch kleine Fundstücke, wie Fibeln oder nur fingernagelgroße Steinchen, erzählen dabei faszinierende Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. 

Von Jenni Zeller

Neben einheimischen Funden trugen auch zahlreiche Leihgeber – allen voran die Universität Innsbruck – zur Sonderausstellung bei. RS-Foto: Zeller

Ernst Hornstein, Obmann des Museumsvereins Reutte, eröffnete am Donnerstag hocherfreut die Ausstellung: „Unser Ziel ist, die facettenreiche Regionalgeschichte des Außerferns durch die neuesten archäologischen Funde nachzuzeichnen. In Ergänzung dazu möchten wir die Methoden und Fortschritte der Archäologie einem breiten Publikum näherbringen.“ Dazu gestalteten Museumsleiter und Kurator Ulrich Kössler und sein Team die Ausstellung aus über 200 akribisch beschrifteten Fundgegenständen, zahlreichen Fotografien, Grafiken und Texttafeln. Das Ergebnis ist eine detailgenaue, fachlich hochwertige und zugleich gut verständliche Ausstellung, die erstaunliche Einblicke in die Geschichte des Bezirks Reutte seit der Jungsteinzeit ermöglicht.

Unscheinbare Schätze.

Die ältesten Fundstücke in Reutte sind bis zu 8000 Jahre alte Feuersteinartefakte aus Bach. Damals erschlossen Jäger und Sammler nach dem Ende der letzten Eiszeit die Alpen auf der Suche nach Nahrung und Bodenschätzen wie Bronze. Vor zirka 3000 Jahren besiedelten dann die Kelten und Räter erstmals den Bezirk, was beispielsweise durch ein Eisen-Votivfigürchen von der Parzinnspitze nachweisbar ist. Nach der Vertreibung dieser vorchristlichen Völker durch die Römer wurde um ungefähr 50 n. Chr. die weitbekannte Via Claudia Augus-ta zu Zwecken der Kriegsführung sowie des Reisens und Handelns erbaut. Besonders interessante Erkenntnisse zum römischen Straßenbau lieferte der sogenannte Lermooser Prügelweg, bei dem als Straßenfundament unzählige Baumstämme auf dem sumpfigen Boden verwendet wurden. Zudem sind Fundstücke einer ehemaligen römischen Handelsstation bei Biberwier sehr aufschlussreich: Gemmen, die mit iranischem Chalcedon oder indischem Jaspis hergestellt wurden, sind Beweise für das schon damals weit verzweigte Handelsnetz. Neueste Ausgrabungen in Außerferner Pfarrkirchen und im ehemaligen Reuttener Franziskanerkloster förderten zudem spannende Funde, wie Keramikkrüge oder Verlustmünzen aus Mittelalter und Neuzeit zutage. Dank der sich stets fortentwickelnden Archäologie und neuen Methoden zur schonenden Auffindung sowie Untersuchung von Fundorten werden im Außerfern auch weiterhin Wissenslücken geschlossen. Wie schon der römische Staatsmann und Schriftsteller Cato wusste: „Ne discere cessa.“ – „Höre nicht auf, zu lernen.“

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.