Asyl für Schlangen

Liebe Freunde exotischer Reptilien!

Unlängst las ich auf der Tierseite einer kleinformatigen Tageszeitung die Rubrik „Wer will mich?“ Neben Kätzchen und Hunden sah ich da eine Schlange. Unter dem Bild stand: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher als ein artgerechtes Plätzchen“. Ich war verstört und gab mir die Antwort gleich selbst: Das kann doch nur Afrika oder Südamerika sein! Die Sache ließ mir keine Ruhe. Und so stöberte ich im Internet. Entlaufene – oder eher entfleuchte – Schlangen sind hierzulande keine Seltenheit. Gar nicht wenige Menschen experimentieren mit neuen Haustieren. Und sind dann ziemlich überfordert. Im Innsbrucker Tierheim gibt es dafür offenbar bereits eine Wohngemeinschaft für Nattern und Ottern. Und eine fachliche Kooperation mit Experten in München, um die Ringeltiere ja würdevoll zu behandeln. In oben genannter Zeitung werden Menschen, die um Asyl ansuchen, nicht ganz so freundlich behandelt. Obwohl sie nicht selten die gleiche Herkunft haben. Nun ja. Ich bin da hartherziger. Obwohl selbst Hundebesitzer, würde ich Schlangen beinhart abschieben. Auch aus Angst um meine Enkelkinder. Außerdem: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Jüngst las ich im Internet, dass im Alpenraum ein bisher nicht so bekanntes Reptil entdeckt wurde. Die Barrenringelnatter, immerhin auch gut ein Meter lang, ist im nationalen Sinn eine Unsrige. Und nicht einmal giftig. Also wer braucht da noch eine Python im Schlafzimmer? Wo doch eh der Wohnraum immer knapper wird. Noch dazu, wo die Barrenringelnatter von Zoologen fast ausschließlich mit liebenswerten Attributen beschrieben wird. Wie zum Beispiel: Sie beißt fast nie! Kleiner Nachteil: Bei Gefahr gibt sie ein stinkendes Sekret ab. Aber immer gut riechen, das gelingt ja nicht einmal uns Menschen. Ich werde mir Mäuse oder Ratten anschaffen. Damit im bedrohlichen Ernstfall nicht gleich auf mich losgegangen wird. Und ich mich selbst weiter elegant durchs Leben schlängeln kann.

Meinhard Eiter