Atelier Sonnberg – Zwischen Kultur und Kredit

Die Arbeit des Kollektivs ist aus dem Imster Kulturgeschehen nicht mehr wegzudenken, im Bild der Asakuk-Vereinsvorstand mit Christof Köfler, David Köfler, Frank Posch, Michael Stadlwieser und Gabriel Köfler (v.l.) RS-Fotos: Grießer

Der Erhalt des Kulturzentrums erfordert kreative Lösungen – und Kapital

Den kulturellen Auftrag erfüllen sie längst, nun müssen sich die Sonnberg-KünstlerInnen im Verhandeln profilieren. Nach 15 Jahren Kulturarbeit in den Sonnberg-Ateliers besteht im Ankauf des stadteigenen Gebäudes durch die Künstlergemeinschaft die einzige Möglichkeit des Weiterbestands. Dass die KünstlerInnen den Fortbestand nun finanziell zu garantieren haben, sollte die Diskussion über den immateriellen Wert „Kulturarbeit“ jedenfalls erst eröffnen und nicht beschließen.

Seit 2001 haben verschiedenste KünstlerInnen in der Alten Sonnbergschule Arbeits- und Schaffensräume gefunden – von Anfang an im Einvernehmen mit der Stadtgemeinde Imst und geregelt in einem Prekarium, das bis auf Widerruf die Nutzung der Räume gewährte. Die anfallenden Betriebskosten beglichen die Kunstschaffenden und das in den 50er-Jahren errichtete Gebäude stand nicht leer – eine für alle zufriedenstellende Lösung, zumindest damals. Nach der noch vereinzelten Nutzung der Anfangsjahre haben mehr und mehr Kunstschaffende den Wert der Räumlichkeiten als Atelier, Proberaum, Soundstudio und Galerie erkannt, kurzum als Veranstaltungszentrum für alle Generationen belebt. Der Verein
Asakuk (Atelier Sonnberg Autonomer Kunst- und Kulturverein) verzeichnet seit seiner Gründung im Jahre 2014 eine steigende Mitgliederzahl. Aktiv sind derzeit 26 künstlerisch Tätige in drei Stockwerken zu verzeichnen.

Kunst- und Kulturquelle. Im RUNDSCHAU-Gespräch mit dem Vereinsvorstand schöpft Musiker und Produzent Frank Posch aus dem Vollen, wenn er bisherige „hauseigene“ Projekte aufzählt: „Es entstanden in diesem Haus über die letzten 15 Jahre hunderte künstlerische Werke, welche zum Image der Stadt Imst als Kunst- und Kulturstadt beigetragen haben. Die jährliche Teilnahme an der ,Kunststraße Imst‘ seit deren Gründung, zahlreiche regionale Ausstellungen, Einladungen zu internationalen Festivals sowie der einzigartige ,Art Day‘ im Juni, daneben Musikproduktionen und verschiedene Workshops. Zudem kommen laufend Anfragen junger Bands und künstlerischer Talente um Räume. Wir haben hier ein Modellprojekt für kulturelle Arbeit und einen überregionalen Werbeträger für Imst.“

Hiobsbotschaft. So weit, so gut. Die Hiobsbotschaft ereilte die stetig wachsende KünstlerInnenschar samt kunstinteressierten WegbegleiterInnen bereits im Jänner 2014: Ein Beschluss der Stadt, das Gebäude abzureißen und das Grundstück anderen Zwecken zuzuführen. „Da es im Wesentlichen Ziel des Vereins ist, einen aktiven Kulturbetrieb in Imst voranzutreiben, aber auch in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde auf der Suche nach Alternativen keine Ausweichmöglichkeiten gefunden wurden, bleibt der Kauf und die Sanierung des Gebäudes als Produktionsstätte und Arbeitsplatz als einzig sinnvolle Lösung,“ so Obmann Michael Stadlwieser.

Letzte Chance. „Im Herbst 2016 ergriff der Verein schließlich die Initiative und fragte bei der Stadt Imst um ein Ankaufsangebot an. Diese reagierte ihrerseits mit einem Angebot, das sich aus dem ortsüblichen Grundstückspreis, dem Restwert des Gebäudes sowie der Auflage zur Sanierung innerhalb eines Jahres plus deren Finanzierung zusammensetzt. Gespräche mit den KulturreferentInnen und Bürgermeister Stefan Weirather verliefen konstruktiv. Da es österreichweit bis jetzt kein vergleichbares Projekt in dieser Form gab, wird noch einiges zu klären sein,“ gibt der Vorstand zu bedenken. „Unsere kulturellen Ambitionen wollten wir nicht nur für uns entwickeln, sondern auch im Kontext mit den Nachbarn und als Beitrag zur Regionalentwicklung,“ meint Michael Stadlwieser.

Neue zusätzliche Aufgaben. „Wir müssen jetzt Details klären und stehen noch am Anfang“, äußert die Gruppe Überlegungen, die nun mithilfe von Sachverständigen wie Architekten, Energie- und Sanierungsberatung zu einer soliden Verhandlungsbasis führen sollen. Mit Hilfe der TKI, dem Dachverband der Tiroler Kulturvereine, zahlreichen Partnervereinen, Freunden und Unterstützern, hoffen die Kunstschaffenden vom Sonnberg „eine Lösung zu finden und so wenig Zeit wie möglich zu verlieren. Es geht um unsere Arbeitsplätze und um wertvolle kulturelle Arbeit für die Region“, so Bildhauer Gabriel Köfler.

In Ruhe verhandeln. „Ein faires Angebot“, sieht Stadtrat Christoph Stillebacher vorliegen und sagt im Telefonat mit der RUNDSCHAU seine Hilfe zu: „Ich stehe gerne zur Verfügung, wenn die Künstler etwas brauchen. Das Haus ist stark renovierungsbedürftig. Jedoch können die Künstler ja viele Arbeiten selbst durchführen und sich somit Kosten sparen.“ Der Kulturreferent wünscht sich, „dass der Verein in Ruhe verhandeln könnte, da es sich doch um ein großes Projekt handle.“

Abschließend bekräftigt Mag. art. Christof Köfler indessen die Motivation aller Beteiligten: „Unser Ziel ist es, die kulturelle Arbeit fortsetzen zu können. Man bedenke, was dieses Leuchtturmprojekt allein für nachfolgende Künstlergenerationen bedeutet!“

Ein Kultur-Biotop mit einzigartigem Charakter: das Atelierhaus, aufgenommen im Sommer. RS-Fotos: Grießer

Die Arbeit des Kollektivs ist aus dem Imster Kulturgeschehen nicht mehr wegzudenken, im Bild der Asakuk-Vereinsvorstand mit Christof Köfler, David Köfler, Frank Posch, Michael Stadlwieser und Gabriel Köfler (v.l.)