Auch beim Steinheben unschlagbar

Der frischgebackene Deutsche Meister in Aktion beim Heben der ungeheuren Steinlast von 304 Kilogramm. Foto: Senn

Kraftsportmultitalent Christoph Senn kürt sich zum Deutschen Meister

Scheinbar keine Grenzen scheint es für das Aushängeschild der Imster Kraftsportszene, Christoph Senn, zu geben – nach seinen fulminanten Siegen bei den Österreichischen Bodybuilding-Meisterschaften in den letzten zwei Jahren schlug der Oberländer Paradeathlet heuer auch im Steinheben zu und räumte alles ab, was es zu gewinnen gab. Dabei beschränkte sich Senn nicht nur auf sein Heimatland, sondern mischte auch außerhalb der Landesgrenzen im Nachbarland Deutschland die dortige Szene regelrecht auf und ließ seinen Konkurrenten bei allen Wettkämpfen nicht den Hauch einer Chance.

Von Wolfgang Suitner

Waren die vergangenen beiden Jahre noch in erster Linie von einem beinharten Ernährungsplan dominiert, so stand das heurige Wettkampfjahr ganz im Zeichen des Steinhebens und dem speziell darauf abgestimmten Kraft- und Techniktraining. Ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen, entschied sich Christoph Senn kurzfristig, dem Deutschen Steinhebeverband als ordentliches Mitglied beizutreten, um sich mit den stärksten Männern aus unserem nördlichen Nachbarland messen zu können. Bei allen Wettkämpfen wusste der Strongman aus dem Tiroler Oberland voll zu überzeugen und begeisterte mit seinen Leistungen und seinem unbändigen Willen sowohl Publikum wie auch Konkurrenten.

Unglaubliche Atmosphäre.

„Alle Wettkampfstätten waren toll und hatten ihren Reiz, aber der ,Lechfeld – Cup‘ in Klosterlechfeld war schlicht und einfach der Wahnsinn“, erzählt Senn immer noch mit funkelnden Augen. Angefeuert von fast 2500 frenetischen Fans im vollbesetzten Bierzelt, die die Athleten zu wahren Höchstleistungen trieben, schaffte es der Imster, den Stein mit einem unglaublichen Gewicht von 304 Kilogramm auf 83 Zentimeter zu hieven, was den überlegenen Sieg in seiner Klasse zur Folge hatte. „Diese Stimmung ist absolut einzigartig und für jeden Teilnehmer etwas ganz besonderes, vergleichbar mit einem vollen Stadion bei einem Fußballländerspiel. Die Leute stehen auf den Bänken und schreien, der Lärmpegel und die Begeisterung sind kaum zu beschreiben“, schwärmt Senn von einem für jeden Sportler unvergesslichen Erlebnis.

Konkurrenz biss sich die Zähne aus.

Bei insgesamt vier Wettkämpfen trat Christoph Senn in der Gewichtsklasse bis 110 Kilogramm im „Schwergewicht“ an und sicherte sich in Grafing, Oberlechfeld, Waldkirchen und in Dachau souverän den Sieg. Sowohl bei der Internationalen Bayrischen als auch bei den Deutschen Meisterschaft konnte der Oberländer reüssieren und seine Gegner hinter sich lassen. Für seine spezielle Technik erntete Senn auch Lob von allen Seiten: „Während viele Athleten sich quasi ,hinaufarbeiten‘ und mit dem Stein auf den Knien rasten, ziehe ich aus den Beinen in einem Zug durch“, beschreibt Senn den Unterschied und verweist auf den Vorteil seiner Karriere als Kraftdreikämpfer, die ihm wie beim typischen Kreuzheben jetzt auch beim Steinheben zugutekommt.

„Steinheber des Jahres“.

Die vier Einzelwettkämpfe wurden in einem eigenen Wertungssystem, bei dem das Eigenwicht der Athleten sowie der zu hebende Stein als Komponenten mitberücksichtigt wurden, zusammengefasst, um einen Gesamtsieger zu küren. Der Punktebeste wird im kommenden Frühjahr im Zuge der Jahreshauptversammlung des Verbandes als „Steinheber des Jahres“ ausgezeichnet und der Titel ging – wie nicht schwer zu erraten, an Christoph Senn. „Auch wenn das Ergebnis speziell von den Bayern mit Schlucken zur Kenntnis genommen wurde, dass ihnen ein ,Ausländer‘ den Sieg wegschnappte, so haben sich sowohl das Publikum als auch die Mitstreiter als fair erwiesen und mir allesamt gratuliert“, so der Imster mit einem Augenzwinkern.

Foto mit Schwarzenegger als Anreiz.

Nach dem heurigen „Intermezzo“ im Steinheben liegt der Fokus im nächsten Jahr wieder voll auf dem Bodybuilding. „Den Körper jedes Jahr der Ernährungstortur und der zum Wettkampf hin extremen Entwässerung zu unterziehen, ist durch die entstehende Dehydrierung nicht unbedingt gesund“, verweist Senn auch auf diesen Hintergrund als Argument für das heurige Steinhebejahr. Im kommenden Jahr winkt ein ganz besonderer Anreiz – durch den letztjährigen Gesamtsieg bei den Internationalen Österreichischen Meisterschaften hat sich das Imster Kraftsporttalent einen Startplatz bei der „Arnold Classic“, einem der berühmtesten und renommiertesten Bodybuildingbewerbe weltweit, in den USA erarbeitet. „Allein die Aussicht, mit dem wohl berühmtesten Bodybuilder aller Zeiten, Arnold Schwarzenegger, von einem gemeinsamen Foto zu strahlen, ist den Aufwand und die Vorbereitung wert“, lacht Christoph Senn, der für dieses Abenteuer und den entstehenden Aufwand aber noch auf zusätzliche Sponsoren hofft, „die meine Begeisterung für diese einzigartige Herausforderung teilen“.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.