Auch ein Seefelder Lehrling in den BFA-Fängen

Abraham Okoije (l.) muss Ende Mai Österreich verlassen haben. Paul Albrecht hofft, dass sein afghanischer Lehrling bleiben kann. Fotos: Burgstaller/Schnöll

Telfer Kellnerlehrling muss Österreich verlassen, Afghane aus Seefeld wird seine Lehre ebenfalls nicht beenden dürfen

Der 20-jährige Nigerianer Abraham Okoije, der, wie bereits ausführlich berichtet, im Asylheim in Telfs untergebracht war und in Innsbruck eine Kellnerlehre begonnen hat, muss Österreich spätestens bis 31. Mai verlassen haben. Das hat das Bundesamt für Fremden- und Asylwesen (BFA) nun endgültig so entschieden. Der RUNDSCHAU wurde jetzt ein weiterer Fall bekannt, der einen 18-jährigen Afghanen betrifft. Er hat bei der „Eurospar Albrecht Lebensmittel GmbH“ in Seefeld eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann begonnen und wird Österreich wahrscheinlich ebenfalls noch vor Abschluss der Lehrlingsausbildung verlassen müssen. Geschäftsführer Paul Albrecht kann ob des herrschenden Lehrlingsmangels diese Vorgangsweise nicht nachvollziehen. 

Andrea Burgstaller aus Telfs kümmert sich seit Monaten um Abraham Okoije. Nun steht fest, dass der junge Mann  bis 31. Mai Österreich verlassen muss. „Seine Kellnerlehre in Innsbruck musste er abbrechen, er soll nach Nigeria zurückkehren. Doch in sein Heimatland will Abraham nicht mehr. Er hat Angst und es gibt dort für junge Menschen kaum Zukunftsperspektiven“, sagt Andrea. Der junge Mann war seit Dezember im Pfarrhaus in Neu-Arzl in Kirchenasyl, jetzt befindet er sich bei der Familie Burgstaller und wartet dort das „Ablaufdatum“ ab. „Abraham möchte gerne in ein sicheres Drittland, wo er eine Lehre abschließen und danach diesen Beruf ausüben kann. Wir suchen derzeit verzweifelt nach einem Staat, der ihn aufnimmt“, schildert die Telferin. Um dem jungen Nigerianer einen Neustart zu ermöglichen, hat die Familie Burgstaller ein Spendenkonto eingerichtet. Spenden können unter dem Kennwort „Hilfe für Abraham“ auf das Konto AT08  1200  0100 1506  8736 einbezahlt werden. „Das Geld wird ausschließlich für Abrahams Zukunft verwendet“, verspricht Andrea Burgstaller, die es immer noch nicht verstehen kann, dass ihr „Schützling“ die Kellnerlehre nicht beenden durfte. „Abraham ist zuverlässig, er spricht gut Deutsch und er intergriert sich. Immer wieder fragen wir uns, warum dieser fleißige Mensch bei uns hier nicht wenigstens seine Lehre beenden durfte!“

UMDENKEN. Diese Frage beschäftigt auch Paul Albrecht, den Geschäftsführer der „Eurospar Albrecht Lebensmittel GmbH“ in Seefeld. Dort hat im Mai 2018 ein damals 17-jähriger Asylwerber aus Afghanistan eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann begonnen. Derzeit sieht aber alles danach aus, dass auch dieser junge Mann Österreich schon bald verlassen muss. „Ich bin sicher nicht derjenige, der wegen dem Zuzug an Flüchtlingen hurra schreit. Aber was da passiert, ist für mich ein Wahnsinn. Seit einem halben Jahr interveniere ich beim AMS um einen Lehrling und anderes Personal, nichts tut sich. Dass der fleißige und um Integration bemühte junge Bursche, der übrigens sehr gut Deutsch spricht, vor Abschluss der Lehre Österreich verlassen soll, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Er hat eine kleine Wohnung, die er selbst finanziert und er liegt auch sonst niemandem auf der Tasche“, schildert Albrecht. Seiner Ansicht nach sollten Asylwerber, die eine Lehre begonnen haben, diese auch abschließen und danach mindestens zwei Jahre Praxis anhängen können. „Meine Mitarbeiter und ich hoffen, dass der junge Mann doch noch ein Bleiberecht erhält. Es täte mir sehr leid, wenn der Lehrling uns verlassen müsste. In  dieser Causa muss unbedingt ein Umdenken erfolgen, die Wirtschaft braucht solche Leute“, so der Eurospar-Geschäftsführer. Paul Albrecht hält auch ausdrücklich fest, dass bei der „Eurospar Albrecht Lebensmittel GmbH“ auch eine Jugendliche aus Afghanistan in einem Lehrverhältnis steht und dass auch diese Asylwerberin zur vollsten Zufriedenheit ihre Lehrlingsausbildung absolviert. „In Seefeld gibt es auch etliche Gastrobetriebe, die keine Lehrlinge und sonstiges Personal finden. Wenn auf Selbstbedienung umgestellt werden muss, fehlen im System nicht nur die Sozialabgaben, das schadet auch dem Tourismus!“