Auf Augenhöhe

Prim. Martin Kurz, Genesungsbegleiterin Manuela Pfeifer und Sozialarbeiterin Magdalena Grill (v.l.) RS-Foto: Haueis

Trialog“ für Menschen mit psychischen Belastungen und Angehörige im Krankenhaus St. Vinzenz

 

Das Krankenhaus St. Vinzenz bietet mit „Trialog“ allen Menschen ein neues Angebot, die von psychischen Belastungen und Erkrankungen direkt oder indirekt betroffen sind, auch -Professionisten sind dabei.

 

Von Daniel Haueis

 

Der „Trialog“ ist ein Gespräch dreier Betroffenengruppen: Menschen mit psychischen Belastungen und Erkrankungen, deren Angehörige und auch Professionisten nehmen teil – und zwar auf Augenhöhe. Ein Moderator achtet auf ein positives Gesprächsklima, die übrigen Teilnehmer berichten in vertraulichem Rahmen über ihre eigenen Erfahrungen, ohne Werturteile über andere abzugeben, aber mit dem Recht, seine eigene Meinung kund tun und auch haben zu dürfen. „Früher war die subjektive Situation sekundär“, erinnert Psychiatrie-Prim. Dr. Martin Kurz an Zeiten, als seine Disziplin noch einen ganz anderen Zugang zum Patienten hatte. Kurz selbst hat eine zeitgemäße Vorstellung von Psychiatrie und deren Aufgabe – daher auch der „Trialog“: „Möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven sollen kommen. Dahinter ist nicht so sehr eine therapeutische Absicht – die Menschen sollen sehen, dass sie einen Platz in der Welt haben.“

 

EINMAL MONATLICH. Der „Trialog“ findet jeden zweiten Mittwoch im Monat von 16.30 bis 18.30 Uhr in der Psychiatrischen Ambulanz des Krankenhauses in Zams statt, (Kaffee-)Pause inklusive. Ex-In-Genesungsbegleiterin Manuela Pfeifer erwartet sich deutliche Vorteile für Teilnehmer: „Angehörige bekommen einen anderen Blick, wenn sie es von anderen Angehörigen hören“, weiß sie aus Erfahrung. Am Ende des „Trialogs“ wird das Thema des nächsten „Trialogs“ vereinbart – es kann etwa über Angst, Stigmatisierung, Verzeihen, Scham, Isolierung u.ä. gesprochen werden; alle Bereiche, die im Zusammenhang mit psychischen Belastungen für Betroffene, Angehörige und Professionisten relevant sind. Gestartet wird am 11. Juli (Thema: „Es ist Zeit! Gemeinsam und offen über Erfahrungen mit psychischen Belastungen und Erkrankungen sprechen), eine Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme ist kostenlos. Das Angebot richtet sich an alle Menschen in den Bezirken Landeck, Imst und Reutte. Bei Fragen kann man sich an Magdalena Grill, Sozialarbeiterin der Psychiatrischen Ambulanz und Tagesklinik, wenden: 0664600855938 oder trialog@krankenhaus-zams.at.

 

 

Mehr als 1000 Patienten

(dgh) Das Krankenhaus St. Vinzenz in Zams bietet derzeit eine Psychiatrische Ambulanz und Tagesklinik, stationäre Betten können angeboten werden, wenn der Erweiterungsbau fertiggestellt ist. Aber auch das jetzt bestehende Angebot war eine Novität im Oberland, als im vergangenen Jahr die Pforten geöffnet wurden. Mehr als 1000 Oberländer haben seither den Weg zu Prim. Martin Kurz und seinem multiprofessionellen Team gefunden, wöchentlich kommt rund ein Dutzend dazu, das sich Hilfe in „St. Vinzenz“ holt. Einen zweiten Psychiater gibt es derzeit noch nicht, bis Jahresende könnte es aber soweit sein – dann können in „Zams“ auch Fachärzte ausgebildet werden. „Es gibt Ausbildungsinteressenten“, weiß Prim. Kurz.