Aufregung wegen Wohnanlage in Kühtai

Das beschauliche Kühtai: Zwei Deutsche wollen in dem Bergdorf nun eine Wohnanlage errichten, was in der Wirtschaftskammer Tiroi und bei der „Liste Fritz“ für Ärger sorgt. Foto: Innsbruck Tourismus

Zwei Deutsche wollen in Kühtai in Wohnungsprojekt investieren und danach die Wohnungen an Anleger verkaufen

Legale Investorenmodelle sind nicht von vornherein abzulehnen, wenn zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen werden, die Region davon profitiert und die Wertschöpfung steigt. Ein Projekt, das zwei deutsche Investoren in Kühtai planen, sorgt bei  „Sparte Tourismus“-Obmann Josef Hackl für Unmut. Die Wohnanlage wird aber auch von der „Liste Fritz“ abgelehnt. Man befürchtet zusätzliche illegale Freizeitwohnsitze. 

Die zwei deutschen Investoren wollen in Kühtai eine Wohnanlage errichten, nach Fertigstellung sollen die Wohnungen an Anleger verkauft und in weiterer Folge an Urlauber vermietet werden. Dass lediglich vier Mitarbeiter nötig sein sollen, um dieses Haus zu betreiben, sorgt in der „Sparte Tourismus“ der Tiroler Wirtschaftskammer für Verwunderung. Spartenobmann Josef Hackl äußert seinen Unmut zu dem Modell in Kühtai so: „Dieses Projekt generiert weder Wertschöpfung für Tirol noch hat es das Mindestmaß an Qualitätsanspruch. Das traue ich mich zu behaupten, obwohl ich weder das Modell noch den Betreiber näher kenne!“ Weder eine Rezeption noch eine Reinigung, geschweige denn ein Service sei mit vier Mitarbeitern für insgesamt 158 Betten zu realisieren. „Wenn man Freizeitwohnsitze bauen will, soll man das offen kommunizieren und die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen dementsprechend einhalten – so wie alle gewerblichen Betriebe dies tun müssen“, fordert Hackl und er appelliert an die Öffentlichkeit: „Wir müssen drauf schauen, was in unserem Land tatsächlich passiert. Grundsätzlich sind legale Investorenmodelle nicht von vornherein abzulehnen, aber ein ‚Hotel‘ mit so wenig Mitarbeitern führen zu wollen ist unrealistisch und schwachsinnig. Sowohl die Betreiber als auch die Behörden müssen die Ausrichtung dieses Projektes fundiert prüfen.“

„PROJEKT BRINGT KEINEN NUTZEN FÜR TIROL!“ Auch bei der „Liste Fritz“ sieht man in dem Projekt keine Vorteile. „Und wieder ein Investorenprojekt:  Diesmal in Kühtai, diesmal mit 31 Appartements. Für die 158 Gästebetten braucht es gerade einmal vier Mitarbeiter. Kein Hotelservice und keine Gastronomie, stattdessen werden Suppen und Sandwiches aufgetischt. So viel zur Qualität Tirol! Zusätzliche illegale Freizeitwohnsitze sind zu befürchten. Betreiber, Investoren und Geldanleger mögen profitieren, die Gemeinde, die Einheimischen und die anderen Tourismusbetriebe sicher nicht. Solche Investorenmodelle nehmen Grund und Boden in Anspruch, bringen aber keinen Nutzen für Tirol. Im Gegenteil, sie befeuern den Ausverkauf des Landes“, hält LA Markus Sint in einer Aussendung fest.  

SCHWEIZER TOURISTIKER WARNTEN. Kühtai gemeindepolitisch zu Silz. Bürgermeister Helmut Dablander erklärt gegenüber der RUNDSCHAU, dass für die Wohnanlage viele Jahre vor seinem Amtsantritt ein gültiger Baubescheid ausgestellt worden ist. Derzeit läuft ein Verfahren, weil ein Anrainer die vorgesehene Zufahrt zu dem Grundstück beeinsprucht hat. Erfreut ist Dablander über die Situation nicht. „Wenn die Wohnungen verkauft sind, werden die Eigentümer die Räumlichkeiten wohl selbst reinigen. Es werden mit dem Projekt kaum Arbeitsplätze geschaffen, was unserer Gemeinde natürlich auch keine Kommunaleinnahmen bringt!“ „Bergbahnen Kühtai“-Geschäftsführer Philip
Haslwanter erklärt, dass man prinzipiell für Gewerbebetriebe und Hotelanlagen sei. „Aber nicht für so genannte kalte Betten, wie es bei der Wohnanlage der Fall ist. Es nützt niemand, wenn die Infrastruktur im Jahr zehn Tage genutzt wird und 355 Tage nicht. Schweizer Touristiker haben uns bereits vor vielen Jahren vor solchen Investorenmodellen gewarnt!“ Beim „Innsbruck Tourismus“, zu dem Kühtai touristisch gehört, gab man auf Anfrage keine Stellungsnahme ab.