Aus für Führerschein auf Türkisch

Bald kann man den Führerschein in Österreich nur noch in den Sprachen Deutsch, Englisch, Slowenisch und Kroatisch ablegen. Foto: pixabay.com

Ab 2019: Abschaffung der Führerscheinprüfung auf Türkisch geplant

Norbert Hofer, FPÖ-Politiker und Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie, gab vor kurzem die Einstellung der Führerschein-Prüfung auf Türkisch bekannt. Hauptargumente für die Bundesregierung liegen dabei in der Einsparung von Kosten und der besseren Integration. Das sorgt für reichlich Kritik, aber auch einiges Lob. Englisch, Slowenisch und Kroatisch, welche aufgrund des Staatsvertrages vorgeschrieben sind, werden weiterhin angeboten. Die RUNDSCHAU hat mit Gerald Huber, Fahrschulen-Inhaber in Imst, über Sinn und Nutzen dieser Abschaffung gesprochen.

Von Barbara Heiss

Nachdem die theoretische Führerscheinprüfung auf dem Computer 1998 eingeführt wurde, war es für Menschen mit einer anderen Muttersprache als Deutsch möglich, die Führerscheinprüfung in vier weiteren Sprachen abzulegen. Damit soll nun Schluss sein. Die schwarz-blaue Bundesregierung mit Verkehrsminister Hofer möchte die türkische Sprache in Österreichs Fahrschulen nun nicht mehr anbieten lassen. Neben den Amtssprachen Deutsch, Kroatisch und Slowenisch soll in Zukunft nur noch eine Fremdsprache, Englisch, bei der Prüfung zugelassen sein – die türkische Sprache fällt also weg. Und das obwohl Türkisch derzeit die zweithäufigste Sprache ist, für die sich Fahrschüler bei der Theorieprüfung entscheiden. Befürworter sehen darin einen Schritt in Richtung mehr Integration bei den türkisch-stämmigen Österreichern. Kritiker hingegen erkennen kaum einen Sinn, da die Abschaffung der türkischen Sprache die Verkehrssicherheit, um die es beim Erlangen des Führerscheins hauptsächlich gehen sollte, nicht verbessert. Auch an der Höhe der Kosteneinsparungen zweifeln viele. In anderen Ländern dieser Welt ist es durchaus üblich, Führerscheinprüfungen in vielen verschiedenen Sprachen anzubieten. In Deutschland beispielsweise gibt es zwölf zur Auswahl, in den USA in manchen Bundesstaaten sogar noch mehr.

Geringer Anteil.

Rund 300000 Führerscheinprüfungen wurden im Jahr 2017 an Österreichs Fahrschulen abgelegt. Obwohl es sich bei Türkisch um die zweithäufigste Sprache bei den theoretischen Prüfungen handelt, ist der Anteil trotzdem eher gering. Ungefähr 3500 Schüler entschieden sich im vergangenen Jahr für eine türkische Prüfung. Imster Fahrschulinhaber Gerald Huber erklärt: „Bei uns in der Fahrschule beträgt der Anteil an Prüflingen mit türkischen Wurzeln rund zehn bis elf Prozent. Weniger als die Hälfte davon legt die Prüfung nur auf Türkisch ab. Die meisten jungen Menschen in Imst beherrschen die deutsche Sprache so gut, dass sie das türkische Sprachenangebot nicht nutzen müssen. Schwieriger wird es bei älteren türkischen Frauen, die den Führerschein nachholen möchten. Hier ist der Anteil jener, die die Prüfung auf Türkisch ablegen, höher.“

Unterschiede.

Ein klarer Unterschied sollte hier zwischen theoretischer und praktischer Prüfung gemacht werden. Dieser Meinung ist auch Gerald Huber: „Für mich gibt es hier zwei Aspekte, denen man Beachtung schenken muss. Zum einen die Integration. Hier kann sich das Wegfallen der türkischen Sprache sicherlich positiv auf das deutsche Sprachverständnis der hier lebenden Türken auswirken. Der Führerschein ist für fast alle Menschen ein großer Sprung in die Selbstständigkeit. Der Ansporn und das Interesse, Deutsch zu lernen, könnte dadurch gehoben werden, was mit Sicherheit positiv zu bewerten ist.“ Andererseits sieht auch er, wie viele andere Kritiker, keine wesentlichen Vorteile in puncto Verkehrssicherheit. „Beim Ablegen einer theoretischen Führerscheinprüfung sollte es ja im Prinzip darum gehen, den Prüfling auf seine Verkehrssicherheit hin zu testen. Ob dieser die Fragen auf Türkisch oder Deutsch beantwortet, ist dabei meiner Meinung nach nicht relevant, solange er den Sinn und das Konzept hinter der Frage verstanden hat.“ Anders sieht es seiner Meinung nach bei den praktischen Prüfungen aus: „Im echten Verkehr, sei es bei den Fahrstunden mit Fahrlehrer oder später dann alleine, kann das Nicht-Beherrschen der deutschen Sprache zur Gefahr werden. Es ist sehr schwierig, jemandem Gefahrensituationen zu erklären, wenn dieser der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Unsere Fahrlehrer kennen zwar die wichtigsten Begriffe für eine Fahrstunde auf Türkisch, der Ausbildungsqualität kann dies aber natürlich trotzdem schaden und die Prüflinge fallen eher durch die Praxis. Zudem sind im Straßenverkehr oft gerade bei Baustellen die Zusatztafeln nur auf Deutsch.“ Am Ende müssen sich aber sowohl Fahrschulen als auch die zukünftigen Anwärter auf den österreichischen Führerschein neuen gesetzlichen Vorgaben fügen.

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