Außerferner auf der Kunststraße

Fünf Künstler vertreten das Außerfern ganz prima bei der Kunststrasse in Imst, die noch bis zum 16. Dezember läuft. Unser Bild zur Eröffnung zeigt von links: Wolfgang Rieder, Helga Eiter aus Karrösten (die sich mit drei Reuttenern den Raum im Stadtsaal teilt), Sylvia Muth, Christine Schneider, Daniela Enedi Pahle, deren Partner Markus Meyer aus Ravensburg sowie Hannes Biber (v.l.). RS-Fotos: Gerrmann

Ein Quintett vertritt den Bezirk Reutte bei der renommierten Veranstaltung in Imst

Im wahrsten Sinne des Wortes: Das Außerfern kann sich sehen lassen. Das stellen fünf Künstler aus dem Bezirk Reutte zurzeit bei der Kunststraße in Imst eindrucksvoll unter Beweis.

Von Jürgen Gerrmann

Und ihnen wurden vom Organisationsteam der Kunststraße auch zwei exzellente „Locations“(wie man auf Neudeutsch sagt) zugeteilt: Man findet sie zum einen im Stadtsaal im Untergeschoss des Rathauses und zum anderen im Kunstkonsum in der Pfarrgasse 20, wo man so viele Künstler wie nirgendwo anders bewundern kann. Beides ist wohl ein Zeichen der großen Wertschätzung, die man in Imst den Künstlern von jenseits des Fernpasses entgegenbringt.
Fangen wir mit unserem Kunstspaziergang im Stadtsaal an. Dort kann man unter anderem Gemälde von Hannes Biber bewundern. „Ich bin sehr viel in der Natur unterwegs“, sagt der. Und das spiegelt sich auch in seinen Werken wider: „Ich beobachte viel und versuche, meine Eindrücke dann zuhause zu realisieren und die Schönheit der Natur und das Licht in meinen Bildern einzufangen.
In seinem Skizzenbuch hält er seine Eindrücke fest und setzt diese Impressionen dann mit Farbe und Pinsel um. Da nimmt er den Betrachter mit hinein in den Sonnenuntergang am Weißensee, in den Spaziergang an einem Bergstock zwischen Vils und Musau oder entlang des Birkenwäldchens bei Pfronten, in die Romantik der Huanza bei Bschlabs oder in das Glitzern der winterlichen Szenerie am Alatsee.

Das Licht kehrt zurück.

Was einen beim Betrachten seiner Kunststrasse-Bilder besonders freut: Fünf Jahre war Hannes Biber in schwerster Trauer verhaftet, das Dunkel hatte ihn gefangen, nachdem seine Tochter Opfer eines Verbrechens wurde. Seine jüngsten Bilder aber sind faszinierend hell, das Licht kehrt zurück. Und genau das ist „Traum und Ziel für die ganze Familie“, wie der Reuttener sagt. Seine aktuellen Gemälde lassen spüren, dass er auf einem Weg ist, den die Hoffnung prägt. Und das ist eine wundervolle Botschaft.

Inspiration Lech.

Auch Wolfgang Rieder aus Reutte ist fasziniert von den Bergen. Seine Inspiration ist der Naturpark Tiroler Lech. Aber seine Leidenschaft für diesen Fluss hört nicht an den formalen Grenzen dieses Schutzgebiets auf, seine Vision ist, ihn vom Formarinsee über Augsburg bis hin zur Mündung in die Donau quasi künstlerisch zu begleiten.
Und er bezieht auch das ganze Umfeld mit ein. Die Highline 179 nimmt er dabei ebenso zum Motiv wie den Seebensee oder die Zugspitze. Auch die Seitentäler des Lechs haben es ihm angetan: „Jedes hat seine Eigenheit.“ Und die fängt der dann auf seinen Gemälden mit hohem Wiedererkennungswert ein. Landschaftsmalerei mit modernem Charakter präsentiert er also in Imst.

Grenzen und Freiheit.
Christine Schneider ist eine Künstlerin der Außerferner Gruppe, die zur Zeit die Imster Kunststraße bevölkert.

Dass ein Bild mehr ist als das, was vor Augen ist, lässt Christine Schneider aus Reutte auf der Kunststraße mehr als nur erahnen. Denn das, was man sieht, ist ja oft nur eine Initialzündung, weckt Gefühle, Gedanken, Assoziationen. Vielleicht wirken daher ihre vier großformatigen und großartigen Schwarz-Weiß-Berg-Zeichnungen, die sie mit Permanentstift auf Karton gebracht hat, so intensiv. Sie regen den Betrachter dazu an, sie mit eigenen Bildern, eigenen Farben, eigenen Erinnerungen, eigenen Emotionen zu füllen, zu komplettieren.
Und sie regen auch zum Nach-denken an. Die 18. Kunststraße steht unter dem Motto „ZWISCHENRÄUME/ Nirgendwo ist NICHTS“. Just diese Zwischenräume leben ja von Grenzen, denn ohne die würden sie ja gar nicht existieren. Daher sind die Begriffe „Freiheit“ und „Ausgrenzung“ auch prägend für die Gemälde, die Christine Schneider in Imst zeigt. Ihre Frage: „Können wir Freiheit nur in Zwischenräumen verwirklichen?“

Schwarz und weiss.

Szenewechsel in den Kunstkonsum: Sylvia Muth aus Lermoos setzt dort das Thema „ZWISCHENWÄUME“ in einer Druckgrafik mit Aquatinta um, die sie mit einer Holzskulptur kombiniert; deren würfelförmigen Kopf (der auf einer weißen, geölten Stele steht) hat sie mit Feuer geflammt und mit Wachs eingelassen. Darin hat sie Spalten geschnitzt, die Zwischenräume entstehen ließen.
Und das wirkt wie ein stiller Protest gegen das Schwarz-Weiß-Denken, das unsere Zeit in den Klauen hält. Sylvia Muth macht bewusst, dass die Zwischenräume genauso das Bild (der Welt) prägen wie das Schwarz oder das Weiß, die um den Sieg ringen. In der Gesellschaft. Aber auch in jedem einzelnen Menschen. Es gibt eben nicht nur das „Entweder – Oder“. Sondern auch das „Und“. Das Brücken schlagen und Zwischenräume verbinden kann.

Befreiungstanz.

Daniela Enedi Pahle teilt sich ihren Stand an der Kunststraße mit ihrem Freund Markus Meyer aus dem oberschwäbischen Ravensburg. Die beide beeindrucken dabei durch Teamwork: Er zeigt eine große Draht-Installation unter dem Motto „Der Kern der Sache“, setzt sich dabei mit Innerem und Äußerem auseinander: „Der Kern ist die Energie. Und alles ist verstärkt durch den Schattenwurf“, sagt die Reuttenerin.
Sie selbst führt mit einem Gemälde (Acryl auf Leinwand) einen Dialog mit einer seiner Metallskulpturen. Und sie lebte am Samstag auch ihre große Begabung im Bodypainting aus, bemalte ihr aus München angereistes Modell mit einem „Zwischenraum“-Motiv, das auch zu Meyers Metall-Kunstwerk passte, mit dem es dann spielte, tanzte und mit ihm verschmolz. Und Daniela Enedi Pahle gab der Performance den Titel „Befreiungstanz“.

Info.

Die Werke der Außerferner Künstler kann man noch an den beiden nächsten Adventwochenenden in Imst bewundern – immer samstags und sonntags wird dort von 14 bis 19 Uhr die Stadt zur Galerie. Die letzte Chance dazu besteht am 16. Dezember.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.