Bedarf steigt

Bgm. Roland Wechner (Flirsch), BH Markus Maaß, Kathrin Eberle (Vorstand Sozialabteilung des Landes), Bgm. Peter Moritz (Kaunerberg), LR Bernhard Tilg, Bgm. Thomas Lutz (Grins) und Bgm. Paul Greiter (Serfaus; v. l.) RS-Foto: Haueis

Gut 100 zusätzliche Betreuungsplätze vorgesehen

 

Mehr als 100 zusätzliche Plätze in der Langzeit-, Kurzzeit-, Übergangs- oder Schwerpunktpflege, aber auch in den -Bereichen Betreutes Wohnen oder Tagespflege sollen im Bezirk Landeck in den nächsten vier Jahren entstehen. Die Leistungen der -Sozialsprengel werden ebenfalls zunehmen.

 

Von Daniel Haueis und Herbert Tiefenbacher

 

Der „Strukturplan Pflege 2012–2022“ des Landes hat die bedarfsgerechte Versorgung pflegebedürftiger Menschen im Auge. Heuer wurde Zwischenbilanz gezogen, um die weiteren Maßnahmen auf die sich ändernden Bedingungen abstimmen und auch für deren Finanzierung sorgen zu können. „Der Bezirk Landeck ist auf einem sehr guten Weg“, konnte Pflege-LR Bernhard Tilg seinem Heimatbezirk allgemein Rosen streuen. Der nunmehr gegebene Ausbaubedarf sieht für den Bezirk so aus: zu den 370 Langzeitpflegebetten in Heimen sollen 24 hinzukommen (exklusive Ausbau des Heims Santa Katharina in Ried, die jeweils 30 zusätzlichen Betten in den Heimen in Zams und in Flirsch und die fünf zusätzlichen in Grins). Die vier Kurzzeitpflegebetten sollen bis 2022 verdreifacht werden, also: acht zusätzliche. Übergangspflege (von 0 auf 20) und Schwerpunktpflege (von 0 auf 14) werden in Zams eingerichtet. Nun zu den Plätzen außerhalb von Altersheimen: Die 23 Tagespflegeplätze im Bezirk werden um 20 erweitert, Betreutes Wohnen soll um 16 Möglichkeiten aufgestockt werden (derzeit 44). Und gemäß dem „Strukturplan“-Motto „mobil vor stationär“ werden die Mobilen Dienste 1892 Leistungsstunden pro Jahr gesteigert – derzeit sind es gut 84000, die die Sozial- und Gesundheitssprengel leisten. In diesem Bereich habe der Bezirk bereits sehr gut gearbeitet, deshalb ist die erwartete Steigerung auch nicht mehr so hoch.

 

BERATUNGEN FOLGEN. Diese Zahlen werden nun von den Bürgermeistern beraten, um sie dann wieder in den tirolweiten „Strukturplan“ einfließen lassen zu können, woraufhin für die Finanzierung der festgelegten Maßnahmen gesorgt wird. Diskutiert wird wohl über die 24 zusätzlichen „Heimbetten“. Das Altersheim Landeck soll erweitert werden, und in Fließ könnte ein eigenes Heim entstehen, wofür Bgm. Hans-Peter Bock den Baugrund bereits vor Jahren gekauft hat. Die 24 zusätzlich angedachten Betten werden zur Befriedigung aller Wünsche aber nicht genügen. LR Bernhard Tilg meint diesbezüglich: „Der Strukturplan gilt bis 2022. Natürlich gibt es auch ein Jahr 2023 …“ Auch die 20 Tagespflegeplätze sind im Bezirk „aufzuteilen“ – Landeck hätte Bedarf, die Tagespflege wird aber auch in anderen Teilen des Bezirkes als wichtig erachtet.

 

AUSBILDUNG. Mit Heimplätzen u.ä. ist es aber natürlich nicht getan: „Es ist ausreichend und motiviertes Personal nötig“, so LR Tilg. Das Land hat daher ein Maßnahmenpaket beschlossen, das von der Entlohnung über mehr berufsbegleitende Ausbildungsmöglichkeiten bis zu einer Art Imagekampagne für die Pflege reicht. Die Schülerzahlen an den „Krankenpflegeschulen“ in ganz Tirol seien in den letzten drei Jahren rückläufig gewesen, muss Tilg feststellen. Er appelliert (auch an Eltern), das St. Vinzenz Bildungszentrum in Zams als Ausbildungsmöglichkeit (für die Kinder) in Betracht zu ziehen. Mit Stichtag 1. Jänner 2018 sind an der Oberländer Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Zams 64 Personen in der Diplomausbildung, 14 Personen werden zur Pflegeassistenz, weitere 12 zur Pflegefachassistenz ausgebildet. „Wir arbeiten bereits an der Umsetzung eines tirolweit einheitlichen Gehaltssystems für die Pflegekräfte, das im Jahr 2020 in Kraft treten soll“, sagt LR Tilg. So werden im neuen System die Pflegekräfte in den Betreuungseinrichtungen, Pflegeheimen und Sprengeln jenen in den Krankenhäusern finanziell gleich gestellt. Auch ein einheitliches Tarifsystem für die Heime wird derzeit getestet.

 

Bgm. Hanspeter Bock ist zuversichtlich, dass Fließ das nächste Mal bei der Zuteilung der Pflegeheimplätze zum Zug kommt. RS-Foto: Tiefenbacher

Bgm. Bock nimmt zu Evaluierungs-Ergebnissen Stellung

 

Jetzt liegen die Ergebnisse der Evaluierung des Strukturplans Pflege 2012 – 2022 auf dem Tisch. Darauf hat der Fließer Bürgermeister Hanspeter Bock mit Spannung gewartet, will er doch ein Pflegeheim bauen. Deshalb interessierte ihn besonders, ob und um wieviel Pflegeheimplätze („Heimbetten“) das Bezirkskontingent aufgestockt wurde. Bis 2022 werden zusätzliche 24 „Heimbetten“ frei gegeben. Neben Fließ meldete auch Landeck Bedarf an. Die Stadt Landeck will ihr Altersheim um 20 Betten erweitern, was aus Sicht von Bgm. Bock „Sinn macht“. Der verbleibende Rest des Bezirkskontingents würde für ein weiteres Heim dann nicht reichen. Das heißt, Fließ muss warten. Bgm. Bock nimmt’s realistisch: „Es ist nicht so, dass 2022 fertig ist.“ 2023 tritt ein neuer Strukturplan Pflege in Kraft. Die Planungsphase dafür wird 2021 beginnen. In dieser erfolgt die Planung, die fortgeschrieben und an die aktuellen Erkenntnisse angepasst (auch die Bezirkskontingente) wird.

 

ZUKÜNFTIGER BEDARF. „Man muss realistisch sein. Es wird künftig mehr zu pflegende Menschen geben“, erklärte der Fließer Bürgermeister. Wohin der Trend gehen werde, zum Pflegeheim oder zur 24-Stundenbetreuung, das ließe sich derzeit schwer sagen. Eine entscheidende Rolle spiele hier die Förderpolitik des Bundes und des Landes. „Die pflegenden Anghörigen werden sich begreiflicherweise für die für sie günstigere Variante der Pflege entscheiden“, so Bock. Er geht davon aus, dass es im Bezirk Landeck Bedarf für zwei bis drei neuen Pflegeheime geben werde und dass Fließ bei der Zuteilung der Pflegeheimplätze (was die Voraussetzung dafür ist, ein Pflegeheim bauen zu können), zum Zug komme. Bock rechnet, dass bis zur Fertigstellung des Heimes 35 bis 40 Gemeindebürger in einer Pflegeeinrichtung sein werden. Das Fließer Heim soll 50 bis 60 Betten haben. „Das wäre eine ideale Größe“, erklärte Bgm. Hanspeter Bock.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.