Beeindruckende Fortschritte bei der Rettung der Vilser Hammerschmiede

Ein verkanntes historisches Ensemble in Vils erwacht zu neuem Leben: Die Ruine Vilsegg, die 500 Jahre alte Hammerschmiede und die Sankt-Anna-Kirche. RS-Foto: Zeller

Der „Tag des Rades“ ermöglichte Einblicke in die Restaurationsarbeiten und begeisterte mit Spaß, Geschichte und Kultur

Seit 1960 war die Sankt-Anna-Schmiede in Vils dem Zahn der Zeit ausgesetzt – Holzdach, Dachstuhl und alte Antriebsmechanismen vermorschten, die Esse brach fast ein, die Decke wurde marode und die alte Schmiede zum Abstellplatz. Lutz Norrmann vom Kulturverein VilsArt widmet sich seit einigen Monaten der Rettung der Hammerschmiede. Erste Ergebnisse und historische Relikte konnten am Samstag beim „Tag des Rades“ bestaunt werden.

Von Jenni Zeller

Zu Beginn des Großprojekts „Hammerschmiede“ machte Philipp Trenkle, eine Allgäuer Schmied-Koryphäe, eine ganze 74 Seiten lange Bestandsaufnahme mit Restaurationsvorschlägen. Seit Anfang der Arbeiten im Mai haben Norrmann und sein Team bereits Großartiges geleistet: Ein neues Holzschindeldach ziert nun die Schmiede, das Untergeschoss wurde entrümpelt, die abgesackte Esse wurde stabil gestützt und das einst nur stellenweise begehbare Obergeschoss ist als Ausstellungsraum und mit Sitzbänken für Filmvorführungen kaum wiederzuerkennen. „Wir sind total stolz auf das, was wir schon erreicht haben. Als nächstes dann wird die Fassade renoviert. Auch Wasserräder, Antriebswelle, Hämmer und die großen Blasebälge müssen noch repariert werden. Es gibt noch viel zu tun!“, erklärte Norrmann. Das Endziel ist, die Schmiede wieder voll funktionstüchtig und als historische Kultureinrichtung nutzbar zu machen.

Das Feuer der Schmiede – Ein Feuer der Leidenschaft.

„Es ist ein unfassbares Gefühl, wenn eine stille, uralte Schmiede zum ersten Mal wieder ächzt, die Wasserräder sich drehen und die Esse feurig aufatmet“, schilderte Trenkle begeistert.

Geschichtsträchtig.
Das einst marode Obergeschoss beherbergt nun eine Ausstellung über Waffen und Werkzeuge, die Geschichte der Hammerschmiede und die Kriegszeit. RS-Foto: Zeller

Die Sankt-Anna-Schmiede stammt schätzungsweise aus dem frühen 17. Jahrhundert und beherbergt Raritäten wie alte, durch Wasserkraft angetriebene Maschinen, eine Eichenholz-Antriebswelle, drei gigantische Hämmer zur Metallbearbeitung, ein riesiges Rauchgewölbe und zwei mannsgroße Blasebälge – einer davon mit eindrucksvoller Drachenkopfverzierung. Die Waffen- und Werkzeugschmiede stand im Dienst der Ritter zu Hohenegg und wurde auch öfters von den bayerischen Königsfamilien besucht. Während der Weltkriege verlor sie jedoch an Bedeutung und wurde zuletzt 1947 saniert. Engelbert Hartmann, einer der letzten ihrer Schmiede, diente im Krieg und ließ einige seiner Habseligkeiten in der Schmiede zurück.

Historischer Bogen.

Diesen zeitlichen Bogen vom Mittelalter bis zur Neuzeit spannt die Ausstellung in der Hammerschmiede, die von der Holzkohlegewinnung zum Schwertschmieden bis hin zu den Weltkriegen in Tirol handelt, und am Samstag mit dem „Tag des Rades“ eröffnet wurde.

Spannend.

Zahlreiche Besucher bewunderten nicht nur die turbulente Geschichte der Schmiede, sondern begutachteten auch die Rennrad-Ausstellung von „mountain-rider“ und genossen bei Grillgut das Sommerwetter.
Spannender Höhepunkt für Jung wie Alt war das „Entenradrennen“, bei dem 80 gelbe Gummienten durch den Gießbach und die alten Wasserräder um die Wette schwammen. Leidenschaft und Wert liegen eben nicht nur im Großen; sondern auch in Entchen oder einer unscheinbaren Schmiede voller Wunder.

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