„Beim Grünland ist es ziemlich schlimm“

Bereits Anfang August haben sich LK-Präsident Josef Hechenberger und Bauernbunddirektor Peter Raggl ein Bild von den extremen Trockenschäden in Nauders gemacht. Auf der zweimähdigen Wiese ist kein zweiter Aufwuchs vorhanden, die Grasnarbe ist komplett verbrannt. Foto: LK Tirol

Trockenheit hat großteils massive Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Bezirk Landeck

 

Die Niederschläge im Bezirk Landeck erreichten im Frühjahr meist nicht einmal die Hälfte der üblichen Werte. Daher sind die Heustadel nun auch meist nur halb gefüllt. Getreide- und Erdäpfelernte dürften ebenfalls unterdurchschnittlich ausfallen, lediglich die Obsternte ist gut.

 

Von Daniel Haueis

 

Die österreichische Hagelversicherung zog bereits am 2. Juli Bilanz des Frühjahrs, und zwar eine traurige: „Wärmstes Quartal der Messgeschichte mit Überschwemmungen, Hagel und Trockenheit“. Die Monate April bis Juni seien die wärmsten seit Beginn der Messgeschichte Österreichs gewesen. Die Trockenheit mit einem Niederschlagsdefizit von bis zu 80 Prozent war insbesondere im Norden Österreichs Thema, leider auch im Oberland: „Vor allem der Bezirk Landeck, aber auch Teile Imsts und Innsbruck-Lands waren betroffen“, weiß Ing. Mag. (FH) Peter Frank von der Bezirkslandwirtschaftskammer. Laut Grafik der Hagelversicherung waren westlich von Innsbruck (mit Ausnahme des Außerferns) fast durchgehend Niederschlagsdefizite von 50 bis 70 Prozent zu verzeichnen, im Obergricht teilweise mehr als 70 Prozent. Mario Winkler, Pressesprecher der Österreichischen Hagelversicherung, bilanzierte das Frühjahr für ganz Öster-reich mit: „Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft schlägt bis dato mit rund 110 Millionen Euro zu Buche“ – wobei 80 Millionen Euro allein Folge der Trockenheit sind.

 

GRÜNLAND. „Da schaut’s wirklich dramatisch aus“, sagt Peter Frank zum Grünland. Beim zweiten Schnitt gebe es Ernteausfälle von 60 bis 100 Prozent. Anstelle von 6500 kg Heu pro Hektar in einem durchschnittlichen Jahr gebe es heuer 3500. „Viele Betriebe haben nur die Hälfte der Futtervorräte im Stadel. Und ein halbleerer Stadel ist etwas vom Schlimmsten, was einem Bauern passieren kann“, sagt er. Daher ist für Landwirte im Bezirk der Futterzukauf Thema, wobei die Händler die Nachfrage nicht immer stillen könnten. Großes Lob Franks erntet das Almpersonal: Es habe sich sehr bemüht, durch eine gezielte Weideführung über den Sommer zu kommen. Die Tiere seien weitergetrieben worden, um den auch auf den Almen verzögerten Nachwuchs dennoch in einen guten Almsommer zu verwandeln. Frank hat jedenfalls nichts von vorzeitigen Almabtrieben gehört. Aus der Herbstweide, schätzt Peter Frank zumindest derzeit, wird wohl auch nicht viel werden: Der Boden ist „ausgebrannt“, sodass er sich wohl nicht so schnell erholt – die Weide bis Mitte, Ende Oktober vor der Haustür könnte also auch ausfallen. Frank konnte am Samstag dann aber etwas aufatmen. „Die Niederschläge der letzten Stunden sind ein ‚Segen‘ und führen dazu, dass sich die Wiesen wieder langsam erholen.“

 

GETREIDE, ERDÄPFEL, OBST. Wenig erfreulich ist auch die Lage der Getreidebauern: „Die Ertragslage ist unterdurchschnittlich“, sagt Frank, wobei die Silomaisbestände stark standortabhängig seien. Unterdurchschnittlich dürfte wohl auch die Erdäpfelernte ausfallen (die Früherdäpfelernte habe noch halbwegs gepasst). Gute Nachrichten gibt’s von anderer Seite: Das Obstjahr war überdurchschnittlich gut. Äpfel, Zwetschken und Marillen bis hin zu Vogelbeeren konnte die Trockenheit nichts anhaben.

 

MASSNAHMENPAKET. Nachdem es Grünlandbauern am härtesten getroffen hat, ist der Viehbestand Thema: „Wichtig ist jetzt, dass es zu keinen Notverkäufen von Tieren kommt“, sagt Frank. Bei der ersten Versteigerung habe man davon nichts bemerkt. Die Landwirtschaftskammer hat jedenfalls ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, das zuständigen Politikern bereits übergeben wurde (es wurden auch Lokalaugenscheine durchgeführt). Darin geht’s um Prämien, Darlehensstundungen u.ä. „Die Dringlichkeit ist sehr hoch“, sagt Peter Frank. Und die Zuständigen von LK-Präs. Josef Hechenberger über LH-Stv. Josef Geisler bis hin zu Bundespolitikern „nehmen es sehr ernst“, weiß der Landecker Kammerchef.