Beleidigte Weißwürste

Liebe Freunde hoch emotionaler Wurstfabrikanten!

Die Medienschelte, bis dato eher eine Spezialität rüpelhafter Politiker, scheint jetzt auch im Sport verstärkt Einzug zu halten. Was Trump weltweit durch die Gegend poltert, macht jetzt Hoeneß dies- und jenseits des Weißwurstäquators. Wenn der FC Bayern Fußballspiele verliert, dann sind nicht die Kicker schuld. Nein. Es sind die Medien. Diese bösen Zeitungsschmierer und hinterlistigen Radio- und Fernsehmoderatoren, die mit großer Häme Wochen und Monate nur darauf warten, bei Niederlagen die Stars in den Dreck zu ziehen. Präsident Hoeneß und Vorstand Rumenigge luden jüngst zu einer Pressekonferenz, um den Presseleuten mitzuteilen, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Ex-Weltstars wie Müller, Hummels oder Boateng seien Opfer der Berichterstattung, nicht der eigenen fallweise schlechten Leistung. Der gelernte Metzger und Wurstfabrikant strapazierte sogar die Menschenrechte. Zu schreiben, dass ein Roter am grünen Rasen im schwarzen Bayern ein Versager sei, wäre nach Rechtsempfinden der Club-Bosse ein Verstoß gegen die Grundgesetze. Die Betrachtung dieser sensiblen Seite der beleidigten Weißwürste erfährt eine pikante Dimension, wenn der Fleischermeister im selben Atemzug erklärt, dass man den Franzosen Bernat sofort verkaufen musste, weil er im Europacup wörtlich einen totalen „Sch….dreck“ gespielt haben soll. Der Beschuldigte selbst meinte darauf, dass er eh nur die Überschrift gelesen habe und dazu sowieso nichts sagt. Ihm hätten seine Eltern beigebracht, im Leben immer nur dankbar sein zu sollen. Übrigens: Der Spitzenfußball, bei dem oben Genannte durchwegs Millionäre sind, ist neuerdings nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen. Wenn daran ohnehin nur die Journalisten Schuld sind, dann ist es letztlich fast schon gut, wenn uns Fans das Hören und Sehen vergeht. Ich persönlich probier’s jetzt eh mal mit Skifahren schauen. Und Haus- statt Weißwurst.

Meinhard Eiter

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