Beratung statt Strafe fordert Bauernbund-Präsident

Bezirksbauernobmann Richard Wörle, Präsident des Österreichischen Bauernbundes ÖR Jakob Auer und Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl (v.l.). RS-Foto: Chauvin

ÖR Jakob Auer besucht Bauernfamilien im Vils- und Tannheimer Tal

Im Rahmen der Bezirks-
touren und auf Einladung von Bezirksbauernobmann (BBO) Richard Wörle besuchte ÖR Jakob Bauer – gemeinsam mit Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl – Bauernbetriebe in Vils, Zöblen und Grän.

Die unterschiedlichen Erwerbsrichtungen Schafzucht, Mutterkuhhaltung und Milchwirtschaft sind in der Berglandwirtschaft im Bezirk Reutte, die sehr kleinstrukturiert wie sonst nirgendwo ist, zu finden.

In Zahlen sieht es so aus. In dem reinen Grünlandbezirk Außerfern mit 37 Gemeinden gibt es ca. 700 landwirtschaftliche Betriebe, davon sind etwa 160 Almen und Gemeinschaftsweiden. Als reine BIO-Betriebe arbeiten 20%, es gibt 100 Direktvermarkter und 19 Familien bieten „Urlaub auf dem Bauernhof“ an.
Mit fast 5000 Rindern, 2500 Schafen, 700 Pferden, 300 Ziegen und 230 Schweinen stehen die Tiere zu Buche. In der Milchwirtschaft ist die durchschnittliche Liefermenge mit 29.000 kg/Jahr zu beziffern, die von 305 Lieferanten eingesammelt wird. Diese wird größtenteils in der Käserei Biedermann, der Sennerei Sojer und der Molkerei Wildberg verarbeitet. Die Gesamtlieferung im Bezirk beträgt 8,9 Mio. kg, wovon eine Mio. kg Almmilch ist.
Einige Themen brennen Auer derzeit auf den Nägeln. Wie zum Beispiel ein rigoroses Vorgehen wegen fehlender Ohrenmarken, abweichender Flächenangaben oder irrtümlicher Tierbestandsmeldungen. Er meint, dass es einer Verwaltungsreform auf Brüsseler Ebene bedarf, damit kleine Fehler nicht große, Existenz bedrohende Folgen haben können.
Weiters beträfe eine umsichtige Politik für die Landwirtschaft auch immer den gesamten ländlichen Raum. Tourismus, Handwerk, Gewerbe, Gastronomie und Handel – all dies greife, verzahnt durch die Landwirtschaft, ineinander und erhalte so die Heimat. Jeder Euro der ländlichen Entwicklungssäule der Agrarpolitik wird siebenfach reinvestiert. Die Mehrfachrentabilität der öffentlichen Gelder für die Landwirtschaft ist deutlich gegeben.  Auer steht auch für eine fixierte Lösung im Tierschutzgesetz und die Rechtssicherheit für Rinderbauern ein. Romantik und Idealismus seien zu wenig. Durch höhere Produktpreise können die Bäuerinnen und Bauern die wichtigen Tierschutzmaßnahmen auch finanzieren. „Wenn die Bauern 20 Cent mehr pro Liter für die Milch bekommen, dann können sich alle den Tierschutz bestellen, den sie sich wünschen und brauchen“, betonte Auer. „Unseren kleinen bäuerlichen Betriebe können nicht allein von romantischer Werbung leben, sie brauchen auch Produktpreise, von denen sie leben können.“

Familienanschluss. BBO Wörle zeigt kein Verständnis für die pauschale Verurteilung der Anbindehaltung seitens der Handelsketten. Denn Erfolg und Wirtschaftlichkeit in der Landwirtschaft gehen nur einher mit dem Wohlergehen der Tiere. „Wenn es dem Tier nicht gut geht, geht es auch unseren Bauern nicht gut“, so Wörle. „Bei uns haben die Rinder quasi noch Familienanschluss. Ich kenne keinen Bauern, der seinen Kühen und Kälbern keine Namen gibt. Durch die Kombination von Almwirtschaft und Anbindehaltung entsteht für die Tiere ein ausgewogener Mix aus Bezug und Nähe zum Menschen und über 100 Weidetagen im Jahr.“ Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl sieht schon seit längerer Zeit, dass Konsumenten durch realitätsfremde Werbemaßnahmen der Handelsketten – wie das „sprechende Schwein“ – verunsichert werden. „Massentierhaltung, wo Kälber auf Beton geboren und die Kuh nach kurzem Hochleistungsleben auf Beton wieder stirbt, wird als artgerechtere Halteform verkauft als unsere Außerferner Sieben-Kuh-Betriebe, in denen jedes Tier mindestens 100 Tage im Jahr auf der Alm oder der Weide unterwegs ist.“ Raggl appelliert an die Vernunft der Konsumenten: „ Jeder entscheidet beim täglichen Einkauf, welche Landwirtschaft er und sie unterstützen wollen.“

Von Claudia Chauvin

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