„Bereicherung für den Untermarkt“

24 Jahre Einsatz für regionale Produkte: Dafür wurde Dorli Hackl (3. von links) bei der Eröffnung des neuen Domizils des Bauernladens vom Bauernbund ausgezeichnet. Mit ihr freuen sich: Ihre Nachfolgerin als Marktleiterin, Tamara Bartl (2. von rechts) sowie Kooperator Fritz Kerschbaumer, EWR-Vorstand Michael Hold, Außerferns Bauernbund-Obmann Christian Angerer, Reuttes Bürgermeister Luis Oberer sowie Christian Pölzl (v.l.). RS-Fotos: Gerrmann

Reuttes neuer Bauernladen wurde seiner Bestimmung übergeben

Ein wahres Schmuckstück für Reutte wurde am Samstag am Untermarkt feierlich seiner Bestimmung übergeben: Der neue Außerferner Bauernladen ist nämlich mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit. Er kann durchaus auch als Leistungsschau der Landwirte im Bezirk Reutte gelten. So breit gefächert und niveauvoll ist das Angebot.

Von Jürgen Gerrmann

„Es war ein Kraftakt, aber wir haben es binnen zweier Monate rechtzeitig geschafft“, freute sich Christian Pölzl, dass die Räume im Erdgeschoss der „Glocke“ noch pünktlich vor dem Reuttener Herbstmarkt fertig wurden. Viele hatten offensichtlich diesem Tag entgegengefiebert. Das zeigte der Andrang schon während der ersten Öffnungsstunden. Die zahlreichen Bäuerinnen hinter den Verkaufstheken hatten auf jeden Fall alle Hände voll zu tun.
Strahlende Gesichter sah man daher nicht nur bei ihm, sondern auch bei Tamara Bartl (sowohl privat als auch in der Geschäftsführung Pölzls Partnerin) und Dorli Hackl, die zwei Dutzend Jahre an der Spitze des Bauernladen-Teams stand und sowohl während dieser Zeit als auch während des Umbaus der „gute Geist“ des Projekts war.

Fast alle Liefernaten aus dem Außerfern.
Sehr ansprechend werden die regionalen Produkte im neuen Bauernladen präsentiert. Davon konnten sich die Besucher der Eröffnungsfeier am Samstag überzeugen.

„Sehr stolz“ zeigte sich Pölzl auch darauf, dass alle Lieferanten dem Bauernladen die Treue gehalten hätten. 95 Prozent aller 63 Zulieferer kämen dabei aus dem Außerfern – und bestückten eine breite Produktpalette, die von kleinen Dingen, wie Marmeladen über Kräutertees und Gemüse bis hin zu Käse, Wurstwaren, Speck, Fisch und Fleisch reicht.
„Wir brauchen diesen Bauernladen“, unterstrich auch Reuttes Bürgermeister Luis Oberer. Das neue Domizil sei sehr gut gelungen und sehr stilvoll eingerichtet: „Ein wesentlich besseres Ambiente als zuvor“, befand das Gemeindeoberhaupt.

Die Zukunft des Dengel-Hauses.

30 Jahre hätten sich Reuttes Verwaltung und Gemeinderat Gedanken über die Sanierung des Dengel-Hauses gemacht. Jetzt endlich könne man sie umsetzen.
Wenige Tage vor der Eröffnung des neuen Bauernladens hatte die Bauverhandlung über dessen alten Standort stattgefunden. Im Moment läuft, wie Oberer der RUNDSCHAU erklärte, die Feinplanung. Und die sieht vor, in der bisherigen Kunst-Galerie einen Trausaal zu etablieren. Die künftige Nutzung von Bauern- und Weltladen wird noch gesucht. Den ersten Stock nutzt dann die Gemeinde (unter anderen mit einem Besprechungszimmer), darüber entstehen Wohnungen. Und der Platz im Dreieck mit dem Rathaus und der Bezirkshauptmannschaft soll zum (autofreien) Amtsplatz avancieren. Die jetzigen Stellplätze fallen weg: „Wir haben genug davon in der Nähe.“
Den Bauernladen in die „Glocke“ zu verlagern, sei die richtige Entscheidung gewesen: Gemeinde, EWR und Regionalentwicklung Außerfern (REA) hätten sich sehr um diese Lösung bemüht, die eine „absolute Bereicherung für den Untermarkt“ bedeute. Das Angebot an regionalen Lebensmittelprodukten sei „genau der Frequenzbringer, den wir dringend brauchen.“
Der Laden stärke dabei nicht nur die Außerferner Bauern, sondern auch die lokale Wirtschaft: „Und wegen der kurzen Transportwege kommt er auch der Umwelt zugute.“
„Was wäre Tirol ohne Bauern und der Reuttener Kessel ohne Bauernladen?“, fragte der Außerferner Bauernobmann Christian Angerer in die Runde. In einer Zeit, in der Europa zusammenwachse, „müssen wir auf Regionalität setzen und unsere Produkte selbst vermarkten.“ Eine gute Nachricht sei es auch, dass in Ehenbichl demnächst eine neue Schlachtstätte entstehe, in der man Tiere dann wieder nahe an dem Ort, an dem sie gelebt hätten, schlachten und ihnen dadurch eine lange Fahrt im Lkw ersparen könne.

Ehrung für Dorli Hackl.

Bei Tamara Bartls Grußwort stand der Dank an ihre Vorgängerin Dorli Hackl im Mittelpunkt: „Ich hoffe, dass ich so gut weitermachen kann wie sie.“ Daran hat die „Mutter des Bauernladens“ indes keinerlei Zweifel: „Es ist so schön, dass Du weitermachst. Du bist mit dem Herzen dabei. Und der neue Laden ist einfach wunderbar geworden.“ Ihre Hoffnung: „Dass Du so viel Freude an der Arbeit hast wie ich in den 24 Jahren – dann wird alles gut!“
Nach der offiziellen Ehrung Dorli Hackls mit einer Urkunde des Bauernbunds nahm Kooperator Fritz Kerschbaumer seine erste Segnung in Reutte vor: Viel Arbeit stecke hinter diesem Laden, viele Menschen seien auch künftig tätig, damit die Versorgung mit Nahrungsmitteln funktioniere, und setzten sich dafür ein, eine Welt mitzugestalten, die „ökologisch, nachhaltig und fair“ sei.
Freilich: „Das funktioniert nur, wenn Gottes Segen darüber liegt.“ Und um den bat er dann gemeinsam mit allen Anwesenden.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.