Beschlüsse zum Chaletdorf durch

Gesamt sei derzeit ein Überschuss von 5,68, für den Weiler Bichl ein Überschuss von 3,96 Liter pro Sekunde zu verzeichnen, für das Chaletdorf seien 0,3 Liter ausreichend, gibt Bürgermeister Walter Schöpf Entwarnung. RS-Fotos: Dorn

Gemeinderat steht mehrheitlich hinter Bauvorhaben in Wenns

Solchen Andrang an ZuhörerInnen wie bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Wenns gibt es selten zu verzeichnen und solch ein klares Positionieren der anwesenden BürgerInnen gegen die Meinung der Gemeinderäte wohl auch. Mit jeweils einer Gegenstimme wurden die für die Vorarbeiten notwendigen Anträge bezüglich des im Weiler Bichl geplanten Chaletdorfs beschlossen, Fragen und Stellungnahmen vom Publikum wurden von Bürgermeister Walter Schöpf nicht zugelassen, der damit wohl einer stundenlangen Debatte mit ungewissem Ausgang geschickt ausgewichen ist.

Dass das Thema „Chaletdorf“ in Wenns trotz Informationsabend für einige Wenner Bürger noch lange nicht abgehakt ist, zeigte der große Andrang an ZuhörerInnen bei der letzten Gemeinderatssitzung, die sich vorwiegend dem umstrittenen Bauvorhaben widmete. Doch was auch immer die ZuhörerInnen erwartet hatten, die Gemeinderatssitzung ging ohne große Debatten und relativ ruhig über die Bühne. Die deutlich spürbaren Anspannungen der Gegner konnten sich nicht entladen und werden wohl noch irgendwann ein Ventil finden. Lösungen oder Kompromisse scheinen von beiden Seiten nicht mehr angestrebt zu werden – zu verhärtet sind schon lange die Fronten. Und was da unter der Oberfläche brodelt, kann nur geahnt werden. Ein Waffenstillstand fühlt sich auf jeden Fall anders an. Gleich zu Beginn der Sitzung widmete sich der Gemeinderat der, die letzten Wochen heiß diskutierten, Wasserversorgung für das Chaletdorf. Doch auch die mit zahlreichen Fakten untermauerte Powerpoint-Präsentation durch Bgm. Schöpf und die Bestätigung der Überschussmengen durch Gemeinderat Günther Röck ließen bei einigen ZuhörerInnen Zweifel übrig, ob das Wasser auch für das geplante Schwimmbad im Chaletdorf reichen würde. Messbares Überwasser gäbe es deshalb keines, weil alles in die Hochbehälter rinne, aber mit dem bescheidmäßigen Wassser habe man auf jeden Fall Reserven.

Gemeinderat versus Zuhörerschaft.

Raumplaner Klaus Spielmann betonte, dass sich das geplante Bauvorhaben im Einklang mit der im Raumordnungskonzept formulierten Zielsetzung befinde, die im Tourismus eine „Orientierung an der naturnahen Erholung“ fordere. Auch eine Zersiedelung durch den unmittelbaren Anschluss an die Siedlung würde verhindert werden und Spielmann erläuterte zum wiederholten Male ausführlich, dass aufgrund der Widmung die Gründung von Freizeitwohnsitzen ausgeschlossen werden könnte: „Bei der Widmung Sonderfläche muss die Nutzung exakt festgelegt werden.“ Er würde zudem eine privatrechtliche, detaillierte Vereinbarung empfehlen, die Dinge wie Vorkaufsrecht und Bauzeit beinhalte. Für das Feuchtgebiet, das als ökologisch wertvolle Fläche ausgewiesen ist, muss für die naturschutzrechtliche Bewilligung eine Ersatzfläche geschaffen werden, was aber dem im Süden direkt angrenzenden Nachbarn Reinhard Dobler äußerst missfällt, wie er im Anschluss an die Gemeinderatssitzung noch erläutert: „Ich hab mein Grundstück extra nie entwässert. Die Hälfte davon ist Feuchtgebiet, aber nur ein Teil ist als ökologisch wertvoll ausgewiesen. Wenn das Chaletdorf kommt, ist das alles praktisch hin.“ Und dass das Bauvorhaben umgesetzt wird, wird wohl nicht mehr so leicht aufzuhalten sein, denn die Änderung des Raumordnungskonzepts sowie die Umwidmung des betroffenen Grundstücks wurden nun jeweils mit nur einer Gegenstimme abgesegnet. Gegen die Anträge sprach sich Gemeinderat Marco Dobler aus, der sich auch für Wortmeldungen aus der Zuhörerschaft stark machte und für sein Engagement gegen das Projekt mehrmals Applaus vom Publikum bekam. Bis die letzten Stimmen gegen das Chaletdorf verhallt sind, wird wohl noch einiges an Überwasser aus den Hochbehältern die Kanäle herunterfließen.

Von Agnes Dorn

Raumplaner Klaus Spielmann präsentiert den nun aufliegenden Bebauungsplan für das Chaletdorf.
Selten interessieren sich so viele Menschen aktiv für die Arbeit der Gemeinderäte wie bei der letzten Sitzung im Jahr 2016 in Wenns.

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