Betteln im Diskurs

Mag. Michael Haupt, Alt-VBgm. Manfred Weiskopf, Mag. Elisabeth Hussl, Mag. Erika Dekitsch, Mag. Dr. Helmut P. Gaisbauer und Mathias Schauer (v. l.) RS-Foto: Tiefenbacher

Veranstaltung im Alten Kino Thema

 

Das Betteln stand kürzlich im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Kulturzentrum Altes Kino in Landeck: „Betteln – eine persönliche Herausforderung“ lautete der Titel.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Eingeladen hatten der Verein Arge Kino, die Initiative Minderheiten Tirol und die Initiative Bettellobby Tirol. Auslöser für die Organisation der Veranstaltung ist, dass die Verordnung eines Bettelverbotes in Landeck im Raum steht – es gibt dazu noch keine Entscheidung. Angesichts dieser Situation hielten es die Organisatoren für wichtig, eine auf soliden wissenschaftlichen Fakten basierende, sachlich und nicht emotional hergeleitete Darstellung der Thematik in die Debatte einzubringen. Dies versuchte man durch den einleitenden Film „Betteln.Menschen.Rechte“ und den Impulsvortrag von Mag. Dr. Helmut P. Gaisbauer (Zentrum für Ethik und Armutsforschung, Universität Salzburg) sicherzustellen. Moderiert wurde der Abend von Mag. Michael Haupt, Geschäftsführer der Initiative Minderheiten. Alt-VBgm. Manfred Weiskopf trug mit einer Privatspende zur Finanzierung der Veranstaltung bei.

 

RESÜMEE. Das Resümee der Veranstaltung ist, dass sich viele arme Menschen aus Osteuropa als Notreisende auf den Weg machen, um in der Ferne ihre triste Lebenssituation im Herkunftsland mit Betteln zu verbessern, weil Betteln die letzte Hoffnung in der Armut ist, und dass man mit gutem Gefühl spenden kann, weil das Geld bei den notleidenden Menschen ankommt. In diesem Zusammenhang mehrfach angesprochen wurde, dass keine Indizien dafür vorliegen, dass die bettelnden Menschen organisierten Banden angehören („natürlich schließen sich die Menschen zusammen und reisen gemeinsam an“) und es keinen Nachweis für die Existenz einer „Bettelmafia“ in Österreich gibt, die diese Menschen zwingt und sie ausbeutet. Zusatzanmerkung dazu: Natürlich könne man nicht hundertprozentig ausschließen, dass es in Einzelfällen Ausbeutung gibt.

 

GESELLSCHAFTLICHES BEWUSSTSEIN. Verwiesen wurde auf die Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Hinblick auf das Betteln. Im christlichen Mittelalter (13. und 14. Jahrhundert) waren die Bettler geduldet und angesehen. Die Leute freuten sich, wenn die Bettler z.B. am Markt waren, und zwar deshalb, weil es damals als Himmelsleiter galt, den Armen Almosen zu geben. Heutzutage haben viele Leute Ressentiments und Ängs-te gegenüber Bettlern und sie sind der Ansicht, Armut solle sich hinter den vier Wänden verbergen. Was fehlt, ist der solidarische Bürgersinn, der die Bevölkerungsmehrheit dazu bringen könnte, Betteln als Menschenrecht zu verstehen, wobei den Bettelnden die Möglichkeit einer Anwesenheit im öffentlichen Raum uneingeschränkt zugestanden wird.

 

VERBESSERUNGSBEDARF. Verbesserungsbedarf wird noch bezüglich der Denkweise eines relativ hohen Anteils der Bevölkerung über Armut gesehen. Dazu wird eine Studie zur sozialen Repräsentation der Armut zitiert: Diese zeige, dass 13 Prozent der ÖsterreicherInnen der Meinung sind, Armut habe vorrangig mit Faulheit und mangelnder Willenskraft zu tun. Zudem sei ein Mangel an Wissen über die Ursachen der Armut und die Bettler vorhanden.

Der Salzburger Armutsforscher Helmut P. Gaisbauer beim Impulsvortrag RS-Foto: Tiefenbacher

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.