„Bin sehr froh, dass die Wahl so gelaufen ist“

Wochenlang bemühten sich die Parteien und politischen Gruppierungen um die Gunst des Wählers – nun haben Tirol und der Bezirk Imst gewählt. RS-Foto: Schnöll

Tiroler Volkspartei punktet durch Vorzugsstimmenwahl und mobilisiert eigene Stammwähler auch im Bezirk Imst

Gut, das pinke Tüpfelchen auf dem „i“ hätte, wenn es nach der Volkspartei gegangen wäre, nicht unbedingt sein müssen, haben ihr im Bezirk Imst bloß schlaffe 1000 Stimmen gefehlt, um das zweite Grundmandat abzusichern. So bleibt (vorerst fast) alles beim Alten. Jakob Wolf als „politischer Platzhirsch“ verbläst Freund und Feind mit 5.737 Vorzugsstimmen. Doch der Blick richtet sich nach vorn in Richtung Koalitionsverhandlungen und neuer Landesregierung.

Von Thomas Parth

Großflächige Wahlplakate, windsicher montiert auf Betonsockeln: Die Landtagswahl war auch eine Mensch- und Materialschlacht, speziell bei der ÖVP. RS-Fotos: Parth

Die neuesten Infos trudelten per Smartphone in der Imster VP-Zentrale ein.

„Ich bin sehr froh, dass die Wahl so gelaufen ist“, gibt sich der VP-Klubobmann Jakob Wolf erleichtert: „Als einen kleinen Wermutstropfen sehe ich, dass uns rund 1000 Stimmen auf das zweite Grundmandat im Bezirk Imst fehlen.“

Lob den Funktionären.

„Wir haben uns sehr angestrengt“, attestiert Wolf allen Mitstreitern lobend. Bereits vor dem Wahltag hatte der VP-Klubobmann versprochen, „zu laufen, zu laufen und zu laufen“. Dieses Versprechen wurde mit Wahlfrühstückssackerl vor der Türe und unzähligen persönlichen Kontakten auch eingehalten und speziell von den schwarzen Stammwählern goutiert, die sich am frostigen Wahlsonntag aufmachten, um in der Wahlkabine ihr Kreuzerl zu setzen.

Stefan Weirather hatte sich längere Zeit mit Amanda Raich einen spannenden Vorzugsstimmen-Wettlauf geliefert. Der Imster Bürgermeister konnte letztlich mit 1881 zu 1704 Vorzugsstimmen die Jerzenerin überholen. Somit ist vorerst alles beim Alten, was die Reihung betrifft, wo 2013 Weirather neben Wolf in den Landtag einzog, doch Wolf warnt: „Solange die Regierung noch nicht steht, ist allerdings noch alles offen.“ Das Nonplusultra an schwarzen Sympathiewerten – Toni Mattle aus dem Nachbarbezirk Landeck – konnte Wolf zwar nicht knacken, dennoch gibt sich der Ötztaler euphorisch: „Meine Vorzugsstimmen sind mit über 5700 beachtlich. Für mich ist das ein toller Vertrauensbeweis und macht mich stolz und zufrieden.“ Die rote Parteispitze im Bezirk, Vincenzo Diana, kam auf 474 Vorzugsstimmen, Markus Moser von den Neos auf 403, während Wolfgang Neururer von der FPÖ stattliche 727 Kreuzchen einfuhr.

Jetzt gehe es bereits „voll los mit Parteivorstandstagungen“, weiß Wolf. Bereits zwei Tage nach der Wahl würden die Sondierungsgespräche starten. Wolf verspricht: „Die Tiroler Volkspartei wird alle Parteien zu Gesprächen einladen. Unser Ziel ist es, bis Ostern eine neue Landesregierung präsentieren zu können.“

Freude über zweiten Platz

Sozialdemokraten verfehlen 20 Prozent, landen aber vor FPÖ

Ganz geklappt hat es nicht mit dem sozialdemokratischen Ziel, landesweit ein Fünftel der Wählerstimmen abzuholen – zufriedene Gesichter gibt’s aber angesichts des zweiten Platzes vor den Freiheitlichen. Der stellvertretende Landesparteivorsitzende und Bürgermeister von Sellrain, Georg Dornauer, freut sich besonders über 15000 Stimmen in seinem Heimatbezirk.

Von Gebi G. Schnöll & Manuel Matt

Die SPÖ zog mit Spitzenkandidatin Elisabeth Blanik in den Wahlkampf. RS-Foto: Matt

Gegenüber der RUNDSCHAU erklärte der stellvertretende SPÖ-Landesparteivorsitzende Georg Dornauer kurz nach der ersten Hochrechnung: „Das Ziel, im Bezirk Innsbruck-Land mehr als 15000 Wählerstimmen zu holen, ist erreicht worden. Das ist sensationell!“ Erhofft haben sich die Roten landesweit ein Ergebnis von 20 Prozent plus. „Das ist uns nicht gelungen, aber der zweite Platz hinter der ÖVP und vor der FPÖ freut uns umso mehr“, so Dornauer.

Koalitionsgeflüster.

Auf die Einladung von Landeshauptmann Günther Platter zu einem Sondierungsgespräch freue man sich jedenfalls. „Wir haben Platter noch kein konkretes Angebot gemacht, wollen aber in die Regierung, um den Stillstand in der Schwarz-Grün-Koalition zu beenden und um ein Schwarz-Blau-Chaos zu verhindern!“

„Bereit für Gespräche“

Tiroler FPÖ feiert starke Zugewinne, landet aber hinter SPÖ

Nach der Landtagswahl sieht sich die FPÖ in ihrer Position gestärkt. Zwar konnte das erklärte Ziel, die SPÖ zu überholen und an die zweite Stelle zu gelangen, nicht erreicht werden, dennoch wird von einem mehr als achtbaren Erfolg gesprochen.

Von Sabine Schretter & Manuel Matt

Rund 15,5 Prozent der Tiroler gaben den Freiheitlichen ihre Stimme – ein sattes Plus von 6,19 Prozent. RS-Foto: Matt

Fabian Walch, Bezirkslistenerster in Reutte und auf Platz sieben der Landesliste, erklärt im Gespräch mit der RUNDSCHAU: „Wir haben uns gut geschlagen. Dass wir unser Ziel, uns auf Platz zwei hinter der ÖVP einzureihen, nicht erreicht haben, ist zwar ein kleiner Wermutstropfen, dennoch gehen wir gestärkt in die Zukunft.“

Noch steht nicht fest, ob die FPÖ als Oppositions- oder Regierungspartei im Tiroler Landtag vertreten sein wird. Als Opposition werde man aber ein unangenehmer Partner sein, verspricht Fabian Walch. „Der Landeshauptmann wird es nicht leicht mit uns haben.“ Die FPÖ sei bereit für Gespräche, in welche Richtung diese laufen werden, entscheidet der Landeshauptmann.

Das sehr gute Bezirksergebnis in Reutte – 14,85 Prozent, Platz zwei – führt er auf die Präsenz und das Engagement vor Ort zurück.

Die Arbeit der Partei sei von den Wählern mit dem erreichten Wahlergebnis honoriert worden.

Besser als in den Umfragen

Tiroler Grüne trotz deutlichem Minus weiterhin zweistellig

Mit federleichtem Herzen werden die Tiroler Grünen nach dem Abstürzen der Partei auf Bundesebene dem Wahlausgang wohl nicht entgegengesehen haben. Das Ergebnis ist aber mit tirolweiten 10,67 Prozent besser, als es die Umfragen im Vorfeld prophezeit haben.

Von Gebi G. Schnöll & Manuel Matt

„Nur mit dir“ – rund jeder zehnte Tiroler ist der grünen Bitte gefolgt. RS-Foto: Matt

Ob die Grünen weiterhin auf der Regierungsbank sitzen, dürfte angesichts der eingefahrenen Verluste wohl fraglich sein. Bei der Wahl selbst ist man jedenfalls gerade noch mit einem „blauen, pardon, grünen Auge“ davon gekommen. Die zweistellige Prozentmarke konnte gerade noch gehalten werden. Grünen-Landessprecher Hubert Weiler-Auer sagt, dass man in den letzten Tagen vor der Wahl unheimlich viel Überzeugungsarbeit geleistet habe. „Die Umfragewerte vor der Wahl waren weit schlechter als das Ergebnis, das wir am Ende erreichen konnten. Leichter macht das die Koalitionsverhandlungen aber nicht!“

„Mindestziel erfüllt“

Liste Fritz schafft Einzug in Landtag mit leichten Verlusten

Ein wenig zittern musste die Liste Fritz nach den ersten Hochrechnungen am Sonntag zwar, doch spätestens das Ergebnis der Landeshauptstadt brachte Erleichterung. Mit dem erneuten Einzug sei zumindest das Mindestziel erfüllt, meint Markus Rottensteiner, „Fritz“-Kandidat aus Jerzens – auch wenn es ein paar Prozent mehr hätten sein dürfen.

Von Manuel Matt

Markus Rottensteiner zog mit Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider in den Wahlkampf. RS-Foto: Matt

Das allgemeine Wahlergebnis sei vorherzusehen und nicht sehr überraschend gewesen, sagt der Jerzener „Fritz“-Kandidat Markus Rottensteiner gegenüber der RUNDSCHAU. Der eigene Balken wurde hingegen mit Spannung verfolgt, war doch nach den ersten Hochrechnungen nicht ganz klar, ob der Einzug in den Landtag glückt. Mit dem Nehmen der Fünf-Prozent-Hürde sei zumindest das „Mindestziel“ erfüllt worden, so Rottensteiner, der aber etwas Ernüchterung angesichts der leichten Verluste da und dort nicht überspielen möchte. Mit den Ergebnissen im Bezirk dürfe man aber zufrieden sein, so der Kandidat. Eine Vorstandssitzung folge in den nächsten Tagen, wo analysiert, geklärt und Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Jedenfalls habe die Liste im Landtag „gute Arbeit geleistet“ und trotzdem „nichts gewonnen“ – „vielleicht liegt es daran, dass wir unsere Erfolge zu wenig publik gemacht haben“, vermutet Rottensteiner. An einer Koalition mit der Volkspartei bestehe kein Interesse. „Wir bleiben in der Opposition“, kündigt Rottensteiner an.

„Sehr zufrieden“

Neos werden erstmals im Tiroler Landtag vertreten sein

Auch bei den Neos brachten erst die Wähler der Landeshauptstadt die endgültige Gewissheit, künftig im Tiroler Landtag vertreten zu sein. „Es gibt offenbar auch einen Platz für die Neos“, freut sich Markus Moser, der als alleiniger pinker Bürgermeister in Tirol in den Wahlkampf zog.

Von Manuel Matt

Markus Moser durfte auf die Unterstützung von Neos-Vorsitzenden Mathias Strolz zählen. RS-Foto: Archiv

Angesichts der eigenen Ressourcen sei die pinke Rolle in der „Materialschlacht“ des Wahlkampfs schwer gewesen, verrät Markus Moser, Neos-Kandidat und Milser Bürgermeister. Trotzdem dürfe nun mit dem Einzug in den Landtag ein „guter Erfolg“ gefeiert werden, mit dem man „sehr zufrieden“ sein dürfe, meint Moser. Das Wahlergebnis zeige, dass sich die Tiroler Beständigkeit wünschen würden, aber auch die Grünen einen erfolgreichen Wahlkampf samt geglückter Mobilisierung abgeliefert hätten – „es hat sich aber auch gezeigt, dass es einen Platz für die Neos in der Tiroler Politik zu geben scheint“, meint Moser erfreut. Die vielen positiven Rückmeldungen im Wahlkampf hätten zwar etwas mehr erwarten lassen, dennoch dürfe man trotz knappem Ergebnis „sehr zufrieden“ sein. Ein pinkes Mitregieren sei „theoretisch möglich“, der Landeshauptmann suche aber wahrscheinlich eine breitere Basis, vermutet Moser, der auf Schwarz-Rot tippt – sofern die Sozialdemokraten wollen. Moser darf sich jedenfalls über rund 25 Prozent Neos-Wähler in seiner Heimatgemeinde freuen: „Da muss ich mich wohl vor der nächsten Bürgermeisterwahl nicht fürchten!“

Kommentar

Manuel Matt, stellvertretender Redaktionsleiter der RUNDSCHAU Imst

Wenn man dem britischen Science-Fiction-Autor Douglas Adams Glauben schenken möchte, gibt es irgendwo in den Weiten des Universums einen Planeten, auf dem die Menschen zwar Menschen sind, aber doch von Eidechsen regiert werden. Das Volk würde die schuppigen Anführer verabscheuen, schreibt Adams, und doch sei es eine uralte Demokratie. Warum gehen die Menschen dann aber zur Wahl, anstatt sich die unliebsamen Machthaber einfach vom Hals zu schaffen, so das Wundern, das auch auf der Erde nicht völlig fremd scheint. Immerhin ist das Sudern über die Politik geradezu Volkssport und die größte Fraktion im Land bleiben die stummen Nichtwähler. Vielleicht ist der Grund für die fehlenden Sympathien, das schwelende Desinteresse, dass die Volksvertreter trotz aller Bemühungen nicht so recht als Menschen wie du und ich gesehen werden. Vielleicht ist Politik aber auch nicht so einfach, wie wir es uns bei Zigarette und Bier vorstellen. So oder so – es ist eine verzwickte Situation, aus der es im realen Leben nicht so wirklich einen klaren Ausweg zu geben scheint. Bei Adams ist die Antwort hingegen recht einfach – wenn die Menschen keine Eidechse wählen würden, käme vielleicht die falsche Eidechse ans Ruder,

denkt Manuel Matt

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.