Brief ans Christkind

Liebe Freunde des Weihnachtsfestes!

Jetzt haben wir die Besinnlichkeit des Advents so gut wie überstanden. Ohne Bewusstlosigkeit. Trotz dieser vielen feucht-fröhlichen Treffen. Nur noch drei Weihnachtsfeiern. Dann haben Bauch, Nieren und Leber wieder ein bisschen Ruhe. Augen und Ohren müssen natürlich bis zur Bescherung wachsam bleiben. Denn da werden noch viele Glückwünsche über SMS, Twitter, Facebook, WhatsApp und andere Medien auf uns hereinprasseln. Mir ist das soundso viel zu viel. Und mich stört, dass das meist Kopien sind. Bilder und Sprüche einfach weitergeleitet. Oft vorher nicht einmal selbst gelesen. Liebes Christkind, ich würde mich über richtige Post freuen. Einen handgeschriebenen Brief. Im Kopf selbst ausgedachte Worte und persönlich formulierte Emotionen. Das wär doch was. So wie früher. Als noch nicht lauter Werbung im Postkasten lag. Ein Kuvert mit selbst eingespeichelten Marken verklebt. Geschrieben vielleicht sogar mit Tinte. So etwas ist eine völlig andere Beziehung zwischen Absender und Adressat. Aber gut. Wenn solch ein Brief halt doch zu viel Aufwand bedeutet, dann wünsche ich mir Anrufe. Ein kurzes Gespräch. Da habe ich die Chance, wenn einer fragt, wie es bei mir läuft, zu antworten: Es geht – was mir im Vergleich zum Laufen schnell genug ist! Ja, mein liebes Christkind. Jetzt willst du wohl noch wissen, was ich für Geschenke möchte? Mach dir keine Sorgen. Bei uns machen die Wichtel deinen Job. Und wir haben uns eingeschränkt. 50 Euro. Mehr darf keiner dem anderen wert sein. Ich finde das gut, weil ich eh nicht wüsste, was ich bräuchte. Man hat ja schon mehr als genug. Und ich wohl das Glück, dass ich vielleicht mit meinem heurigen Geschenk einen Treffer lande. Sollte ich etwas bekommen, das mir nicht gefällt, werde ich lügen. Und all mein schauspielerisches Nichttalent aufbieten, um zu strahlen und zu sagen: Woher weißt du, wie lange ich mir das schon gewünscht habe?

Meinhard Eiter

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