Brutal sozial

Liebe Freunde des Wohlfahrtsstaates!

Uns Österreichern geht es gut. Viele von uns haben aber Angst, dass das nicht so bleiben wird. Eben diese Tatsache ist ein Fressen für Populisten. Und so werden Sündenböcke kreiert für zukünftige Bedrohungsszenarien. Dazu gehören die Armen, die als Feinde der Reichen abgestempelt werden. Seit die FPÖ als selbst ernannte soziale Heimatpartei am Ruder ist, gehören Kürzungen von Zuschüssen für Benachteiligte zum Programm. Die Mindestsicherung, im Sozialbudget des Staates real eine verschwindend geringe Summe, wird abgesenkt. Was nicht nur die feindliche Zielgruppe der Ausländer, sondern auch viele Unsrige trifft. Speziell Kinder, alleinerziehende Frauen. Und auch Pensionisten. Jüngst traf sich unsere Ministerin mit den Sozialreferenten der Länder. Wie man liest, war das Treffen für die Katz. Hartinger-Klein, die uns schon vor Monaten weismachen wollte, dass man auch mit 150 Euro pro Monat durchaus leben kann, blieb stur. Und ging auf keine der Länderforderungen ein. Einige Landesräte sprachen von „Rodung der Soziallandschaft“. Und strapazierten die Steigerungsstufe. Hart, härter, Hartinger! Ob die gute Beate nun selbst als Person auch hartherzig ist, sei dahingestellt. Sie sagt und tut, was manche Leute gerne hören und sehen. Für viele, die selbst kein behindertes Kind in ihrer Familie haben und Oma und Opa noch ohne Pflegebedarf ihre Renten in die Familien zuschießen, ist es leicht, unseren Staat als „übersozial“ zu bezeichnen. Interessant ist, dass nicht selten die Bezieher von Unterstützung gegen die staatliche Fürsorge sind. Vor ein paar Jahren meinte ein Freund von mir, damals Maurer, er sei gegen dieses arbeitslose Gesindel mit Hang zum Schmarotzertum. Als ich meinen Kollegen fragte, was er im Moment so tue, meinte er: Stempeln und ein bisschen pfuschen. Ja, mein lieber Freund, antwortete ich, dann zahlt ja dein Bier, das du grade trinkst, im Moment eh der Staat!

Meinhard Eiter