„Büchse der Pandora“ geöffnet

Stein des Anstoßes war eine Petition, initiiert von Tina und Gerd Estermann. RS-Foto: Dorn

Podiumsdiskussion zum Erhalt der Feldringer Böden

Das Interesse der Bevölkerung an der Podiumsdiskussion zum geplanten Zusammenschluss der beiden Skigebiete Hochoetz und Kühtai war noch um einiges größer als von den Veranstaltern erwartet. Ein Kompromiss zwischen den Befürwortern und den Gegnern zeichnete sich indes aber keiner ab. Der mehrmals geäußerte Vorschlag, die Skigebiete ohne weitere Pisten miteinander zu verbinden, stieß besonders beim ÖVP-Tourismussprecher Mario Gerber auf keine offenen Ohren.

Von Agnes Dorn

Geladen hatte die Bürgerinitiative „Nein zur Zerstörung von Feldringer Böden und Schafjoch“ und laut Schätzung von Moderator Markus Sommersacher waren mehr als 250 Personen der Einladung gefolgt. Am Podium fanden als Befürworter des Skigebietszusammenschlusses der Tourismussprecher der ÖVP Mario Gerber und der Aufsichtsratsvorsitzende der Bergbahnen Bgm. Hansjörg Falkner Platz, am anderen Stehtisch argumentierten Markus Welzl vom Österreichischen Alpenverein und Gerd Estermann als Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Erschließung der bisher unberührten Naturlandschaft. Gebi Mair als Clubobmann der Grünen kam in Vertretung von LH-Stellvertreterin Ingrid Felipe. LH Günther Platter und LR Johannes Tratter hatten beide aus Termingründen abgesagt. Als Moderator konnten die Veranstalter Markus Sommersacher, den ehemaligen Chefredakteur des ORF-Tirol, gewinnen, der gleich zu Beginn verkündete, dass bei dieser Veranstaltung auch die „Büchse der Pandora geöffnet“, sprich das Projekt vorgestellt werden würde.

PLÄNE UND RICHTLINIEN.

Der Plan, die beiden Skigebiete Hochoetz und Kühtai miteinander zu verbinden, ist nicht neu, doch nun werden schon seit mehreren Monaten verschiedenste Varianten von den Bergbahnen diskutiert. Dass der nun vorgestellte Plan bereits jetzt der Öffentlichkeit präsentiert wurde, sei so nicht vorgesehen gewesen, erklärte AV Falkner. Eigentlich habe man noch die letzten Gespräche mit den betroffenen Grundeigentümern Ende November abwarten wollen. Gebi Mair, Klub-
obmann der Grünen, bedauerte indes, dass die Diskussionen bisher nur hinter verschlossenen Türen geführt worden waren und forderte mehr Transparenz. Dass seine Partei die umstrittene Fortschreibung des Seilbahnprogramms unter Vorbehalt mitunterschrieben hatte, erklärte er damit, dass dieses sonst ausgelaufen wäre und es dann gar keine Regelungen mehr gegeben hätte. Außerdem sei die Erweiterung über die Feldringer Böden auch nach dem TSSP in der bisher gültigen Form erlaubt, räumte er Hoffnungen der Gegner aus, sich auf dieses Papier stützen zu können. Auf die Frage von Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumordnung beim Alpenverein, was die Regierung denn bezüglich der Novellierung bisher verschwiegen hätte, wenn das Projekt schon nach der Fassung von 2011 möglich sei, antwortete Mair: „Das Programm soll nicht neu gemacht werden, um Projekte zu ermöglichen, sondern um sie zu bewerten.“ Welzl dagegen mutmaßte: „Mit der Novellierung ist noch viel mehr möglich. Da sind ganz konkrete Wünsche im Hintergrund aktiv.“

PRO UND KONTRA.

„Der geplante Flächenverbrauch für den Zusammenschluss ist größer als jedes einzelne der beiden Skigebiete und die Feldringer Böden wären unwiederbringlich zerstört“, zeigte sich Welzl vom Alpenverein schockiert über das geplante Großprojekt. „Ob man das nun Neuerschließung oder Erweiterung nennt, ist nur eine Frage der Definition. Alpine Raumordnung heißt, alle Interessen zu berücksichtigen. Wenn die Natur eine Stimme hätte, würde sie schon lange schreien“, ergänzte der stellvertretende Vorsitzende vom Tiroler Alpenverein. Doch warum will man überhaupt diesen Zusammenschluss, wenn es offensichtlich dermaßen großen Widerstand aus der einheimischen Bevölkerung gibt, wie die bisher über 6500 Unterschriften unter der von Estermann gestarteten Petition zeigen? Ein Argument liefert der Tourismussprecher Mario Gerber: „Viele Gäste sagen per Mail ab, weil ihnen das Skigebiet zu klein ist.“ Lautes Gelächter aus dem Publikum kommentierte diese Aussage des Kühtaier Hoteliers. Außerdem müssten die Gäste heute mittels Bus jährlich 31000 Kilometer zurücklegen, um zwischen den Schigebieten zu pendeln, der private Verkehr sei da noch gar nicht einberechnet, so Gerber. Und auf die mehrmals aufgebrachte Frage, warum man die Verbindung nicht einfach per Seilbahn ohne weitere Pisten herstellen könnte, antwortete Projektleiter Thomas Mair vom ILF: „Die Verbindung mit den Skipisten planen wir deshalb, weil kein Gast zum Seilbahnfahren kommt.“ Falkner erklärte außerdem, dass man die Variante ohne Skipisten zwar überprüft hätte, sich aber für die nun präferierte als „wirtschaftlich und ökologisch sinnvollste“ entschieden habe. Neben den drei Seilbahnen und mehreren Abfahrten wird auch ein Speicherteich benötigt werden, für dessen Standortwahl bereits Wasserproben entnommen wurden. „Beschneiung ist trotz der Höhe nötig. Die genaue Situierung ist noch nicht bekannt, aber einen Speicherteich brauchen wir auf jeden Fall“, bestätigte auch Falkner. „Wir garantieren, dass wir nichts zerstören. Dass es nicht mehr die ursprüngliche Natur sein wird, das wissen wir“, gibt er sich den kritischen Stimmen gegenüber verständlich.

DIE STIMMEN AUS DEM PUBLIKUM.

Eine weitere Person äußerte die Meinung, dass Kühtai schon jetzt ein totes Hoteldorf und die Kapazität bereits erreicht sei. Außerdem wurde der Verdacht geäußert, dass der Zusammenschluss nur die erste Ausbaustufe wäre und weitere folgen könnten. Falkner erklärte dazu, dass eine Inntalbahn derzeit noch nicht möglich sei und auch bei der Zusammenlegung nur ein Winterbetrieb und nicht wie auf einer Folie der Planer dargestellt eine Downhillstrecke geplant sei. Weitere Kritikpunkte aus dem Publikum, das sich während des gesamten Abends nach jeder Podiumsrunde mit Stellungnahmen und Fragen einbringen konnte, bezogen sich darauf, dass man schließlich nicht wissen könne, ob die nachfolgende Generation überhaupt die Tourismusbetriebe übernehmen wolle und man den Kindern doch auch intakte Natur hinterlassen solle. Außerdem wurde von einer ehemaligen Touristin und jetzigen Ochsengartenerin kritisiert, dass schon vor dem Ausbau ein Parkplatzproblem vorhanden sei und Dorothea Schumacher, Bezirkssprecherin der Grünen wollte wissen, wie weit die Tourismuswirtschaft Verantwortung für das Verkehrsproblem übernehmen würde. Bis Ende November sollen jedenfalls die Verhandlungen mit den circa zehn Grundbesitzern, davon zwei Agrargemeinschaften, abgeschlossen sein, skizziert Falkner die nächsten Schritte. Außerdem werde er dem Aufsichtsrat der Bergbahnen Bericht über die Podiumsdiskussion erstatten. Ob man in weiterer Folge einen Bürgerrat, wie mehrmals gefordert, in die weitere Planung mit einbinden werde, könne er zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder bestätigen noch negieren, so der Oetzer Bürgermeister abschließend.

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