Buona sera, bon soir, iyi geceler und griaß enk

Leonie Gasser und Jakob Bunte (3. und 4. v.l.) führten durch das Programm. Carmen Strigl-Petz und Sieglinde Breuss (1. und 2. v.l.) berichteten über die Motivation, die hinter dem Abend stand. RS-Fotos: Claus

Beim internationalen Buffet „Gusto Interkulturell“ war für jede Geschmacksrichtung etwas dabei

Mit einem buona sera, bon soir, iyi geceler und griaß enk hießen Leonie Gasser und Jakob Bunte im Namen der der 3. Klasse HLW die zahlreichen Gäste beim „Gusto Interkulturell“, einem internationalen Buffet mit vielen neuen Geschmacksrichtungen, willkommen.

Von Uwe Claus

Professor Hannes Missethon wies in seinem Vortrag darauf hin, wie eine gelungene Migration aussehen soll.

Unterstützt wurde der Abend vom Vorstand der ÖVP Frauen Reutte – eine besondere Bereicherung des Abends war der Vortrag von Professor Hannes Missethon aus Leoben (Stmk.), der zum Thema „Talente sind grenzenlos“ einiges zu sagen hatte. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der HLW-Schulband. Eigentlicher Hintergrund des Abends war das Thema „Migration“ – die Motivation war eine Erfahrung der ÖVP Frauen-Bezirksleiterin Carmen Strigl, die eine ähnliche Veranstaltung in Vils erlebt hatte, als dortige Flüchtlingsfamilien Speisen aus ihrer Heimat kredenzten und es im Gespräch die Gelegenheit ergab, deren Länder und Kulturen näher kennenzulernen. 

Gemeinsames Projekt.

„Meine Idee war es nun, diesen Abend in Zusammenarbeit mit der Regionalentwicklung Außerfern zu gestalten“, so Carmen Strigl-Petz. Wenig später nahm sie Kontakt mit Sieglinde Breuss, der Koordinatorin des Freiwilligen Zentrum Außerferns und der HLW auf. Deren Direktor Werner Hohenrainer unterstützte die Idee und sie wurde auf seinen Vorschlag hin als Projekt umgesetzt. „Dank den sehr engagierten Lehrerinnen: Manuela Baldauf, Melanie Köpfle-Wörz und Jasmin Mohr konnten wir dieses Projekt umsetzen“, erklärte Sieglinde Breuss. Unterstützt wurde die Idee von Fachlehrern für Kochen – Burgi Niederegger und René Lechner. Zusammen mit Schülern mit Migrationshintergrund ging es mit vollem Einsatz in die Schulküche; sie zauberten Köstlichkeiten aus verschiedenen Ländern. „Das Ergebnis sehen Sie am heutigen Abend“, freute sich Carmen Strigl-Petz. 

Die Bilder-Ausstellung von Belal Sadeqi fand große Beachtung bei den Gästen.

Mit einigen Worten nahm sie auch zum Thema Migration Stellung.  Für sie als Bezirksleiterin der Frauen ist es wichtig, dass wir Integration stärken, Vorurteile beseitigen und zeigen, dass es möglich ist, gemeinsam einen Weg zu finden, bei dem man respekt- und verständnisvoll miteinander leben kann. Dass Werte zu achten sind, gelte für sie als selbstverständlich und dies sollte nicht in Frage gestellt werden. Mindestens 30 Prozent aller Flüchtlinge in Österreich sind Frauen und Mädchen. Frauen fliehen vor Unterdrückung und Verfolgung aus politischen und religiösen Gründen. Weitere Ursachen sind Witwenverbrennungen, Verstümmelungen und Vergewaltigungen, die Frauen zur Flucht zwingen.  „Geflüchtete Frauen müssen einen besseren Zugang zu Bildung und zur Selbstständigkeit bekommen und den von der UNO deklarierten internationalen Gedenktagen für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen sollten wir erhöhte Aufmerksamkeit widmen“, mahnte Strigl-Petz an. 

Weg mit den Blockaden!

Mit eindringlichen Worten forderte Professor Dr. Hannes Missethon in seinem Vortrag, dass manche Menschen die Blockadehaltung gegen Migration aufgeben sollten. Anhand einer Bevölkerungspyramide demonstrierte Missethon dann, welch eklatante Entwicklung die Bevölkerung Österreichs in den nächs-en Jahren mitmachen wird. 

„Wir müssen uns davon verabschieden, Hilfe anzubieten, wo man sie gar nicht braucht“, und fügte hinzu: „Wir geben vor, wo’s langgeht und müssen führen“, sagte Missethon weiter, der ihn Leoben mit seinem Bruder eine Schule für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge gegründet hat. Man müsse den Jugendlichen aufzeigen, was Pünktlichkeit bedeutet und dass man sich Respekt erarbeiten muss. Anhand von Beispielen erklärte er, dass diese und ähnliche Vorgaben zum Erfolg führen werden. 

„Die Migranten werden in Zukunft eine wertvolle Stütze der Gesellschaft sein, wenn wir sie zielgerichtet darauf vorbereiten“, betonte er. „Viele glauben, wir brauchen keine Migration – die Analysen lehren uns etwas anderes. Die Gemeinden müssen offen bleiben für die Zuwanderung, denn wir stehen erst am Anfang der Schwierigkeiten“, setzte Missethon fort. Er regte Schulpatenschaften mit anderen Ländern an und er prophezeite, dass junge Migranten zukünftig Leistungen übernehmen werden, die wir zu unserer weiteren Entwicklung brauchen. Und er stellte weiter fest, dass es nicht nur Zuwanderung, sondern auch Ansiedlung brauche. „Bei diesem Thema wird die Politik noch ein Stück Mut brauchen und offen bleiben müssen – im eigenen Interesse!“

Geschichten in Farbe.

Während des Abends konnten die Gäste eine Bilder-Ausstellung von Belal Sadeqi bewundern, dessen faszinierende bisherige Lebensgeschichte einem den Atem rauben kann: Belal Sadeqi ist ein 19-jähriger junger Mann aus Afghanistan. Er flüchtete mit seiner Familie aus dem Krieg mit dem Traum vom Frieden. Seit Ende 2015 ist er nun in Österreich. Seine Geschichten erzählt er nicht mit Worten, sondern mit Farbe. Belal malt nun seit einem Jahr. Jede Farbe auf der Leinwand hat eine eigene Bedeutung. Er wohnte ursprünglich in Vils und ist jetzt in Ehrwald zuhause. Carmen Strigl-Petz bewunderte seinen Einsatz und was er in einem ihm fremden Land bereits geschafft hat. 

„Wir hoffen, dass dein Traum einer eigenen Ausstellung mit deinen Bilder in naher Zukunft stattfinden wird und du deine Zielstrebigkeit weiterverfolgst und das Interesse an den Dingen, die um dich herum passieren, nicht nachlässt.“