Cross-Country-Staatsmeister Charly Markt im RUNDSCHAU-Gespräch

Stolz präsentiert Markt in seinem Haus in Haiming seinen Londoner Olympia-Bike-Rahmen aus dem Jahr 2012. RS-Foto: Unterpirker

„Die ganze Entwicklung ist nicht gut!“

(upi) Nach dem Ende der Mountainbike Cross-Country-Rennsaison steht für die Oberländer Teammitglieder des Haibike Ötztal ProTeam Karl Markt, Gregor Raggl und Anna Spielmann eine sportliche Neuorientierung an. Warum das so ist, erzählte Teamleader Charly Markt bei einem ausführlichen Interview.

RUNDSCHAU: Charly, wie lautet dein Resümee der abgelaufenen Saison?

Karl Markt: Der Anfang war ein bisschen holprig, aber ab dem ersten Weltcup ist es perfekt gelaufen – die ganze Saison war eigentlich super gut. Das Einzige, das fehlte: die Nominierung für die Olympiade, diese wurde nicht geschafft. Ansonsten war es wirklich eine Hammer-Saison – für das gesamte Team!

 

RS: Auf der Agenda standen quasi auch die Nachwuchs- und Talenteförderung – was hat sich diesbezüglich getan?

Markt: Anna Spielmann (Anm.: Haiming) hat sich radfahrerisch stark entwickelt, sie ist bei der Cross-Country-Weltmeisterschaft nur knapp an einer Medaille vorbeigefahren – das war ein hervorragender Erfolg für sie. Leider löst sich das Team aber jetzt auf.

 

RS: Was heißt „löst sich auf“?

Markt: Haibike hat gesagt, dass es nicht mehr weitergeht. Somit haben wir keinen Radsponsor mehr – und auch Ötztal (Anm.: TVB) hat sich zurückgezogen. Es war alles auf Olympia aufgebaut. Die Hoffnung war, dass man ein oder zwei Fahrer dort hinbringt.

 

RS: Das bedeutet, ihr steht ohne Rad- und Hauptsponsor da?

Markt: Das war bis vor kurzem so. Aber es haben alle wieder ein gutes, neues Team (Anm.: Schweizer Top-Teams) gefunden. Das Haibike Ötztal ProTeam besteht nicht mehr.

 

RS: Die nächste Profi-Saison ist für euch gesichert?

Markt: Ja. Allerdings ist es schon sehr schade, dass es unser Team nicht mehr gibt.

 

RS: Wann habt ihr davon erfahren, dass Haibike aussteigt?

Markt: Das hat sich im Sommer angekündigt. Ötztal hätte weitergemacht, wenn eine andere Radmarke als Sponsor gefunden worden wäre. Nebenbei: Es sind auch andere Radmarken aus dem Profigeschäft ausgestiegen, es tut sich in der Szene bezüglich Sponsoring leider eher weniger Gutes. In den vergangenen Jahren wurde es diesbezüglich immer schwieriger.

 

RS: Frustriert das?

Markt: Naja, die ganze Entwicklung im Mountainbikesport ist nicht gut, finde ich.

 

RS: Wieso nicht?

Markt: Es geht hinsichtlich Professionalität eher rückwärts und auch die mediale Berichterstattung ist rückläufig. Regional ist die mediale Aufmerksamkeit zwar sehr gut, aber national und international eher nicht.

RS: Also ein richtiger Nackenschlag heuer?

Markt: Ja. Letztes Jahr hatten wir als Team unser erstes Jahr, es war ohnehin schwierig, alles mal ins Laufen zu bringen – und jetzt das.

 

RS: Stichwort Olympia: Die Qualifikation wurde verpasst – wie eng war es?

Markt: Es ging sich ganz knapp nicht aus – im Endeffekt hat es um 60 Punkte nicht gereicht (Anm.: von einigen tausend). Das war enttäuschend, weil wir in dieser Angelegenheit schon sehr viel Geld und Zeit investiert haben.

 

RS: Wie war die Partnerschaft generell mit dem TVB Ötztal?

Markt: Ötztal unterstützt mich ja schon sehr lange und das hat immer super funktioniert. Unterstützung gibt es weiterhin – wie ebenfalls eine tolle Zusammenarbeit. Sie haben uns auch immer wieder aufgefangen, wenn es einmal nicht weitergegangen ist. Bezüglich Haibike hätte die Kooperation besser sein können, sie hätten uns vielleicht ein bisschen mehr in die Produktentwicklung einbinden können.

 

RS: Wieder zurück zum Sportlichen: Habt ihr den angestrebten Elitestatus im UCI-Ranking erreichen können?

Markt: Den haben wir erreicht, wir sind nun unter den Top Ten-Teams weltweit.

 

RS: Was empfiehlst du dem heimischen Nachwuchs?

Markt: Man muss einfach schauen, dass man vom Niveau her stetig besser wird. Am Anfang kann das unter Umständen einige Jahre dauern. Aber man soll nicht locker lassen und durchbeißen – dann findet man in einem Team immer einen Platz.

 

RS: Eine Laura Stigger hätte das Zeug für noch Höheres?

Markt: Wenn sie so weiterfährt, dann ist ihr auf jeden Fall eine Medaille bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2017 zuzutrauen. Sie ist das größte Talent, das wir momentan in Österreich haben. Super wär’s natürlich, wenn es zusätzlich zum Beispiel auch die Anna (Spielmann) schaffen würde – das alles würde unserem Sport generell gut tun.

 

RS: Gibt es für dich noch die Vision 2020?

Markt: Die gibt es schon noch. Ganz ad acta gelegt ist die Olympiade (Anm.: in Tokio) noch nicht.

 

RS: Danke für das Gespräch.

von Albert Unterpirker

Dort will Charly Markt 2017 hin – zur WM nach Australien.

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