„Da kommt a Plus raus – aber wen interessiert’s?“

Verkaufsleiterin Ingrid Nothdurfter, die sozialpädagogische Beraterin Marianne Starjakob und Geschäftsführer Thomas Jascha vom Verein „issba“ (v.l.). RS-Foto: Matt

Verein „issba“ sieht zahlreiche Arbeitsplätze durch AMS-Kürzungen gefährdet

Rund 1,5 Millionen Euro hat das Arbeitsmarktservice (AMS) gemäß den budgetären Vorgaben aus Wien im Jahr 2019 in Tirol einzusparen. Das Wegbrechen an finanziellen Mitteln betrifft aber nicht nur das AMS selbst, sondern auch bisher geförderte Initiativen – wie etwa den Verein „issba“, der in Imst und Reutte mit fünf Standorten vertreten ist. Damit verbunden sind 82 Arbeitsplätze, um deren Weiterbestehen in dieser Form und Anzahl „issba“-Geschäftsführer Thomas Jascha nun fürchtet.

Von Manuel Matt

Seit 28 Jahren existiert der Verein „issba“ und beschäftigt im Auftrag des Tiroler Arbeitsmarktservices langzeitarbeitslose Personen und bereitet durch begleitende sozialpädagogische Maßnahmen auf den Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt vor. Eine lange Zeit und „wenn es ,issba‘ nicht mehr brauchen würde, gäb’s kein Problem“, gab Geschäftsführer Thomas Jascha so eingangs vor Medien mit ernster Miene zu Protokoll. „Doch ich glaube, wir sind notwendiger denn je“, unterstreicht Jascha. Diese Besorgnis unterstreicht die sozialpädagogische Beraterin Marianne Starjakob mit Zahlen des österreichischen Netzwerks „arbeit plus“: Seit 2008 sei die Zahl der Tiroler Langzeitarbeitslosen auf das Dreifache gestiegen – trotz positiver wirtschaftlicher Entwicklung und guter Arbeitsmarktsituation. Großteils betroffen von Langzeitarbeitslosigkeit seien Ältere, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder geringer Ausbildung.

Sparstift.

Viele dieser Menschen fanden dank den Bemühungen von „issba“ trotzdem eine Beschäftigung. Aktuell bietet der Verein an fünf Standorten in Imst und Reutte 82 Arbeitsplätze, wovon 49 als Transitarbeitsplätze, Lehrstellen und geschützte Arbeitsplätze einen direkten sozialen Hintergrund aufweisen. Von den Kürzungen sei so weniger der ehrenamtliche Verein, sondern vielmehr diese Arbeitsplätze bedroht, fürchtet Jascha. Immerhin droht mit den Einsparungen beim AMS eine Kürzung der „issba“-Fördermittel um 344.000 Euro – ein Minus von rund 32 Prozent. Keine kleine Summe, sind die Personalkosten doch der größte Brocken im Vereinsbudget (rund 3,2 Millionen Euro), betont der Geschäftsführer: „Da kann man den Mitarbeitern nicht sagen: ,Das schaffen wir!‘ Da geht’s ums Eingemachte, da geht’s um Strukturen.“

Ungewissheit.

Wieviele Arbeitsplätze tatsächlich von den Kürzungen betroffen sein werden, sei momentan noch unklar, sagt Jascha. Das liege auch einerseits daran, dass sich der Verein in mehrere Arbeitsbereiche gliedere, die in der Praxis gewachsen und miteinander verknüpft seien. Beispielsweise sei der Secondhand-Bereich auf den bestehenden Fuhrpark angewiesen, erklärt Jascha. Andererseits würden etwa beim „issba“-Geschirrverleih Verbindlichkeiten bestehen: „Wir sind ausgebucht, es muss geliefert werden“, umschreibt Jascha das Dilemma – denn die bestehende Unklarheit durch die Kürzungen würde überdies weitere Kunden eventuell verunsichern. Das vorrangige Ziel sei nun das Erhalten der Grundstruktur: Ein Neuaufbau würde jedenfalls sehr schwer werden, so Jascha.

Auf eigenen Füßen.

Beim Ansprechen der „issba“-Wirtschaftsbilanz weicht die Besorgnis zumindest für einen kurzen Moment dem Stolz. Bei einem jährlichen Gesamtbudget von 3,2 Millionen Euro stehen neben den Fördergeldern (1,4 Millionen Euro) eben auch eine Summe von 1,8 Millionen Euro an Eigenerlösen zu Buche. Das macht 57 Prozent: „Überdurchschnittlich in Österreich“, nickt Jascha, der zugleich an den Rückfluss an Wirtschaft und Staatshaushalt erinnert – einerseits durch Kaufkraft und Steuereinnahmen, andererseits durch Einsparungen im Sozialbereich. „Da kommt a Plus raus – aber wen interessiert’s?“, lässt der Geschäftsführer seinen Frust erahnen und legt eine weitere, ebenso rhetorische Frage nach: „Wollen wir den Menschen, die am sogenannten ,ersten Arbeitsmarkt‘ nicht mithalten können, etwas anbieten? Scheinbar nicht“, meint Jascha trocken, der eine prinzipielle Grundstimmung gegen Langzeitarbeitslose in Politik und Gesellschaft ortet. Die letztlichen Konsequenzen scheint der Geschäftsführer ebenso wenig verschweigen zu wollen. Im schlimmsten Fall gehe es bei „issba“ um bis zu 30 Arbeitsplätze.

Lichtblick.

So oder so – „unser Ziel kann es nicht sein, zum profitorientierten Unternehmen zu werden“, stellt Jascha klar. Er und sein Team scheinen jedenfalls auf die Unterstützung aus der Bevölkerung zählen zu können: Beim jüngsten Brunch fassten sich mit Dora Czell und Helmut Walch zwei Besucher ein Herz und sammelten Unterschriften gegen die Sparpläne. Das Resultat sind sieben Seiten voller Namen. „Das hat dem Team gut getan“, freut sich Jascha. Eine Möglichkeit, auch online seine Solidarität zu bekunden, sei in Planung, kündigt der Geschäftsführer an.