Das etwas andere „Tanzen ab der Lebensmitte“ –

Tanzleiterin Angelika Haas (re.), selbst leidenschaftliche Tänzerin, freut sich über den großen Zuspruch zum „Tanzen ab der Lebensmitte.“  Fotos: Haas

– das so viel mehr als Tanzen ist

 

Tanzen zeigt für Augenblicke, wie das Leben leichter sein kann. Beim Tanzen ab der Lebensmitte kommen Menschen zusammen, die Freude an Bewegung, Musik und Geselligkeit haben. Der gesundheitliche Aspekt ist die Draufgabe.

Tanz, wissenschaftlich formuliert,  ist die Umsetzung von Inspiration  – Musik oder Rhythmus – in Bewegung. Wie auch immer Tanz gesehen wird, ob als Ritual, Brauch, darstellende Kunstgattung, als Beruf oder Sportart, als Therapieform – Tanzen bedeutet auch soziale Interaktion und ist  schlichtweg ein Gefühlsausdruck.

Mensch tanzen gern. Bewegung zu Musik verbindet, verführt, macht Spaß und kann gegen Krankheiten helfen.

Schon Neugeborene reagieren auf Rhythmus. Babies mit etwa zehn Monaten fangen an, sich zu Musik zu bewegen. Erwachsene spüren, wie Musik in die Glieder fährt, es reißt einen vom Sessel, man kann nicht mehr stillhalten, man beginnt mitzuwippen, die Füße treten im Takt – daraus entsteht Tanz.

Der Mediziner und Moderator Eckart von Hirschhausen ist überzeugt: „Offenbar erhält nichts unsere grauen Zellen so gut wie ein buntes und bewegtes Leben.“ Er verweist auch auf den Kirchenlehrer Augustinus, der gesagt hat: „Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.“

Für Körper, Geist und Seele.

Tanzen ist Bewegung – und Bewegung tut gut, ist eine Wohltat für Körper, Geist und Seele.

Gerade für ältere Menschen ist es wichtig, die motorischen Fähigkeiten zu fördern und zu verbessern. Durch den Bewegungswechsel in verschiedenen Geschwindigkeiten und die Gewichtsverlagerungen von einem Bein auf das andere, wird zudem der Gleichgewichtssinn stimuliert.

Sich auf Bewegungsabläufe und Choreographien konzentrieren, sich diese merken und körperlich umsetzen, gilt als Demenzprävention. Der altersbedingte kognitive Abbau kann durch das Tanzen – wenn man rechtzeitig damit anfängt – verlangsamt werden.

Tanzen mit Angelika.

Im Außerfern erfreuen sich die Tanzstunden mit Angelika Haas großer Beliebtheit.

Alles fing mit einem Tanzkurs in einer Innsbrucker Tanzschule an. „Ich habe, wie viele andere auch, als Jugendliche einen Tanzkurs besucht“, fängt Angelika Haas im Gespräch mit der RUNDSCHAU zu erzählen an. „Das Tanzen hat mir von Anfang an gefallen und großen Spaß gemacht. Ich blieb dabei und kam so zum Turniertanzen. Nach meiner Familie ist Tanzen auch heute noch meine größte Leidenschaft.“

Als ihre Kinder klein waren, hat Angelika das Tanzen für kurze Zeit unterbrochen. „Ich habe aber bald gemerkt, wie sehr mir das Tanzen abgeht. Dann las ich eine Annonce in den Außerferner Nachrichten (Vorläufer der RUNDSCHAU, Anm. der Redaktion): „Seniorentanzleiterin gesucht“, lässt Angelika Haas erkennen, dass die Leidenschaft für das Tanzen wieder erweckt war.

Sie hat auf die Annonce geantwortet, sich vorgestellt und erfahren, dass sie die Ausbildung zur Tanzleiterin vorweisen muss. „Diese Ausbildung, die in Blöcken absolviert eineinhalb Jahre dauert, habe ich gemacht und auch die Prüfung abgelegt. Mittlerweile gebe ich bereits seit 20 Jahren die Tanzstunden für Menschen ab der Lebensmitte“, lässt Angelika Haas keinen Zweifel aufkommen, dass sie damit eine Lebensaufgabe gefunden hat.

Keine Tanzschule.

„Tanzen ab der Lebensmitte ist keine Tanzschule“, betont die Tanzleiterin. „Ich bin auch keine Tanzlehrerin, ich bin Tanzleiterin. Was wir machen, ist, eine ,andere Art zu tanzen’ zu vermitteln. Das ist weit mehr als Tanzen“, erklärt sie weiter.

Wer tanzen lernen möchte, muss eine Tanzschule besuchen.

Tanzen ab der Lebensmitte erfrischt die Seele und macht Spaß. Diese andere Art des Tanzens fördert und fordert  Konzentration und Koordination. Bewegung zur Musik macht Freude. Menschen erleben Geselligkeit und gewinnen ihre Fröhlichkeit zurück.

„Bei uns gibt es keine Fehler, keinen  Leistungsdruck! Jeder ist willkommen, man braucht auch keine Vorkenntnisse. Wir gehen auf jeden, der neu in die Gruppe kommt, ein. Diese Aspekte bringe ich immer so in meine Gruppen ein“, ist Tanzleiterin Angelika bemüht, Schwellenängste erst gar nicht aufkommen zu lassen.  Alle neuen Mitglieder werden vom ersten Tanzschritt an herzlich in die Gruppe aufgenommen. Weil jede Woche ein neuer Tanz gelernt wird, gibt es auch für die Routiniers so gut wie keine Startvorteile.

„Da muss man ja denken!“

„Wir treffen uns einmal pro Woche und tanzen dann eineinhalb Stunden. Die Leute können sitzen, am Anfang hören wir gemeinsam die Musik zum jeweiligen Tanz. Ich zeige den Tanz ohne Musik vor, dann tanzen wir gemeinsam – einmal ohne, dann mit Musik“, stellt Angelika Haas ihr Konzept vor. Getanzt werden mindestens acht Tänze pro Einheit. Jede Woche wird ein neuer Tanz einstudiert. Die einzelnen Tanzfiguren sind nach ein paar Stunden zwar bekannt, aber die Choreografien ändern sich. „Ganz oft sagen meine Tänzer zu mir, dass ich sie sehr fordere!“ – „damit habe ich dann schon viel erreicht“, lässt sich die Tanzleiterin in die Karten blicken.

Am Beginn einer Tanzstunde steht immer ein einfacher Tanz, dann folgt ein schwierigerer. Ungefähr zur Hälfte der Tanzzeit steht ein Line Dance auf dem Programm und gegen Ende lässt Angelika die Tanzstunde wieder mit ertwas Leichterem ausklingen.

Auf internationalen Kongressen, die regelmäßig veranstaltet werden, stellt jedes Land zwei Tänze vor. So gibt es immer wieder ein neues internationales Programm und eine neue Tanz-CD. „Ich stelle meine Programme und Choreografien selbst zusammen. Da kommt mir meine Tanzschul- und Turnierzeit sehr zugute“, so Angelika Haas. Sie vermittelt ihren Gruppen Tänze aus aller Welt, aus verschiedene Epochen und Kulturen. Es werden Square- und Linedance und Rounds getanzt.

„Ich bin immer wieder fasziniert, welche Leistungen die Leute bringen. Die Jüngeren ziehen die Älteren mit. Bei uns muss niemand einen Tanzpartner mitbringen. Es spielt keine Rolle, ob wir eine gerade oder ungerade Personenanzahl haben. Wir sprechen nicht von Dame und Herr, sondern von links- und rechtsstehend. Wenn Not am Mann/der Frau ist, springe ich als Tänzer ein. Meine Gruppen sind altersmäßig gut gemischt. Das fängt bei 50 Jahren an, die älteste Dame ist 90. Ich hatte in Vils auch schon einmal drei Generationen aus einer Familie in einer Gruppe“, freut sich Angelika Haas.

Oft würde ihr die Leute erstaunt sagen, dass man beim Tanzen doch auch denken müsse. Daraus ließe sich erkennen, wie sehr die Bewegung mit Musik auch den Geist fordere. „Es gibt kaum eine bessere Demenzprävention“, ist die Tanzleiterin überzeugt.

Dankbar.

Sie nehme selbst auch immer sehr viel aus ihren Tanzstunden mit, ist ein Fazit von Angelika Haas. „Mir bedeutet Tanzen sehr viel. Daher freut es mich besonders, wenn ich diese Freude weitergeben und die Leute für das Tanzen begeistern kann“, beschreibt sie ihren ganz persönlichen Gewinn.

Information.

Es ist nie zu spät, seinem Leben neuen Schwung zu verpassen und etwas zu wagen. Wer sich dazu entschließen möchte, erhält Auskunft bei Tanzleiterin Angelika Haas, die ihre Kurse im ganzen Bezirk anbietet. In Gruppen mit 16 bis 19 Personen werden Tänze gelernt, wird viel gelacht,  werden Kontakte geknüpft und ganz nebenbei auch etwas für die Gesundheit getan.

Kurse hält Angelika in Tannheim, Ehrwald, Vils und Reutte ab. Die Tanzleiterin ist unter Tel. +43 (0) 676 900 7828 zu erreichen.