Das ganze Leben

Dr. Stefan Dietrich kuratierte die Ausstellung „Telfs 1918“. Foto: Lia Buchner

Eröffnung der Ausstellung „Telfs 1918“ im Noaflhaus Telfs

Schicksalsjahr 1918: Untergang der Monarchie, Kriegsende, demokratischer Neubeginn. Und was heißt das ganz konkret? Wenn es ums Essen geht, ums Wohnen, um die Kinder, um den Mann, ums Wählen dürfen? Davon erzählt die beeindruckende Schau „Telfs 1918“ im Noaflhaus.

Schon der erste Blick macht Gänsehaut. Fünf übermannsgroße Fotos von der Ausrufung der Republik im November 1918 dominieren den Raum. Die Rampe des Wiener Parlaments, die Ringstraße schwarz vor Menschen bis zum Burgtheater. Darüber in sattroten Lettern der erste Absatz der Bundesverfassung. „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“ Schön!

An den Seitenwänden erzählt Stefan Dietrich, Kurator der Ausstellung, in umfassender Quellenarbeit davon, wie sich die große Weltpolitik in Telfs angefühlt hat. Nichts zu essen, zehn Stunden Anstellen für vielleicht ein bisschen Brot. Zusammenbruch der Südfront, italienische Truppen in Telfs. Irgendwann auch Aufruhr, Plünderungen und Angst vor bolschewistischen Zuständen. Und dann geht es doch weiter: die ersten demokratischen Wahlen Anfang 1919, Frauen sind endlich wahlberechtigt.

Dem Museumsteam um Claudia Mark ist mit Stefan Dietrich und dem Ausstellungsarchitekten Christian Höller etwas Besonderes gelungen: eine bewegend inszenierte Ausstellung mit enormer inhaltlicher Dichte auf hohem ästhetischen  Niveau. Nach dem Publikumsmag-neten Felix Mitterer-Ausstellung (die zwei Stockwerke tiefer bis Ende Januar zu sehen ist) folgt jetzt also mit „Telfs 1918“ der nächste große Wurf im Noaflhaus. Im Begleitprogramm zur Ausstellung ist am 14. November 2018 Anton Pelinka mit der Lesung „Die gescheiterte Republik“ zu Gast. Die Schau selbst ist bis 30. März 2019 im Noaflsaal zu sehen. Öffnungszeiten: Donnerstag und Samstag von 9 bis 12 Uhr, Freitag von 17 bis 20 Uhr.

Im Rahmenprogramm sind eine Lesung mit dem Politologen Prof. Dr. Anton Pelinka (14. November, 19.30 Uhr) und eine Kuratorenführung mit Dr. Stefan Dietrich (18. Jänner 2019. 17 Uhr) vorgesehen. Schulklassen ab der 8. Schulstufe können sich bei Mag. Mark (0676 83038 322) anmelden.

Einblicke in die Wirren des Ersten Weltkriegs.  Fotos: MGT/Schatz
Bilder und Texte sorgen für Gänsehaut. Foto: MGT/Schatz