Das harte Los der Schwabenkinder

Die Sonderausstellung "Schwabenkinder am Weg"

Sonderausstellung im Schloss Landeck

Das Thema „Schwabenkinder“ wurde im Zuge eines EU-Interreg-Projekts wissenschaftlich aufgearbeitet und aus den Ergebnissen wurde nun eine Sonderausstellung im Landecker Schloss präsentiert.

Die Aufzeichnungen der Kinderwanderungen reichen von 1616 bis Anfang der 40er-Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Hunderte Kinder und Jugendliche machten sich alljährlich zu Beginn des Frühjahrs auf den beschwerlichen Weg ins Schwabenland. Der Großteil der Kinder war zwischen zehn und fünfzehn Jahren, aber es machten sich auch schon Sechsjährige auf den Weg. Die Schwabenkinder, auch Hütekinder genannt, kamen meistens aus sehr kinderreichen Familien, denen es am Nötigsten fehlte. Ein Kind weniger bedeutete ein Esser weniger. Mit einem kleinen Bündel auf dem Rücken und oft nur notdürftig bekleidet machten sich die Kinder auf den Weg über die Alpen in Richtung Ravensburg. Zu Josefi, am 19. März, fand in Ravensburg der Kindermarkt statt, wo es ähnlich zuging wie auf einem Viehmarkt. Die Bedingungen der Kinder verbesserten sich mit der Gründung des Hütekindervereins, der 1891 vom Schnanner Seelsorger Venerand Schöpf ins Leben gerufen wurde. Der Weg der Schwabenkinder wird in der Sonderausstellung genau dokumentiert und beschrieben. Ein Stück des Weges wurden die Kinder oft von den Eltern begleitet und der Abschied von ihnen gestaltete sich meistens sehr tränenreich. Das „Rear-kappali“ in Zeinis (Galtür) erinnert noch an den Ort, an dem die Kinder aus dem Paznaun sich von den Eltern trennen mussten und wo so manche Tränen vergossen wurden. In Landeck trafen die Wege der Süd- und Nordtiroler Schwabenkinder zusammen, die, begleitet von einigen Erwachsenen, den Weg über den tief winterlichen Arlberg in Angriff nahmen. Im Rahmen dieses Projektes wurde auch gemeinsam mit allen beteiligten Partnern eine Schwabenkinder-Datenbank errichtet. Die Daten können im Internet abgerufen werden und sind auch in allen beteiligten Museen alphabetisch in Zettelkästen aufgelistet. Aus dem Bezirk Landeck wurden die Daten von 1100 Kindern gesammelt, aus Südtirol sind es 6700 Namen. Gemeinsam mit 26 Museen, ausgehend vom Bauernhausmuseum Wolfegg in Deutschland, wurde ein Schwabenkinder-Wanderweg ge-plant. Der Bezirksmuseumsverein Landeck beteiligte sich mit Schloss Landeck an einem Interreg-IV-Projekt gemeinsam mit dem Vintschger Museum in Schluderns, dem Alpinarium Galtür, dem Kunstraum Pettneu und dem Museum St. Anton als Kooperationspartner.

DER SCHWABENKINDER- „BUCKLKORB“. Die Schwabenkinder von den Museen hinaus in die Schulen zu bringen, bezeichnet Franz Geiger, verantwortlich für die Konzeption der Sonderausstellung, einen logischen Schritt. Für den „Bucklkorb“ habe man sich entschieden, weil es ein Transportgerät der Schwabenkinder war. Der Korb enthält Bücher und Videomaterial und ermöglicht anhand des pädagogischen Konzeptes die Schwabenkinder-Thematik in unterschiedliche Fächer einzubauen. Der Schwabenkinder-„Bucklkorb“ steht allen Volks- und Neuen Mittelschulen zur Verfügung und bietet neben dem Thema Schwabenkinder auch Unterlagen zu Kinderarbeit einst und heute. Die Sonderausstellung ermöglicht interessante und auch berührende Einblicke in das harte Leben der Schwabenkinder. Bewegend ist auch die Geschichte von Peter Hainz, einem Schwabenkind aus Fließ, der mittels einer Tonbandaufnahme von seinem Leben als Schwabenkind erzählt. Das Besucherinteresse an der Ausstellung wäre sehr gut, so die Mitarbeiter des Museumsvereins, der neben Führungen für Schulklassen auch Führungen für Gruppen anbietet. Bis zum 11. September besteht noch die Möglichkeit für eine Besichtigung im Schloss Landeck. Von 15. September bis 15. Oktober wird die Wanderausstellung „Schwabenkinder am Weg“ in Altfinstermünz präsentiert.

Von Irmgard Pfurtscheller

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