Das Ich im roten Wir

Liebe Freunde der Sozialdemokratie!

„Erfrischend anders. Elisabeth Blanik. SPÖ.“ Das steht auf einem Feuerzeug, das ich vor der Landtagswahl ergatterte. Und auf den Plakaten der Roten hieß es: „Freu dich Tirol :-)“. Dazu Sprüche wie „Die neue SPÖ Tirol ist da“. Oder: „Politik darf man ändern“.

Die Kampagne kam gut an und brachte der Partei ein Plus von 3,5 Prozent. Kreuzelmacher, die mit ihrem Votum erreichen wollten, dass die SPÖ wieder mitregiert, bleiben enttäuscht zurück. Denn die Chefin der Roten hat von Anfang an das Ich vor das Wir gestellt. Die Bürgermeisterin von Lienz ist studierte Architektin. Sie hat einen klaren Plan. Als Stadtchefin ist sie in Osttirol die unumschränkte Herrscherin. Und als Klubobfrau der Landespartei in den eigenen Reihen fix im Sattel. Sich mit ÖVP-Chef Günther Platter in ein gemeinsames politisches Bett zu legen, kam für die quirlige Frontfrau nie in Frage. Sie ist es längst gewohnt, über sich niemanden zu dulden. Und scheint auch wenig Lust zu haben, neben sich jemanden aufkommen zu lassen. Das bekam der Partei-Vize Georg Dornauer junior deutlich zu spüren. Er, der vom Gremium gemeinsam mit seiner Chefin ins Verhandlungsteam nominiert wurde, wollte in die Regierung. Diesen Soloritt büßte er mit der Höchststrafe. „Lisl“, wie Freunde die rote Regentin nennen, zog ihn aus dem Verhandlungsteam ab und schickte stattdessen ausgerechnet seinen Vater Georg Dornauer senior – mit dem klaren Auftrag, ja kein positives Ergebnis nach Hause zu bringen.

Das ist so, wie wenn bei Real Madrid Cristiano Ronaldo auf der Bank schmort, dann in der 75. Minute eingewechselt wird und zehn Minuten später wieder raus muss. Der junge Dornauer wird sich blau und noch mehr grün geärgert haben. Aber er ist kein Fußballer, der den Verein wechseln kann. Sein Leiberl bleibt rot. Doch vielleicht übernimmt der talentierte Stürmer ja dereinst die Kapitänsschleife. Dann darf er Tore schießen!

Meinhard Eiter


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